Montag, 19. August 2019

Arcandor-Pleite KPMG muss Arcandor-Millionen-Honorar teils zurückzahlen

Gut zwei Wochen vor der Arcandor-Pleite kassierte KPMG noch ein Millionen-Honorar vom strauchelnden Karstadt-Mutterkonzern

Die Berater von KPMG kassierten Millionen vom einst strauchelnden Karstadt-Mutterkonzern Arcandor - auch noch, als die Pleite offensichtlich nicht mehr abzuwenden war. Der Insolvenzverwalter erstritt jetzt vor Gericht einen Teil der Millionen zurück. Schadenersatz muss KPMG aber nicht zahlen.

Die Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG muss einen Teil ihres Millionenhonorars an die Insolvenzverwaltung des früheren Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor zurückzahlen. Die noch kurz vor der Pleite im Juni 2009 ausgezahlten Beraterhonorare hätten andere Gläubiger benachteiligt, begründete das Oberlandesgericht Frankfurt seine am Montag veröffentlichte Entscheidung.

Beide Seiten hätten zum Zeitpunkt der Zahlung am 20. Mai 2009 gewusst, dass die Finanzierung der weiteren Geschäftstätigkeit nicht mehr gesichert gewesen sei, stellten die Richter fest. Arcandor hatte mit ihren Tochtergesellschaften Karstadt, Primondo und Quelle am 9. Juni 2009 beim Amtsgericht Essen Insolvenz angemeldet.

Richter weist Forderung nach Schadenersatz zurück

Mit weitergehenden Forderungen drang Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch allerdings nicht durch. So muss KPMG keinen Schadenersatz in Höhe von verlangten 82 Millionen Euro leisten und auch 1,5 Millionen Euro Honorar bleiben in den Händen der Berater.

Nach Auffassung des Gerichts gehörte es nicht zur Pflicht der Berater, Arcandor auf die drohende Insolvenzgefahr hinzuweisen. Die Frage der Insolvenzreife habe nicht zum Auftrag an die KPMG gehört, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten.

Ein KPMG-Sprecher wollte am Montag das Urteil nicht kommentieren. Gegen die noch nicht rechtskräftige Entscheidung kann noch Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.

Rei/dpa

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