Sonntag, 8. Dezember 2019

Online-Konkurrenz Der Kampf um Würths Erbe

Schraubenkönig Reinhold Würth: Der baden-württembergische Unternehmer reagiert bislang vergleichsweise gelassen auf die neue Online-Konkurrenz. Die Entwicklung in den USA sollte dem Milliardär aber zu denken geben

2. Teil: Warten auf den großen Knall

So ist der US-Händler Grainger mit seinem Ecommerce-Angebot zoro.de erst seit rund zwei Jahren auf dem deutschen Markt unterwegs. Das von ehemaligen McKinsey-Beratern gegründete und von namhaften deutschen Händlern und Verlagen finanziell gestützte Start-up Contorion hat erst 2014 den Betrieb aufgenommen und gerade seine erste stationäre Niederlassung aufgemacht.

Und jetzt macht sich - frei nach Amazon-Chefs Jeff Bezos Motto "Deine Marge ist mein Geschäftsmodell" - auch der Handelsriese Amazon ganz offensichtlich für einen Marktstart in Deutschland bereit. Bislang unterhält Amazon hierzulande zwar nur ein Pilotprogramm seines Industriebedarf-Ablegers Amazon Business mit einer "kleinen Anzahl an Kunden und Verkäufern", wie Amazon gegenüber manager-magazin. de erklärte.

Doch wann der Online-Riese auch auf dem deutschen Markt mit seinem Angebot durchstartet, dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Oder wie es Amazon ausdrückt: "Wir arbeiten kontinuierlich daran, beliebte Services auf weiteren internationalen Websites anzubieten."

Welche Folgen ein Markteintritt von Amazon haben kann, mussten in den USA bereits viele Händler erfahren - unter anderem auch der US-Marktführer Grainger. Innerhalb des ersten Jahres seit dem Start von Amazon Business in den USA machte der Onlinehändler aus Seattle mit Schrauben, Maschinen und Bürobedarf nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz. Die Zahl der registrierten Kunden verdoppelte sich innerhalb eines halben Jahres auf zuletzt mehr als 400.000. Der Umsatz legte um 20 Prozent pro Monat zu.

Marktführer Grainger hingegen, der wie Würth seine Marktposition über Jahrzehnte durch vertrauensvolle Zusammenarbeit über tausende Vertriebsmitarnitarbeiter erarbeitet hatte, war unter diesem Druck gezwungen, die Zahl seiner Niederlassungen massiv zu reduzieren.

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