Kurssprung um 30 Prozent Aktie von Just Eat Takeaway sendet Lebenszeichen

Just Eat Takeaway verkauft seinen Teil an einem brasilianischen Lieferdienst für knapp zwei Milliarden Euro und lässt damit seine Aktie abheben. Kein Wunder: Das Papier des chronisch defizitären Unternehmens hat eine dramatische Talfahrt hinter sich.
Hat abgeliefert: Die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway erfreut mit dem Anteilsverkauf die Aktionäre

Hat abgeliefert: Die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway erfreut mit dem Anteilsverkauf die Aktionäre

Foto: IMAGO/Michael Gstettenbauer

Angesichts fälliger Schuldentilgungen hat die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway ihre Beteiligung an iFood nun doch verkauft. Der 33-prozentige Anteil an dem brasilianischen Essenslieferdienst solle für bis zu 1,8 Milliarden Euro an die Beteiligungsgesellschaft Prosus gehen, teilten die Niederländer am Freitag in Amsterdam mit.

Mit dem Verkauf der Beteiligung will Just Eat Takeaway die Bilanz stärken und sich für anstehende Darlehensrückzahlungen wappnen. Allerdings muss der Konzern deutliche Abstriche machen: Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen 2021 hatte das Management seine Verkaufsintention für den iFood-Anteil bekräftigt – das zu dem Zeitpunkt höchste Gebot von 2,3 Milliarden Euro hatte Konzernchef Jitse Groen (44) aber ausgeschlagen, weil es nicht den Erwartungen des Managements entsprochen hatte.

Aktie gewinnt rund 30 Prozent

Investoren zeigten sich über den aktuellen Deal dennoch erleichtert. An der Börse in Amsterdam sprang die Just-Eat-Takeaway-Aktie  am Freitag um rund 31 Prozent auf 21,90 Euro hoch. Den Anlegern fiel offenbar auf, dass die Aktie extrem unterbewertet war. Schließlich entsprach der Verkaufspreis etwa der Hälfte der Marktkapitalisierung von Just Eat Takeaway – vor der Nachricht von heute wohlgemerkt.

Zwischen dem Jahreswechsel und dem Schlusskurs am Donnerstag hatten die Papiere rund zwei Drittel an Wert verloren. Anleger, die die Scheine seit zwei Jahren im Portfolio halten, beklagen gar einen Rückgang von mehr 80 Prozent.

Analyst Giles Thorne vom Investmenthaus Jefferies merkte daher nun an, dass die aktuelle Offerte in Relation zur Bewertung von Just Eat höher sei als damals. Allerdings sei der Schuldenberg des Unternehmens von derzeit brutto rund 2,7 Milliarden Euro auch größer als noch vor einem Jahr. Mit Blick auf die Bilanz sei der Deal "klar positiv" zu werten.

William Woods vom Analysehaus Bernstein Research schrieb, er habe angesichts des vorangegangenen Angebots und des aktuellen Marktumfelds nicht damit gerechnet, dass das Geschäft kurzfristig zustande komme. Die Transaktion dürfte nun einige Bedenken bezüglich der Liquidität und Rentabilität von Just Eat Takeaway aus dem Weg räumen.

Jahresziele bestätigt

Konzernchef Groen gründete Just Eat Takeaway im Jahr 2000. Inzwischen ist daraus ein Konzern mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro (2021) und rund 5500 Mitarbeitern, mithin einer der größten Anbieter der Welt geworden. Größter Anteilseigner ist nach wie vor Groen mit rund 7 Prozent.

Nach dem Corona-Boom steht Just Eat allerdings unter Druck, endlich die Gewinnzone zu erreichen. Angepeilt hat Groen dies spätestens für 2023. Im ersten Halbjahr 2022 fuhr das Unternehmen einen Verlust von 3,5 Milliarden Euro nach 486 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum ein. Der Konzern musste rund drei Milliarden Euro auf den Kauf der US-Tochter Grubhub abschreiben. Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um fast 30 Prozent auf 134 Millionen Euro.

Bei der Verkündung des iFood-Verkaufs bestätigte der Konzernchef auch die aktuellen Jahresziele. Das Transaktionsvolumen soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. 2021 hatte Just Eat Takeaway ein Volumen von 28,2 Milliarden Euro erreicht. Die bereinigte operative Marge dürfte dieses Jahr bei minus 0,5 bis minus 0,7 Prozent des Bruttotransaktionsvolumens liegen. Im Vorjahr lag die Marge bei minus 1,2 Prozent. 2023 will der Vorstand ein positives Betriebsergebnis vorweisen können.

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