Inflationssense Umsätze im Einzelhandel unerwartet stark gesunken

Das Weihnachtsgeschäft droht zum Flop zu werden. Die inflationsgeplagten deutschen Verbraucher haben bereits im November weniger Geld in den Geschäften des Einzelhandels ausgegeben als im Vormonat.
Gedämpfte Kaufstimmung: Kurz vor Weihnachten leidet der Einzelhandel unter der Inflation

Gedämpfte Kaufstimmung: Kurz vor Weihnachten leidet der Einzelhandel unter der Inflation

Foto: Arnulf Hettrich / IMAGO

Im deutschen Einzelhandel sind die Umsätze im Oktober unerwartet stark gefallen. Im Monatsvergleich seien die Erlöse real um 2,8 Prozent gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Nominal, also nicht preisbereinigt, gingen die Umsätze um 1,7 Prozent zurück.

Analysten wurden von der Stärke des Dämpfers überrascht. Sie hatten zwar einen Rückgang im Monatsvergleich erwartet, waren aber nur von einem leichten Umsatzdämpfer um real 0,5 Prozent ausgegangen. Im September waren die Erlöse im Einzelhandel noch um 1,2 Prozent gestiegen.

Im Jahresvergleich meldete das Bundesamt für Oktober einen Umsatzrückgang um real 5,0 Prozent, und nominal einen Anstieg um 6,2 Prozent. "Die Differenz zwischen den nominalen und realen Ergebnissen spiegelt die hohen Preissteigerungen im Einzelhandel wider", heißt es in der Mitteilung vom Bundesamt.

Auf das laufende Weihnachtsgeschäft blicken die Einzelhändler pessimistisch. 70 Prozent rechnen mit einem schlechteren Verlauf als im Vorjahr, wie aus einer Umfrage für den Handelsverband Deutschland (HDE) hervorgeht. Die Mehrheit der Unternehmen zeigte sich mit der Umsatzentwicklung am ersten Adventswochenende unzufrieden.

Inflation ist Haupttreiber für Einbruch

"Das Weihnachtsgeschäft steht unter dem Eindruck der Energiekrise", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Der HDE erwartet für November und Dezember einen Gesamtumsatz von mehr als 120 Milliarden Euro. Das wäre zum Vorjahr ein nominales Plus von 5,4 Prozent, aber nach Abzug steigender Preise ein reales Minus von vier Prozent.

Ein Grund für die Kaufzurückhaltung dürfte die hohe Inflation sein, die im Oktober mit 10,4 Prozent auf den höchsten Stand seit 1951 kletterte und im November weiterhin bei 10,0 Prozent lag. Das nagt an der Kaufkraft der Verbraucher. Im Sommerquartal fielen die Reallöhne bereits im Rekordtempo von 5,7 Prozent.

"Wegen der Inflationssense werden die Verbraucher die Köpfe weiter einziehen", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. Die schlechte Konsumstimmung – die den GfK-Marktforschern zufolge im Oktober auf ein Rekordtief fiel – habe bereits miese Umsatzzahlen angedeutet. "Spätestens jetzt sind sie da, und besser dürfte es vorerst nicht werden", sagte Krüger.

mje/ dpa-afxp/ Reuters
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