Samstag, 14. Dezember 2019

Online-Konkurrenz Der Kampf um Würths Erbe

Schraubenkönig Reinhold Würth: Der baden-württembergische Unternehmer reagiert bislang vergleichsweise gelassen auf die neue Online-Konkurrenz. Die Entwicklung in den USA sollte dem Milliardär aber zu denken geben

5. Teil: Würth übt sich in Geheimniskrämerei - und droht damit zu scheitern

Statt wie sonst im Onlinehandel üblich, klare Preise auf der Seite anzuzeigen, müssen sich Kunden dort erst einloggen, um die für sie geltenden Preise angezeigt zu bekommen. Schließlich basiert Würths Business auf einem ausgefeilten System von Rabatten. Nachlässe von 85 Prozent für bestimmte Kunden auf den Listenpreis sind da keine Seltenheit. Sie gelten aber nicht für jeden.

Neukunden dürfte Würth mit seinem umständlichen Anmeldeprozess daher eher abschrecken denn anlocken.

Die neue Konkurrenz schadet Würth bislang kaum. So erwirtschaftete die gesamte Gruppe im ersten Halbjahr 2016 ein Betriebsergebnis von 275 Millionen Euro - der Umsatz legte auch dank Zukäufen um satte 8,6 Prozent auf 5,9 Milliarden zu.

Doch so golden dürften die Zeiten nicht bleiben, wenn das Onlinegeschäft weiter anzieht. Und wenn mit Amazon ein weiterer, starker Wettbewerber den Onlinemarkt für Werkzeuge betritt , der die Logistik deutlich besser beherrscht als mancher Wettbewerber, der dank seiner digitalen Expertise und Kundenorientiertheit zudem gute Chancen hat, sich als Partner vieler Betriebe in der elektronischen Beschaffung zu etablieren. Und der zudem dicke Taschen für Investitionen hat.

Die hat Würth auch. Doch die Ausgaben von 50 Millionen Euro, die der Werkzeughändler in den kommenden sechs Jahren in den Ecommerce stecken will, zeigen im Vergleich zu den rund vier Milliarden Euro Gesamtinvestitionen seit 2006, welche untergeordnete Rolle das Onlinegeschäft bei den Künzelsauern noch spielt.

Auf Dauer wird Besitzstandswahrung als Geschäftsmodell wohl nicht funktionieren. Ab 2017/2018 werde es in der Branche für einige Spieler "richtig gefährlich", sagt ein Branchenexperte. "Das wahre Ausmaß der Veränderung, die durch das Onlinegeschäft auf die Branche zukommt, hat hierzulande noch kaum einer wirklich erkannt."

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