Sonntag, 31. Mai 2020

Verlust für zweites Quartal erwartet Aufkeimendes China-Geschäft macht H&M Hoffnung

H&M erwartet für das zweite Quartal Verlust - hofft aber auf erstarkendes China-Geschäft

Mit deutlichen Gewinnen haben sich Aktien der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz (H&M) Börsen-Chart zeigen am Freitagmorgen in einem verhaltenen Gesamtmarkt präsentiert. Nach anfänglichen Gewinnen von über 10 Prozent kletterte die Aktie zuletzt um 6 Prozent. Sie reagierte damit auf die Zahlen zum ersten Quartal, die besser als erwartet ausfielen. Im Zuge des Kursabsturzes der Vorwochen hatte sich die Aktie von Ende Januar bis Anfang März halbiert und bewegt sich nun etwa 10 Prozent über den Jahrestiefs.

H&M meldet am Freitag nun für das erste Quartal (Dezember bis Februar), dass die Erlöse konzernweit trotz der bereits schwierigen Lage in China noch um 8 Prozent auf 54,95 Milliarden schwedische Kronen (rund 5,0 Milliarden Euro) gestiegen sind. Währungsbereinigt hätte der Umsatz um 5 Prozent zugelegt. Einen besonders starken Anstieg verzeichnete der Modehändler im ersten Jahresviertel bei seinen Online-Umsätzen, die fast um die Hälfte kletterten. H&M verwies darauf, dass momentan in 47 von insgesamt 51 Online-Märkten die Shops geöffnet blieben. Der Gewinn nach Steuern bezifferte sich auf rund 1,93 Milliarden Kronen und konnte im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt werden. Die Zahlen zeigten, dass sich der laufende Umbau von H&M positiv auswirke, betonte das Unternehmen.

Für das zweite Quartal rechnet der Modehändler jedoch mit negativen Effekten durch die Coronavirus-Pandemie und damit mit einem Verlust. Der Umsatz sei im März in lokalen Währungen um fast die Hälfte eingebrochen, teilte H&M am Freitag in Stockholm mit. Zum 31. März waren weltweit 3778 der 5065 Läden des Konzerns vorübergehend geschlossen. Insgesamt sind laut den Angaben 54 Märkte von Schließungen betroffen, darunter auch Deutschland, Großbritannien, die USA, Frankreich, Italien und Spanien, die zu den größten des Konzerns zählen. Die Nachfrage sei zudem in zahlreichen weiteren Märkten aufgrund der Sorgen und Unsicherheiten wegen der Pandemie zurückgegangen, hieß es weiter.

Obwohl H&M zumindest im China-Geschäft eine allmähliche Erholung erkennen kann und die Geschäfte dort wieder geöffnet haben, verschärfe sich die Situation für den Konzern mit jedem weiteren Tag mit geschlossen Läden. Die Schweden haben daher eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen der Corona-Krise aufzufangen. Dazu zähle unter anderem die Reduzierung der Arbeitszeiten, Zehntausende Mitarbeiter weltweit dürften betroffen sein. Zudem soll die Dividende ausgesetzt werden, um über einen größeren finanziellen Spielraum zu verfügen. Investitionen werden verschoben und Kreditlinien ausgeweitet., in Deutschland sollte die Mietzahlung für Geschäfte getoppt werden. Wegen des dramatischen Rückgangs der Märkte müsse H&M nun viele schwierige Entscheidungen treffen, sagte Konzernchefin Helena Helmersson.


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Der Modehändler war in der Vergangenheit in eine Krise gestürzt, da er relativ spät auf die Konkurrenz von Online-Händlern und billigeren Anbietern reagiert hatte. Zuletzt hatte die digitale Neuausrichtung von H&M mit einer neuen Online-Plattform und einem neuen Logistiksystem den Investoren aber wieder Hoffnung gemacht.

Analyst Richard Edwards von Goldman Sachs bezeichnete die Zahlen des schwedischen Modekonzerns in einem Kommentar als besser als erwartet. Im März sei es durch die Corona-Pandemie zwar zu merklichen Belastungen gekommen, aber die Umsatzentwicklung im Online-Handel weise nach oben und das China-Geschäft verbessere sich.

dpa-afx/akn

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