Mittwoch, 26. Juni 2019

Von der Nothochzeit zum Amazon-Herausforderer So wird die Karstadt-Kaufhof-Fusion eine Erfolgsstory

Der Neustart von Karstadt und Kaufhof kann gelingen, wenn das neue Unternehmen an die richtigen Stellschrauben dreht.

2. Teil: Ran an die jungen Zielgruppen

Eine große Herausforderung liegt auch in der Erweiterung der Zielgruppe. Zusätzlich zu den Über-40-Jährigen, die sich gern vor Ort im Laden zum Kauf inspirieren lassen, müssen auch jüngere Generationen den Weg in das Warenhaus finden. Das geht über agile Shop-in-Shop-Konzepte, Concept- und Pop-up-Stores. Die Lösung liegt in einer Mischung aus traditionellem Warenhaus und hipper Boutique, die ihr Erscheinungsbild häufig verändert und das Sortiment regelmäßig wechselt. Wer Flexibilität bietet und seine Kunden überrascht, kann sie langfristig an sich binden.

4. Nehmt Online endlich ernst

Der Online-Auftritt muss zwingend attraktiver und stärker mit dem Filialgeschäft vernetzt werden. Omni-Channel-Services, personalisierte Angebote und Präsenz in den sozialen Medien spielen dabei eine Schlüsselrolle. Die Signa Holding hat bereits gute Erfahrungen mit schlagkräftigen, spezialisierten Onlinehändlern, die sie nun benötigt, um das Omni-Channel-Konzept der Warenhäuser zum Erfolg zu führen. Click & Collect, Couponing und ein stärkerer Fokus auf Home Delivery innerhalb von 24 Stunden lohnen sich erfahrungsgemäß insbesondere für Kaufhäuser in mittelgroßen Städten. Genau hier liegt noch viel Potenzial brach, um Amazon & Co. im Kampf um den Kunden Paroli zu bieten und in Konkurrenz zu deren Same-Day-Delivery-Ansatz zu treten.

Auch wenn die Fusion von Karstadt und Kaufhof keine Liebesheirat ist, so kann der neue Konzern letztlich dennoch als großer Gewinner aus der schwierigen Situation hervorgehen. Die Chance, mit der Deutschen Warenhaus AG innerhalb des deutschen Einzelhandels einen Fels in der Brandung zu schaffen, ist realistisch. Die Zukunft ist dabei weder online noch offline. Das neue Unternehmen hat die einmalige Gelegenheit, kombinierte Produktangebote zu schaffen, eine Verknüpfung von stationärer Fläche mit der digitalen Einkaufswelt. Das kann zurzeit weder Amazon noch Zalando bieten. Noch nicht.


Dirk Boventer ist Direktor und Leiter der Solution Group Konsumgüter & Handel beim Interim-Management-Anbieter Atreus in München und schreibt hier als Gastkommentator. Gastkommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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