Karstadt Die Wut auf Berggruen wächst

17.000 Karstadt-Mitarbeiter warten auf eine Ansage über den künftigen Kurs. Sie fürchten um ihren Job. Wird Karstadt verkauft? Ein möglicher Käufer scheint abzuwinken. Teile des Aufsichtsrats sind über Eigentümer Berggruen empört.
Gerierte sich als Retter, investierte aber kaum: Karstadt-Eigentümer Nicolas Bergguen während einer Pressekonferenz im September 2010

Gerierte sich als Retter, investierte aber kaum: Karstadt-Eigentümer Nicolas Bergguen während einer Pressekonferenz im September 2010

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

Hamburg - "Es ist traurig, dass bei Karstadt das Gespenst von Job-Angst und Unsicherheit nach der traurigen Pleite vor vier Jahren erneut auftaucht", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Helmut Patzelt, der "Bild am Sonntag". Die Angestellten wollten nun Klarheit darüber, wie hoch die Gefahr für die Arbeitsplätze sei "und auf welche Maßnahmen sich die Mitarbeiter einstellen müssen".

Der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Konzerns, Arno Peukes, erhob schwere Vorwürfe gegen Investor Nicolas Berggruen. "Es ist eine Riesen-Sauerei, dass Berggruen jedes Jahr Millionen steuerfrei auf die Seite schafft, während die Mitarbeiter um ihre Jobs zittern müssen", sagte Peukes der Zeitung.

Laut dem Bericht fließen Millionenzahlungen, die Berggruen für die Namensrechte von Karstadt erhält, an eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik, die als Steueroase bekannt sind. Der Vorwurf war schon vor einem Jahr erhoben worden. Berggruen wollte sich den Angaben zufolge nicht dazu äußern.

Der Investor hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns übernommen und so vor dem Ende gerettet. Doch eine wirtschaftliche Kehrtwende schaffte er mit Karstadt nicht. Im Geschäftsjahr 2011/12 machte die Kette gut 158 Millionen Euro Verlust. Medienberichten zufolge verfehlte sie auch 2012/13 die Trendwende.

Investorengruppe um René Benko will Karstadt offenbar nicht kaufen

Wegen Differenzen mit Berggruen trat vor knapp einer Woche Karstadt-Geschäftsführerin Sjöstedt zurück. Berggruen habe ihr ursprünglich volle Unterstützung für ihre Strategie und Investitionspläne zugesagt, doch sie habe festgestellt, dass sich ihre Pläne nicht verwirklichen ließen, erklärte die Managerin.

Wie es jetzt mit den Karstadt-Warenhäusern weitergeht ist unsicher. In einzelnen Berichten hieß es, Berggruen verhandle bereits über einen Verkauf an die österreichische Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko verhandeln. Der scheint derzeit aber nicht interessiert zu sein, berichtet der "Focus" unter Berufung auf Wiener Unternehmensinsider. Ihn schrecke nicht zuletzt die schlechte wirtschaftliche Entwicklung von Karstadt ab.

Auch die "Bild am Sonntag" berichtete, die Karstadt-Häuser stünden nicht auf Benkos Einkaufsliste. Das Paket wäre für ihn nur interessant, wenn Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen ein schlüssiges Sanierungskonzept vorlege, was er bislang nicht habe liefern können. "Benko räumt nicht die Trümmer auf, die Berggruen hinterlassen hat."

Benko könnte für einen Euro gut 70 Prozent an Karstadt übernehmen. Bisher besitzt Benko bereits die Mehrheit an Karstadt-Sport und mehrere Top-Filialen. Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien. Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft, und das braucht spätestens für den Weihnachtseinkauf im Herbst Geld.

rei/afp/dpa/rtr
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