Gewinn sinkt Henkel will die Preise erhöhen

Steigende Material- und Logistikkosten sowie der Rückzug aus dem Russland-Geschäft belasten den Gewinn von Henkel. Der Persil- und Pritt-Hersteller will mit höheren Preisen gegensteuern und hebt die Umsatzprognose an.
Henkel-Chef Carsten Knobel traut dem Konzern für das Gesamtjahr mehr Umsatz zu

Henkel-Chef Carsten Knobel traut dem Konzern für das Gesamtjahr mehr Umsatz zu

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Konsumgüterkonzern Henkel hat im ersten Halbjahr den Umsatz dank florierender Geschäfte mit Klebstoff und Waschmittel deutlich gesteigert. Seine Umsatzprognose für 2022 schraubte der Konzern deshalb in die Höhe. Steigende Material- und Logistikkosten - im gesamten Jahr werden sich die Belastungen wohl auf zwei Milliarden Euro summieren - lasten aber auf den Gewinnen der Düsseldorfer: Henkel arbeitete deutlich weniger profitabel. Mit Preiserhöhungen für seine Kunden will der Konzern gegensteuern.

"Die Umsatzentwicklung in den ersten sechs Monaten liegt in einem außerordentlich schwierigen Umfeld über den bisherigen Erwartungen für das Gesamtjahr", sagte Konzernchef Carsten Knobel (53). Von Januar bis Juni schraubte der Hersteller von Pritt, Loctite und Persil den Umsatz um 9,9 Prozent auf rund 10,9 Milliarden Euro in die Höhe, organisch wuchsen die Erlöse um 8,9 Prozent, wie Henkel am Montag mitteilte. Vor allem die Geschäfte mit Klebstoffen und Waschmitteln legten deutlich zu, die kriselnde Kosmetiksparte konnte organisch dagegen nur minimal wachsen. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) sank durch die gestiegenen Kosten auf 1,16 (Vorjahr: 1,4) Milliarden Euro.

Weniger operativer Gewinn, Umbau soll Kosten senken

Der Düsseldorfer Konzern befindet sich im Umbau, Konzernchef Knobel legt das Kosmetikgeschäft mit der Waschmittelsparte zusammen. Die neue Sparte mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro soll Henkel schlagkräftiger machen – aber auch die Kosten senken. Spätestens Anfang 2023 solle die neue Struktur stehen, bekräftigte er.

Henkel erwartet 2022 nun ein organisches Umsatzwachstum von 4,5 bis 6,5 Prozent, zuvor waren es 3,5 bis 5,5 Prozent. Seine Gewinnprognosen bekräftigte Knobel. Die bereinigte Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll etwa weiter in der Bandbreite von 9,0 bis 11,0 Prozent liegen. Die Konsumgüterkonzerne ächzen unter steigenden Kosten für Material und Logistik. Allein bei den Materialpreisen erwartet Henkel für das laufende Jahr 2022 einen Anstieg im mittleren Zwanzig-Prozent-Bereich gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2021.

Rückzug aus Russland und Belarus

Zudem zieht sich Henkel nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aus Russland und Belarus zurück. Henkel prüfe weiter alle Optionen für die Umsetzung des Beschlusses, die bis Jahresende erfolgen solle. Die Düsseldorfer wollen in Russland dabei auch Geschäftsteile verkaufen, es gebe reges Interesse, sagte Knobel. Zunächst aber belasteten die Russland-Pläne Henkel: Abschreibungen von rund 200 Millionen Euro wurden fällig.

Konkurrent Beiersdorf hatte im Halbjahr auch beim Ertrag zugelegt. Der Nivea-Hersteller steigert Umsatz und Gewinn zweistellig und bestätigte seine Ziele. Belastungen durch höhere Material- und Transportkosten seien durch Wachstum gedämpft worden.

rei/Reuters
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