Warenhauskonzern Karstadt - ein Sündenfall der Politik

Nicolas Berggruen wirtschaftet Karstadt gen Abgrund. Das war absehbar. Trotzdem verhalf ihm die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zum Einstieg. Hoffentlich begreift die Spitzenpolitik den Fall als Lehrstück für kopflosen Populismus.
Gemeinsam stark: Die damalige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Nicolas Bergguen auf der Pressekonferenz am 3. September 2010, auf der sie die angebliche Rettung Karstadt bekannt gaben.

Gemeinsam stark: Die damalige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Nicolas Bergguen auf der Pressekonferenz am 3. September 2010, auf der sie die angebliche Rettung Karstadt bekannt gaben.

Foto: dpa

Mit Karstadt als großem Warenhaus-Konzern geht es zu Ende. Es ist immer bedauerlich, wenn ein traditionsreiches Unternehmen verschwindet, meistens aber nicht unausweichlich. Häufig gibt es Punkte in der Firmengeschichte, an denen es noch eine Chance zur Schubumkehr gibt. Dann rüttelt es den Laden durcheinander, es tut weh, nicht alle bleiben an Bord, aber das Rest-Unternehmen nimmt wieder Fahrt auf.

Leider wird Karstadt nun zu einem Beispiel für eine fahrlässig verpasste Chance. Und leider spielt dabei auch die Politik eine tragende Rolle.

Es war Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die im Jahr 2010 nicht widerstehen konnte. Für Karstadt, Teil der Insolvenzmasse Arcandors, gab es reichlich Interessenten: Den Dax-Konzern Metro, der den Karstadt-Konkurrenten Kaufhof betreibt, den Finanzinvestoren Triton oder auch den italienischen Warenhauskönig Maurizio Borletti (La Rinascente, Printemps). Sie hatten entweder fachliche oder finanzielle Expertise zu bieten. Natürlich hätten sie einen großen Teil der damals 25 000 Arbeitsplätze bei Karstadt abgebaut. Vor allem Metro und Borletti hatten ein Konzept, das immerhin auf dem Kerngeschäft Karstadts beruhte: dem Warenhaus.

Die Bundesregierung in Person von Ursula von der Leyen legte sich stattdessen für Nicolas Berggruen ins Zeug. Ein Mann mit feinen Manieren und anständigem Familienstammbuch zwar, aber eben auch einer, der sein Vermögen vor allem durch den Kauf von Firmenschnäppchen und deren raschen Weiterverkauf ohne große unternehmerische Weiterentwicklung gemacht hatte. Das alles blendete von der Leyen, angetrieben durch die damalige Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raabe und unterstützt von dem konfliktscheuen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, vehement aus. Stattdessen: Öffentliche Werbung für Berggruen, am Ende sogar ein gemeinsamer Auftritt von der Leyens mit Berggruen vor TV-Kameras. Berggruen schaffte das mit einem beschämend simplen Trick: Er versprach Mönig-Raabe und von der Leyen einfach, Karstadt zu sanieren, ohne den Arbeitnehmern wehzutun. Er gab den Märchenonkel und von der Leyen sah die Chance, als Wohlfühltante Sympathien einzusammeln.

Nun entwickelt sich die Sache genauso, wie bereits 2010 von wachen Geistern prophezeit (von denen es recht viele gab, unter anderem auch das manager magazin). Berggruen investiert nicht das Geld, dass es für eine Schubumkehr bräuchte. Karstadt schreibt Verluste. Das Unternehmen verliert täglich an Wert und an Solidität als Arbeitgeber. Das Risiko einer radikalen Zerschlagung steigt von Tag zu Tag.

Gut möglich, dass es noch in diesem Jahr zur Implosion kommt, zur Insolvenz des Warenhaus-Konzerns. Von der Leyen genießt dann die Gnade der emsigen Ministeriumswechslerin: Sie reformiert inzwischen die Bundeswehr. Ihr Nachfolger Sigmar Gabriel (SPD) wird sich dann um Karstadt kümmern und vermutlich kräftig gegen Berggruen wettern. Dass er auch seine Kabinettskollegin von der Leyen angeht, darf er nicht erwarten. Wichtiger wäre es ohnehin, die Spitzenpolitik würde den Fall Karstadt als abschreckendes Beispiel für kopflose Intervention begreifen. .

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