Klebstoffgeschäft boomt Henkel verspricht deutlich mehr Umsatz

Henkel spürt die Kaufzurückhaltung noch nicht. Dank des gut laufenden Klebstoffgeschäfts erhöht Konzernchef Knobel zum zweiten Mal in diesem Jahr die Umsatzprognose. Mit Blick auf die Ergebnisse bleibt er vorsichtig. Für den Russland-Ausstieg hat Knobel klaren Vorsatz.
Carsten Knobel: Henkel profitiert von einer anhaltend guten Entwicklung in seinem Klebstoffgeschäft

Carsten Knobel: Henkel profitiert von einer anhaltend guten Entwicklung in seinem Klebstoffgeschäft

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Konsumgüterkonzern Henkel profitiert von einer anhaltend guten Entwicklung in seinem Klebstoffgeschäft. Das Unternehmen erhöht daher bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Umsatzprognose für 2022. Mit Blick auf die Ergebnisse bleibt das Management rund um Konzernchef Carsten Knobel (53) jedoch vorsichtig und geht vor allem wegen der gestiegenen Rohstoff- und Logistikkosten weiter von Rückgängen aus. Die Aktie stieg am Dienstagvormittag um rund zwei Prozent.

2022 soll das organische Wachstum bei 5,5 Prozent bis 7,5 Prozent liegen, teilt das Unternehmen am Dienstag auf seinem Kapitalmarkttag in Düsseldorf mit. Zuvor hatte Henkel 4,5 bis 6,5 Prozent in Aussicht gestellt. Ausgeklammert sind dabei Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe. Das Klebstoffgeschäft hat auch im dritten Quartal sein starkes organisches Umsatzwachstum. Hier erwartet Henkel nun für 2022 ein Plus von 10 bis 12 Prozent und damit jeweils zwei Prozentpunkte mehr als zuvor. Henkel hatte bereits zu den Halbjahreszahlen Mitte August die Umsatzerwartungen angehoben, auch getrieben durch positive Währungseffekte sowie Preiserhöhungen.

Der Ergebnisausblick wurde hingegen wegen der starken Kostensteigerungen bestätigt. Henkel erwartet weiter eine bereinigte Rendite von neun bis elf Prozent Umsatz. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie zu konstanten Wechselkursen dürfte um 35 bis 15 Prozent sinken. Finanzvorstand Marco Swoboda (48) sieht inzwischen jedoch "Potenzial", das obere Ende der Spanne zu erreichen. Gleiches gelte bei den in Aussicht gestellten Margenzielen für die beiden Konsumentengeschäfte, erläuterte er.

Zwei Milliarden Euro Mehrkosten

Henkel arbeitet dabei weiter "mit Nachdruck daran, durch umfassende Maßnahmen die Auswirkungen der drastisch gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Logistik und Energie auf unsere Ergebnisentwicklung so weit wie möglich zu kompensieren", sagte Vorstandschef Knobel. Der Manager hatte zuletzt die Mehrkosten für dieses Jahr auf zwei Milliarden Euro beziffert.

Die mittel- bis erweiterten Ziele wurden ebenfalls bestätigt. Unter anderem hat sich Henkel eine bereinigte Umsatzrendite von 16 Prozent zum Ziel gesetzt.

Bei der Fusion der beiden Konsumentengeschäfte kommt Henkel voran. Durch die Bündelung des gut zehn Milliarden Euro Umsatz generierenden Konsumentengeschäfts erhoffen sich die Düsseldorfer nicht nur Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe, sondern auch mehr Wachstum. Das Synergieziel von 500 Millionen Euro pro Jahr, davon 250 Millionen Euro bis 2023, bestätigte Henkel. Dabei hat das Unternehmen wie bereits bekannt auch Marken und Geschäfte mit einem Gesamtumsatz von bis zu einer Milliarde Euro zur Disposition gestellt.

Henkel will beim Russland-Ausstieg nicht einfach abgeben

Der Konsumgüterkonzern braucht für seinen angekündigten Ausstieg aus dem russischen Markt Zeit. "Der Prozess zum Ausstieg läuft, aber wir wollen sicherstellen, dass wir Werte für unsere Geschäfte erhalten", sagte der Finanzchef am Dienstag bei einer Investoren-Konferenz. Es gebe Firmen, die Russland den Rücken kehrten und dafür einfach die Schlüssel für ihre Fabriken an Dritte weiterreichten – ohne Geld dafür zu bekommen. "Wir wollen das anders machen", kündigte er an. Der Ausstieg werde wie angekündigt voraussichtlich bis zum Jahresende vollständig umgesetzt.

Henkel hatte in Russland unter anderem elf Werke betrieben. Der Hersteller von Pritt und Persil hatte nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Ende Februar seinen Rückzug angekündigt.

sio/dpa-AFX/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.