Preissteigerung Hohe Inflation drückt Konsumlaune auf Rekordtief

Der anhaltende Krieg in der Ukraine sowie unterbrochene Lieferketten lassen vor allem die Energie- und Lebensmittelpreise explodieren – das drückt die Stimmung der Konsumenten mächtig.
Unterbrochene Lieferketten: Der Krieg in der Ukraine lässt die Lebensmittelpreise explodieren und drückt das Konsumklima so stark wie noch nie

Unterbrochene Lieferketten: Der Krieg in der Ukraine lässt die Lebensmittelpreise explodieren und drückt das Konsumklima so stark wie noch nie

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Der Ukraine-Krieg und die hohen Preise treiben die Konsumstimmung in Deutschland auf ein Rekordtief. Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher signalisiert für Juli einen Rückgang um 1,2 Zähler auf minus 27,4 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit Beginn der gesamtdeutschen Umfrage 1991, wie die GfK am Dienstag mitteilte. "Der anhaltende Krieg in der Ukraine sowie unterbrochene Lieferketten lassen vor allem die Energie- und Lebensmittelpreise explodieren und führen dazu, dass sich das Konsumklima so trüb wie noch nie zeigt", erläuterte GfK-Fachmann Rolf Bürkl. "Vor allem der Anstieg der Lebenshaltungskosten von derzeit knapp acht Prozent drückt schwer auf die Stimmung der Verbraucher."

Das GfK-Barometer sank zum fünften Mal in den ersten sieben Monaten dieses Jahres. Für eine nachhaltige Trendwende beim Konsumklima sei neben einem Ende des Ukraine-Krieges vor allem entscheidend, dass die Inflationsrate von aktuell 7,9 Prozent nachlasse, erklärten die Marktforscher. Danach sieht es allerdings vorerst nicht aus. Wenn das Statistische Bundesamt am Mittwoch die Inflationsdaten von Juni veröffentlicht, dürfte der Wert nach einer neuen Prognose von Ökonomen auf 8,0 Prozent steigen.

Konsumenten können sich weniger leisten

"Woher soll noch gute Laune beim Konsumenten kommen? Bei jedem Gang in den Supermarkt ist die Rechnung höher als beim Einkauf zuvor", kommentierte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle die Entwicklung. "Die Konsumenten verlieren nicht nur real massiv an Kaufkraft und können sich daher weniger leisten. Sie fühlen sich sogar noch ärmer als sie eigentlich sind, weil die beim täglichen Konsum gefühlte Inflation um ein Vielfaches über der amtlich gemessenen Inflationsrate liegt." An der schlechten Kauflaune der Verbraucher dürfte sich so schnell nichts ändern, sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger: "Solange weitere Energiepreissteigerungen drohen".

In anderen Ländern sieht es nicht viel besser aus: In Frankreich fiel das Barometer für die Konsumlaune im Juni überraschend stark von 85 auf 82 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit rund neun Jahren, wie das Statistikamt Insee ermittelte. Das war bereits der dritte Rückgang in Folge.

Die deutschen Verbraucher sehen derweil "ein großes Risiko dafür, dass die deutsche Wirtschaft in die Rezession abrutschen könnte", erklärte die GfK zu den eingetrübten Konjunkturaussichten. Lieferkettenprobleme sowie der Ukraine-Krieg behinderten derzeit die Produktion in Deutschland. Zudem drohe wegen der hohen Inflation der private Konsum als wichtige Stütze für das Wirtschaftswachstum auszufallen. Die Einkommenserwartung setzte im Juni ihre steile Talfahrt fort und rutschte mit minus 33,5 Punkten auf den niedrigsten Wert seit fast 20 Jahren.

Die Bereitschaft für größere Einkäufe sackte ebenfalls ab. Diese sogenannte Anschaffungsneigung fiel auf minus 13,7 Zähler – ein niedrigerer Wert wurde zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise im Oktober 2008 gemessen. "Wenn für Energie und Lebensmittel von den privaten Haushalten deutlich mehr gezahlt werden muss, stehen entsprechend weniger finanzielle Mittel, vor allem für größere Anschaffungen, zur Verfügung", erläuterte die GfK.

sio/Reuters
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