Sonntag, 20. Oktober 2019

Zukunft der Corporate Governance "Man muss authentisch sein"

"Klare Rollenverteilung zwischen Vorstand und Gremien": Simone Bagel-Trah

Simone Bagel-Trah ist die einzige Aufsichtsratschefin eines Dax-Konzerns. Die Sprecherin der Familie Henkel, die an dem gleichnamigen Chemie- und Konsumgüterkonzern die Mehrheit hält, pflegt mit ihrem Vorstandsvorsitzenden einen besonders intensiven Informationsaustausch.

Hamburg - Zwei deutsche Industrie-Ikonen laden im Januar ihre Aktionäre zur Hauptversammlung: ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen und Siemens Börsen-Chart zeigen. Beide Konzerne haben zuletzt arg mit ihrer Corporate Governance gehadert - wenn auch freilich in unterschiedlichen Härtegraden. Bei ThyssenKrupp geht es nach haarsträubenden Fehlentscheidungen inzwischen um die Existenz, bei Siemens nach unglücklicher Auswahl des Spitzenpersonals voraussichtlich nur um ein paar verlorene Jahre.

Investoren in Deutschland diskutieren nun, ob Organisation und Personal deutscher Aufsichtsräte überhaupt professionell und verantwortungsbewusst genug sind. In einer kleinen Reihe rund um die Hauptversammlung der Siemens AG am 28. Januar veröffentlicht manager magazin online Kurz-Interviews mit einigen einflussreichen deutschen Aufsichtsräten - die ihre Aussagen allerdings ausdrücklich nicht auf die konkrete Situation bei ThyssenKrupp oder Siemens bezogen wissen wollen.

mm: Frau Bagel-Trah, Sie sind nicht nur vom Fach, sondern auch noch eine Frau. Warum nehmen Sie neben Henkel kein weiteres Aufsichtsratsmandat an?

Bagel-Trah: Ich nehme meine Aufgabe sehr ernst. Daher lag gerade am Anfang der Schwerpunkt sehr klar hier bei Henkel. Mir ist ein enger Austausch mit dem Vorstand wichtig. Unser Vorstandschef Kasper Rorsted hat ja sein Büro hier genau gegenüber - da sind die Wege kurz. Bevor wir unsere Strategie für 2016 verabschiedet haben, haben wir das sehr ausgiebig diskutiert. Wir haben eine klare Rollenverteilung zwischen Vorstand und Gremien, aber der Austausch ist schon intensiv. Das ließ bislang nicht viel daneben zu. Aber inzwischen habe ich ja auch schon seit fast zwei Jahren ein Aufsichtsratsmandat bei Heraeus.

mm: Ist der Vorstandschef Ihre einzige Informationsquelle?

Bagel-Trah: Er ist mein erster und wichtigster Ansprechpartner. Aber natürlich ist der Dialog mit unserem gesamten Top-Management für mich auch sehr wichtig. So kenne ich auch die ersten beiden Führungsebenen persönlich. Das sind rund 30 Leute direkt unter dem Vorstand und unsere 130 Topleute auf der nächsten Ebene. Manchmal rufe ich spontan jemanden an und frage, ob wir nicht am Mittag in der Kantine essen gehen wollen.

mm: Wie muss man sich die Kommunikation zwischen Ihnen und dem Vorstandsvorsitzenden vorstellen?

Bagel-Trah: Ich bin hier am Hauptstandort in Düsseldorf sehr präsent. Das hat viele Vorteile. So können wir uns regelmäßig auch außerhalb der offiziellen Gremiensitzungen treffen. Wir führen aber eine sehr unkomplizierte Kommunikation. Herr Rorsted ist für Henkel sehr viel unterwegs. Dank der heutigen Kommunikationsmöglichkeiten ist es ja auch nicht erforderlich, dass jeder von uns ständig im Büro ist. Hauptsache, wir können miteinander sprechen, wenn es nötig ist. Und das geht ja heute einfacher als früher.

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