McKinsey-Umfrage Inflationssorgen der Deutschen nehmen zu

Während die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg in den Hintergrund rücken, haben die Deutschen derzeit vor allem eine Sorge: dass die Preise noch weiter steigen. Das geht aus einer Studie von McKinsey hervor.
Preise klettern in die Höhe: Vor allem Milchprodukte werden durch die Inflation teurer

Preise klettern in die Höhe: Vor allem Milchprodukte werden durch die Inflation teurer

Foto: Martin Wagner / IMAGO

Die schnell steigenden Preise in fast allen Lebensbereichen machen den Menschen in Deutschland zurzeit größere Sorgen als alles andere. Selbst der Krieg in der Ukraine kann da nicht mithalten, erst recht nicht die Corona-Pandemie. Das geht aus einer am Montag veröffentlichen repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey hervor.

Rund 48 Prozent der gut 1000 Befragten gaben bei der Umfrage Mitte Juni an, ihre größte Sorge sei aktuell die Inflation – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem April. Damals hatten 40 Prozent der Befragten die Preissteigerungen als Hauptsorge genannt. "Die Sorge der Konsumenten vor weiteren Preissteigerungen verfestigt sich", sagte der McKinsey-Experte Marcus Jacob.

Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg rücken in den Hintergrund

Die Angst vor dem Ukraine-Krieg ist dagegen in den vergangenen Monaten geringer geworden. Hatte noch im April jeder dritte Befragte (34 Prozent) die Invasion der Ukraine als größte Sorge bezeichnet, so tat dies im Juni nur noch jeder Vierte (24 Prozent). Trotz der aktuell hohen Infektionszahlen nannte nicht einmal jeder Zwanzigste (4 Prozent) die Corona-Pandemie als seine größte Sorge.

Die steigenden Preise haben der Umfrage zufolge bereits spürbare Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen. "Die große Mehrheit, 73 Prozent, hat das Einkaufsverhalten bereits verändert, um zu sparen", berichtete Jacob. Statt teurer Markenartikel landen häufiger die Eigenmarken der Handelsketten in den Einkaufswagen. Statt im Supermarkt oder im Fachgeschäft wird häufiger beim Discounter eingekauft. "Dieser Trend beschleunigt sich", sagte Jacob.

Weil mehr Geld für Benzin und Lebensmittel ausgegeben werden muss, wird McKinsey zufolge außerdem bei den Ausgaben für Bekleidung und Schuhen, aber auch für Möbel oder Elektronik gespart. Und es wird weniger auf die hohe Kante gelegt. Immerhin 59 Prozent der Befragten gaben bei der Umfrage an, sie würden inzwischen genauer auf den Energieverbrauch in den eigenen vier Wänden achten.

Inflation von 7,9 Prozent in Deutschland erwartet

Angesichts der hohen Energiepreise rechnet die EU-Kommission im Euroraum in diesem Jahr mit einem historischen Inflations-Höchstwert. Im Jahresdurchschnitt wird die Teuerung voraussichtlich 7,6 Prozent erreichen, wie aus der Sommer-Konjunkturprognose der Brüsseler Behörde von vergangener Woche hervorgeht.

In der gesamten Europäischen Union wird für 2022 eine Preissteigerung von 8,3 Prozent erwartet, zuvor waren es 6,8 Prozent. Im kommenden Jahr soll sich die Inflation etwa halbieren, bei durchschnittlichen 4 Prozent im Euroraum und 4,6 in der EU. Für Deutschland erwartet die EU-Kommission 2022 eine Teuerungsrate von 7,9 Prozent und für 2023 von 4,8 Prozent.

Gespannt werden daher die Entscheidungen der EZB erwartet, die am Donnerstag die geldpolitische Wende vollziehen und den Leitzins anheben wird.

mje/dpa-afpx
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.