Ikea denkt über "Möbel-Zalando" nach Wie Ikea sein Geschäftsmodell in die Zukunft retten will

Cash und Carry: Ikea versucht sein Image aufzupolieren, sich moderner, digitaler und erlebnisreicher zu präsentieren

Cash und Carry: Ikea versucht sein Image aufzupolieren, sich moderner, digitaler und erlebnisreicher zu präsentieren

Foto: DPA

So medienpräsent war Inter-Ikea-Chef Torbjörn Lööf selten. Im Monats-, manchmal sogar im Wochenrhythmus verkündet der mittlerweile mächtigste Ikea-Manager aktuell neue Projekte des schwedischen Möbelriesen: Ob neue Innenstadt-Läden, Ankaufsprogramme für gebrauchte Möbel, neue Leasing-Modelle oder die geplante Präsenz auf Verkaufsplattformen wie Alibaba oder Amazon.

Lööfs Kommunikationsstrategie ist klar: Bei Ikea tut sich was - und zwar reichlich. Am Dienstag kam dann schließlich der neueste Vorstoß: Eine Möbelplattform in der Art, wie Zalando sie für Mode darstellt, das wär doch was, ließ Inter-Ikea-Chef Lööf über die "Financial Times"  verlauten.

Inter-Ikea-Chef Torbjörn Lööf

Inter-Ikea-Chef Torbjörn Lööf

Foto: Inter IKEA Systems B.V.

Für den Möbelriesen Ikea sind das fast revolutionäre Zustände. Zeichnete sich der vom Schweden Ingvar Kamprad gegründete Möbelhändler doch lange durch ziemliche Verschwiegenheit aus. Und sicher nicht durch überbordende Experimentierfreude.

Auch mit dem Onlinegeschäft tat sich Ikea lange schwer. Zu gut lief das stationäre Geschäft mit den Selberbaumöbeln und bunten Wohnaccessoires, als dass man sich bei Ikea den Kopf über Onlinegeschäft und Logistiklösungen hätte zerbrechen müssen. Doch mittlerweile ist man aufgewacht. Die Schweden spüren den Atem der Konkurrenz aus dem Internet im Nacken - und mittlerweile auch in der eigenen Bilanz.

Um mehr als ein Drittel ist der Vorsteuergewinn von Ingka, der Holding, die einen Großteil der weltweiten Ikea-Filialen betreibt, im Hauptgeschäft im abgelaufenen Geschäftsjahr eingebrochen.

Mit massiven Investments - im abgelaufenen Jahr alleine 2,8 Milliarden Euro - will Ikea nun den Anschluss schaffen in eine Verkaufswelt, die sich massiv verändert hat. Und deshalb investiert der Möbelriese mittlerweile fleißig in Logistikzentren und baut hippe Erlebnisstores in europäischen Innenstädten .

Auch bei Wohnaccessoires und Preisen wächst der Wettbewerb

"Ikea ist aktuell gleich von mehreren Seiten unter Druck", fast Pierre Haarfeld vom Online-Living-Berater Digital Apartments die Lage des schwedischen Möbelhändlers zusammen. Neben der starken Konkurrenz von Onlineplayern wie Wayfair, Made.com, Otto.de oder auch Home24, wächst mittlerweile auch in dem für Ikea wichtigen lukrativen Geschäft mit Wohnaccessoires die Konkurrenz. Neben H&M und Zara versorgt mittlerweile auch der Onlineversender Asos die Kunden mit modischen Wohntrends. Und auch preislich ist Ikea längst nicht mehr das Non-plus-Ultra, meint Haarfeld. "Da hat die Konkurrenz gut aufgeholt."

Ikea versucht sich in der Aufholjagd

Und auch der Gemischtwarenhändler Amazon, der hierzulande online bereits 2016 deutlich mehr Möbel und Haushaltswaren absetzte als Ikea , gibt neuerdings im Möbelhandel deutlich mehr Gas. Am Montag stellte Amazon in Deutschland seine beiden ersten Eigenmarken vor - in den USA sind es bereits drei . Und er stellt - ebenso wie Ikea - seinen Kunden Technologien zur Verfügung, mit denen sie sich die Möbel vor dem Kauf schon einmal virtuell ins Wohnzimmer stellen können.

Amazon setzte schon 2016 mehr Möbel online ab als Ikea

Erste Erfolge von Torbjörn Lööfs milliardenschwerer Erneuerungsstrategie stellen sich bereits ein. Verkauften selbst junge Onlineanbieter wie Westwing oder Home24 im Jahr 2016 in Deutschland noch mehr Möbel über das Internet als Ikea, machten die Schweden zuletzt wieder Boden gut:

Um 45 Prozent konnte die Ikea-Holding Ingka ihre Onlineverkäufe alleine im vergangenen Jahr steigern. Allerdings hat Ikea auch jede Menge Aufholbedarf.

Denn was den Service für Kunden angeht, Liefergeschwindigkeit, Click-and-Collect-Gebühren und Logistik, hängt Ikea nach Einschätzung von Digitalexperte Haarfeld noch immer weit zurück. "Da sind andere zwei bis drei Jahre weiter", sagt er. "Das klingt nicht viel - sind aber im Onlinegeschäft Welten."

Und auch Lööfs Plattformidee ist alles andere als neu. So bietet Otto bereits seit rund zwei Jahren Drittanbietern den Verkauf über die eigene Plattform an - zusätzlich zu anderen Dienstleistungen; und hat bereits eine dreistellige Partnerzahl, die in den kommenden Monaten noch massiv ausgebaut werden soll.

Möbel aus dem Netz - hier von Amazon

Möbel aus dem Netz - hier von Amazon

Foto: Amazon

Und auch die Konkurrenz von Amazon dürfte die Aufholjagd für Ikea nicht einfacher machen. Verfügt der Onlineriese doch bereits über jede Menge Logistikkompetenz, und gerade die, so Haarfeld, ist für viele Möbelhändler der Bottleneck.

Dessen ist man sich offenbar auch bei Ikea bewusst: So hat der Onlinehändler bereits 2017 den Mini-Job-Marktplatz taskrabbit gekauft , der beispielsweise Monteure mit Auftraggebern zusammenbringt. Ein Bereich, in dem allerdings auch Amazon bereits seit längerem aktiv ist. Und in dem Otto dank seines Logistikers Hermes bislang in Deutschland weit vorne ist.

Auch wenn bei Ikea aktuell einiges in Bewegung ist. Eine schwedische Landpartie werden die kommenden Jahre für Torbjörn Lööf sicher nicht.

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