Montag, 19. August 2019

Höhere Investitionen geplant Henkel-Chef verpasst Schauma und Co Runderneuerung

Schauma-Shampoo von Henkel: Mit dem zusätzlichen Geld will der Konzern unter anderem das gesamte Haarpflegeportfolio erneuern

Das Geschäftsjahr 2018 verlief für den Konsumgüterkonzern Henkel Börsen-Chart zeigen nicht gerade berauschend. Henkel-Chef Hans Van Bylen ist nun der Auffassung, dass der Konzern deutlich mehr investieren muss, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Das geht allerdings nur auf Kosten der Marge. Aktionäre sind davon verständlicherweise gar nicht begeistert: Die Aktie gibt um mehr als 6 Prozent nach.

Ab dem Jahr 2019 will der Dax-Konzern jährlich rund 300 Millionen Euro zusätzlich in seine Marken, Technologien und Kernmärkte sowie in Innovationen und den digitalen Ausbau stecken, wie Henkel am Montag in Düsseldorf ankündigte. "Wir werden unsere Positionen weiter ausbauen, indem wir die Einführung neuer Marken und Innovationen beschleunigen, die Marketinginvestitionen erhöhen und die Digitalisierung mit Nachdruck vorantreiben", sagte der Henkel-Chef. "Gleichzeitig werden wir unsere hohe Kostendisziplin beibehalten, unsere Effizienz weiter erhöhen und unsere Strukturen kontinuierlich anpassen."

Geplant ist unter anderem eine Erneuerung des gesamten Haarpflegeportfolios, zu dem etwa Marken wie Schauma, Syoss und Gliss gehören. Hinzu kämen Innovationsoffensiven etwa bei Haarfärbemitteln und Henkels Top-Waschmittelmarke Persil. Auch die Spülmaschinenreinigermarke Somat solle im Jahresverlauf 2019 mit neuen Produkten aufgefrischt werden. Darüber hinaus wolle Henkel den Ausbau mit wichtigen E-Commerce-Partnern beschleunigen.

Aktie fällt auf tiefsten Stand seit fast drei Jahren

An der Börse kamen die Nachrichten jedoch nicht gut an: Denn die Ziele enttäuschten, die sich Henkel für 2019 nun setzt - ebenso wie die vorläufigen Kennziffern für das vergangene Jahr. Die Aktie brach angesichts der Sorgen um eine niedrigere Profitabilität um fast 6 Prozent ein und rutschte damit auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren.

Henkel kämpft gerade im Konsumgütergeschäft mit hohem Konkurrenzdruck. Auch für 2019 erwartet man in der Düsseldorfer Zentrale kein leichtes Fahrwasser. Der Konzern verwies in der Mitteilung auf ein herausforderndes Marktumfeld, zudem dürften die Belastungen durch Währungen und steigende Materialpreise anhalten.

Organisch - also unter Herausrechnung von Wechselkursschwankungen und Zu- und Verkäufe - peilt der Konzern für 2019 ein Umsatzwachstum zwischen 2 und 4 Prozent an. Die bereinigte operative Marge (Ebit) soll in der Bandbreite zwischen 16 und 17 Prozent liegen - und würde damit schwächer ausfallen als im vergangenen Jahr. Auch beim bereinigten Ergebnis je Vorzugsaktie wird 2019 ein Wachstum unter dem Vorjahresniveau erwartet - es soll währungsbereinigt im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen.

"Der Ausblick ist eine Enttäuschung", sagte ein Börsenbeobachter in einer ersten Reaktion. Laut Analystin Celine Pannuti von der US-Bank JPMorgan müssten die Marktschätzungen nun um bis zu 10 Prozent gesenkt werden.

Dividende soll steigen

Im vergangenen Jahr machten Henkel negative Wechselkurseffekte bereits enorm zu schaffen. Nach vorläufigen Zahlen ging der Umsatz 2018 leicht auf 19,9 Milliarden Euro zurück, nach 20 Milliarden ein Jahr zuvor. Das organische Wachstum - also ohne Zukäufe und Wechselkursveränderungen - betrug zwar 2,4 Prozent, damit blieb der Konzern jedoch am unteren Ende seiner angepeilten Spanne. Während die Klebstoffsparte und das Waschmittelgeschäft organisch zulegen konnten, musste Henkel in der Kosmetiksparte einen leichten Rückgang hinnehmen.

Das bereinigte Ebit verbesserte sich zwar konzernweit um 1 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro und die bereinigte operative Marge stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 17,6 Prozent. Damit hinkte Henkel aber der durchschnittlichen Markterwartung und den eigenen Zielen knapp hinterher.

Die schwächere Geschäftsentwicklung will Henkel den Aktionären jedoch mit einer steigenden Gewinnbeteiligung versüßen: Ab dem Geschäftsjahr 2019 sollen 30 bis 40 Prozent des Gewinns an die Anteilseigner fließen - aktuell werden 25 bis 35 Prozent ausgeschüttet. Die vollständige Bilanz für 2018 will der Konzern am 21. Februar vorlegen.

la, mg/dpa-afx

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