Donnerstag, 5. Dezember 2019

Investitionen bei Luxusmodelabel bremsen Gewinn Fallende Margen bei Hugo Boss verprellen Investoren

Anzugsjacken von Hugo Boss in einem Geschäft

Lange Zeit kriselte es kräftig beim Modekonzern Hugo Boss Börsen-Chart zeigen, nun zeichnet sich bei dem deutschen Nobelschneider eine Wende zum Besseren ab. Denn im zweiten Quartal wuchs nicht nur das Europageschäft kräftig. Auch der Onlinehandel, den 2017 noch technische Probleme bremsten, legte ordentlich zu.

Am Gewinn zehrten allerdings anhaltende Investitionen in eine bessere Produktqualität und in digitale Angebote, die das Einkaufen im Netz erleichtern sollen. Finanzvorstand Yves Müller bezeichnete 2018 als ein Jahr der Investitionen. Ab dem kommenden Jahr sei wieder mit einem stärkeren Gewinnwachstum zu rechnen, versprach er zur Vorlage der Quartalsbilanz.

Doch die Investitionen in den Internethandel greifen offenbar. Das von vielen Hoffnungen begleitete Onlinegeschäft, das 2017 noch von technischen Problemen gebremst wurde, wuchs im zweiten Quartal um 47 Prozent, wie Finanzvorstand Yves Müller in einer Telefonkonferenz am Donnerstag erklärte. "Die Dynamik im Onlinegeschäft ist derzeit sehr hoch." Insgesamt liege der Anteil am Gesamtumsatz inzwischen bei zehn Prozent.

Allerdings sank das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) von Hugo Boss zwischen April und Juni um 1 Prozent auf 106 Millionen Euro. Unter dem Strich verringerte sich das Konzernergebnis sogar um 7 Prozent auf 54 Millionen Euro. Viele Analysten hatten mit einem besseren Abschneiden im Tagesgeschäft gerechnet .Die Investitionen in die Produktqualität drückten die Gewinne, schrieben die Experten des Brokerhauses Bryan Garnier. Nach Einschätzung des Analysten Luca Solca von der Bank Exane BNP wird es noch einige Zeit dauern, bis die Margen wieder steigen.

Die Aktie geriet merklich unter Druck und verlor am MDax-Ende bis zum Mittag knapp 4 Prozent. Händler führten auch charttechnische Ursachen für das Minus an.

Hugo Boss wächst wieder in der Heimat

Die Erlöse zogen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent auf 653 Millionen Euro an. Ohne den Einfluss des starken Euro hätte das Plus bei 6 Prozent gelegen. Für Schwung beim Umsatz sorgte das inzwischen wieder wachsende Geschäft in Deutschland.

Im ersten Quartal hatten noch Umbauarbeiten in den Filialen sowie die allgemeine Flaute im deutschen Textilhandel belastet. Finanzchef Müller zufolge hatten nun aber Handelspartner sogar kurzfristig Waren nachgeordert. "Das zeigt uns, dass unsere Kollektionen hierzulande gut ankommen." Die stärksten Zuwächse verzeichnete Hugo Boss dem allgemeinen Trend folgend mit legerer Freizeitmode. "Aber auch der Anzug hat noch nicht ausgedient", sagte Müller.

Hugo Boss steckt derzeit noch mitten in der Neufindung. Der Konzern hatte sich einst mit Ausflügen ins Luxussegment und einer zu starken Expansion verhoben. Inzwischen wurden Läden geschlossen, die Preise gesenkt und die Marken klarer voneinander getrennt. Inzwischen konzentriert sich der Konzern auf seine Kernmarke Boss. Flankiert wird diese von der Marke Hugo, die sich an ein jüngeres und modisch gewagteres Publikum richtet. Hugo bekommt derzeit eigene Läden, vorzugsweise in europäischen Metropolen wie Paris oder London.

Ende Juni betrieb Hugo Boss insgesamt knapp 1100 konzerneigene Läden und damit 38 weniger als im Vorjahr. Bis zum Jahresende sollen sich Neueröffnungen und Schließungen in etwa die Waage halten. Im Gesamtjahr erwartet der Konzern ein in etwa stabiles operatives Ergebnis. Der Umsatz soll währungsbereinigt im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich zulegen.

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