Kaufhof-Interessent aus USA Erst Hudson's Bay, dann Saks - und jetzt Kaufhof?

René Benko: Der Signa-Gründer hat bereits vor längerem Interesse an Kaufhof angemeldet - allerdings bislang ohne Erfolg

René Benko: Der Signa-Gründer hat bereits vor längerem Interesse an Kaufhof angemeldet - allerdings bislang ohne Erfolg

Foto: Signa Holding GmbH/ dpa

Ein-Euro-Deals, geheime Seitenabsprachen, schillernde Milliardärsfiguren, Zerwürfnisse und überraschende Personalrochaden - die deutschen Kaufhoflandschaft hätte in den vergangenen Monaten genug Stoff für das Drehbuch einer täglichen Seifenoper hergegeben. Und bewahrheiten sich die Presseberichte der letzten Tage, könnte das Drama in eine neue,nicht weniger fesselnde Saison gehen.

Denn offenbar hat der kanadische Handelsriese Hudson's Bay seine Fühler nach der Metro-Tochter Kaufhof ausgestreckt, wie verschiedene deutsche und internationale Medien unabhängig voneinander berichteten. Angeblich befinden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium. Weder Metro  noch Hudson's Bay wollten sie kommentieren.

Fotostrecke

Lukrative Immoblien: Das Geschäft mit den Luxuskaufhäusern

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Sollten sie beiden jedoch tatsächlich handelseinig werden, könnte Bewegung in die deutsche Kaufhauslandschaft kommen. Denn hinter Hudson's Bay steht nicht einfach nur ein kanadischer Traditionskonzern. Sondern ein gewiefter Immobilienmanager, der innerhalb weniger Jahre aus dem Nichts ein mächtiges Handels- und Immobilienimperium aufgebaut hat - und der Signa-Gründer René Benko an strategischem Know-How und Cleverness in nichts nachsteht.

Richard Baker - der Selfmade Millionär

Hudson-Bay-CEO Richard Baker: Der Immobilienexperte hat sich innerhalb weniger Jahre ein länderübergreifendes Handels- und Immobilienimperium zusammengekauft

Hudson-Bay-CEO Richard Baker: Der Immobilienexperte hat sich innerhalb weniger Jahre ein länderübergreifendes Handels- und Immobilienimperium zusammengekauft

Foto: Corbis

1965 als Sohn des Immobilienmanagers Robert Baker aus Connecticut geboren, stieg der heute 49-Jährige Richard Baker, der als Schüler sein erstes Geld mit einem eigenen Cateringservice verdiente und ursprünglich eine eigene Restaurantkette aufmachen wollte, ins Immobiliengeschäft seines Vaters ein. Doch dann wurde ihm die Vermietung von Einkaufszentren an Handelsgrößen wie Wal-Mart  zu langweilig. Er suchte größere, lukrativere Deals - und wurde schließlich in New York fündig.

Lord & Taylor - Der erste Schachzug

Lord & Taylor in New York: Das Traditionshaus bekam nach dem Kauf ein Facelift

Lord & Taylor in New York: Das Traditionshaus bekam nach dem Kauf ein Facelift

Foto: Getty Images

2006 kam die Investmentgelegenheit, die Baker nutzte: Mit der US-Traditionskaufhauskette Lord & Taylor. Als deren Besitzer, der Kaufhausbetreiber Federated Department Stores, der große Handelshäuser wie Macy's oder Bloomingdale's betreibt, nach einer neuen Übernahme beschloss, sich auf Macy's zu konzentrieren, war Baker schneller und offenbar auch überzeugender als alle anderen. Nur vier Monte nach Verkündung der Verkaufsabsichten war der Deal durch.

Für 1,2 Milliarden Dollar gingen knapp 50 Filialen des kränkelnden Traditionskaufhauses an NRDC, (National Realty & Development Corp), den Finanzinvestor von Bakers & Consorten. dessen Chefposten mittlerweile sein Vater übernommen hat. Der Clou: Tatsächlich mussten Baker und seine Mitstreiter offenbar nur 25 Millionen aufbringen  - für den Rest beliehen sie einfach die Immobilien der Kaufhauskette, von deren Wert sie offenbar deutlich mehr verstanden als der Verkäufer.

Der zweite Coup - Hudson's Bay

Hudsons Bay Flagship-Store in Toronto: Hier soll demnächst auch ein Saks-Fifth-Avenue-laden aufmachen

Hudsons Bay Flagship-Store in Toronto: Hier soll demnächst auch ein Saks-Fifth-Avenue-laden aufmachen

Foto: REUTERS

Nur zwei Jahre später stand das nächste Objekt der Begierde fest. Die kanadische Kaufhauskette Hudson's Bay - ein Traditionskaufhaus und eines der ältesten Unternehmen des Landes.

2006 - im Jahr der Lord & Taylor-Übernahme - hatte der Milliardär Jerry Zucker die Kaufhauskette, deren Ursprünge bis in den Pelzhandel im 17. Jahundert zurückgehen, für 1,1 kanadische Dollar (rund 900 Millionen US-Dollar) übernommen. Anfang 2007 stieg Baker für 100 Millionen US-Dollar mit 10 Prozent bei Hudson's Bay ein. Kurz bevor Zucker rund ein Jahr später an einem Gehirntumor starb, bot er NRDC auch noch den Rest des Unternehmens an - und Baker schlug zu.

Die 1,3 Milliarden Dollar auf die sich NRDC mit Zuckers Witwe geeinigt hatte, zahlte wieder einmal aber nicht NRDC selbst. Eine Milliarde finanzierte Baker auf Schulden - der Rest kam laut "New York Times" von einem Staatsfonds aus Abu Dhabi.

Nur drei Jahre später hatte Baker den Kaufpreis wieder drin. Für 1,8 Milliarden kanadische Dollar (rund 1,5 Milliarden US-Dollar) überließ Hudson's rund 220 Läden seiner kränkelnden Discounter-Tochter Zellers, die nicht mehr ins Markenportfolio passte, dem Wettbewerber Target. Die gutgehende Kette Hudons's betrieben die Amerikaner indes weiter.

Saks - die Perle im Portfolio

Saks Fifth Avenue: Das weltbekannte Nobelkaufhaus ist die perle in Bakers Portfolio

Saks Fifth Avenue: Das weltbekannte Nobelkaufhaus ist die perle in Bakers Portfolio

Foto: REUTERS

2013 kam dann mit Saks Fifth Avenue noch das Kronjuwel in Bakers Imperium hinzu. Für 2,9 Miliarden Dollar übernahm Hudson's Bay (HBC) das Nobelkaufhaus. Und auch diesmal war die Übernahme für Baker ein gutes Geschäft:

"Wir sind überzeugt, dass alleine der Immobilienbesitz von Saks soviel wert ist, wie wir für das ganze Unternehmen gezahlt haben", verkündete Baker, der auch privat ein Händchen für immobile Schnäppchen hat , auf der HBC Hautversammlung. So soll alleine der Flagship-Store auf der New Yorker Fifth Avenue3,7 Milliarden US-Dollar wert sein. Der gesamte Wert der Immobilien soll sogar bei 4,1 Milliarden Dollar liegen - deutlich mehr als die 2,9 Milliarden, die HBC für die Nobelkette gezahlt hat. 1,25 Milliarden davon holte sich HBC Ende 2014 durch eine Hypothek auf das Stammhaus ohnehin bereits wieder in die Kasse.

Um das Optimale aus seinen Handelsinvestments herauszuholen, spaltete HBC zudem erst im Februar 42 seiner Immobilien in ein 1,8 Milliarden Dollar schweres Venture mit dem größten US-Handelsimmobilienunternehmen, der Simon Property Group ab. Ein weites 1,6 Milliarden schweres Joint-Venture soll sich auf kanadische Immobilieninvestments konzentrieren.

Kommt jetzt Kaufhof?

Kaufhof-Logo: Ist die Metro-Tochter HBCs neustes Übernahmeziel

Kaufhof-Logo: Ist die Metro-Tochter HBCs neustes Übernahmeziel

Foto: Oliver Berg/ dpa

Der nächste Übernahmekandidat könnte Kaufhof sein - Gespräche dementiert keiner der angeblich Beteiligten. René Benko, dessen Interesse an Kaufhof auch nach mehreren Jahren vergeblichen Werbens nicht abgeflaut zu sein scheint, wird davon wenig erfreut sein.

Denn wenn es um das Wissen um den "wahren" Wert der Kaufhofkette und seines Immobilienbesitzes und den richtigen Umgang damit geht, dürfte der mit allen Wassern gewaschene Baker und seine Freunde dem Tiroler kaum nachstehen. Und mit Saks hat dieser eine Luxusmarke, "die auch in Europa bestens funktionieren dürfte", wie ein Branchenkenner sagt. Mit Plänen, das Luxussegment auszubauen, trägt sich schließlich auch Signa.

Saks dürfte auch in Europa funktionieren

Angesichts solcher Interessenten, dürfte Metro-Boss Olaf Koch alle Gründe haben, an seiner Ankündigung, nur zu einem "fairen Preis" zu verkaufen, festzuhalten. Ein erfolgreicher Deal stünde ihm allerdings gut. Schließlich wäre er damit ein Geschäft los, dass wirklich bombig zuletzt nicht lief. Zwar betonte die Metro  bei den zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen, Kaufhof habe sich "in einigen Segmenten besser als der Textilmarkt entwickelt und Marktanteile gewonnen". Unter dem Strich steht jedoch ein Umsatzrückgang von 1 Prozent. Nichts womit man wirklich Staat machen kann.

Am Dienstag bei einem Analysten-Call wollte Metro-Chef Olaf Koch die Causa Kaufhof denn auch nicht weiter kommentieren. Er sage nicht bis es etwas Neues zu vermelden gebe, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Bloomberg. Vielleicht wird er ja bald gesprächiger werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.