Sparkurs in Düsseldorf Henkel legt Kosmetik- und Reinigungsmittelsparte zusammen

Henkel-Chef Carsten Knobel legt das schwächelnde Hauptpflege-Geschäft mit der Sparte der Wasch- und Reinigungsmittel zusammen und trennt sich von weniger lukrativen Produkten. Droht dem Konzern eine Aufspaltung?
Neuer Versuch: Henkel-Chef Carsten Knobel (53) strukturiert den Konzern um

Neuer Versuch: Henkel-Chef Carsten Knobel (53) strukturiert den Konzern um

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der Konsumgüterkonzern Henkel richtig sich neu aus. Schon seit Jahren gilt die Haar- und Körperpflegesparte trotz bekannter Marken wie Fa, Schauma oder Schwarzkopf als Sorgenkind. So hinkt der Bereich den anderen Sparten hinterher und ist zudem das margenschwächste Geschäft. Die Zusammenlegung mit dem wesentlich erfolgreicheren Wasch- und Reinigungsmittelgeschäft mit Topmarken wie Persil oder Pril soll nun Verwaltung, Vertrieb, Marketing und der Lieferkette verbessern. Die Düsseldorfer erhoffen sich dadurch aber auch höhere Einsparungen und mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Das hat das Unternehmen auch nötig: das Geschäft mit Haar- und Hautpflege schwächelt schon länger. Die Kosmetiksparte des Unternehmens wäre beinahe beim Konzern Coty gelandet.  Das hatte Konzernchef Knobel (53) nach Informationen von manager magazin nach seinem Amtsantritt im Jahr 2020 im Kreis des Gesellschafterrats mit Henkel-Clanchefin Simone Bagel-Trah (53) diskutiert. Doch Knobel entschied sich schließlich gegen einen Verkauf. Der Konsumgüterkonzern hat sich stattdessen für eine Fusion zweier Sparten entschieden.

Details zu der Zusammenlegung sowie zu möglichen Auswirkungen auf die Mitarbeiter lässt das Management offen. Die beiden Sparten sollen künftig in dem Bereich "Consumer Brands" mit einem Umsatz von insgesamt rund zehn Milliarden Euro gebündelt werden. Insgesamt sei Henkel "nicht da, wo wir sein wollen", hatte Knobel moniert. Es gebe Probleme in einigen Märkten, Knobel nannte insbesondere Nordamerika.

Das Produktportfolio soll jetzt weiter bereinigt werden. Aus Marken und Geschäften, die nicht mehr zum Kernbereich zählen, will der Konzern aussteigen. Bis 2021 hatte das Unternehmen Marken mit einem Umsatzvolumen von rund 500 Millionen Euro veräußert oder eingestellt, vor allem im Bereich der Haar- und Körperpflege. Die Sparte von Henkel auch jetzt wieder verstärkt im Blick: Hier sollen die weiteren Maßnahmen im laufenden Jahr beginnen, dabei stehen Knobel zufolge Geschäfte mit einem Volumen von fünf Prozent des Umsatzes zur Disposition.

Deal mit Shiseido: Übernahme von Friseurgeschäft

Allerdings gehörten auch weitere Zukäufe zur Strategie und sind auch in Bereichen möglich, die bislang nicht einer der beiden Sparten zugeordnet werden können. Zuletzt hat sich Henkel mit dem asiatisch-pazifischen Friseurgeschäft von Shiseido verstärkt.

Eine Vorbereitung zur Aufspaltung des Unternehmens solle das aber nicht sein, so Henkel. Sowohl die Klebstoffsparte als auch der fusionierte Konsumgüterbereich bleiben dem Unternehmen zufolge wichtige Bestandteile des Konzerns. Dazu setzte sich das Management neue mittel- bis langfristige Ziele, die sich jedoch wenig von den bisherigen unterscheiden. Geplant ist ein jährliches Umsatzwachstum aus eigener Kraft von drei bis vier Prozent, wobei das Konsumentengeschäft gleichfalls in diesem Tempo wachsen soll. Das Klebstoffgeschäft soll im besten Fall fünf Prozent pro Jahr wachsen.

Für das laufende Geschäftsjahr ist Henkel zurückhaltend. So dürften die hohen Kosten für Rohstoffe, Materialien und Logistik im schlechtesten Fall erheblich belasten und zu einem Ergebnisrückgang führen. Das Umsatzwachstum dürfte im Vergleich zum Vorjahr schwächer ausfallen. Vorläufigen Zahlen zufolge hatte Henkel den Umsatz 2021 organisch um fast acht Prozent gesteigert und ein deutliches bereinigtes Ergebniswachstum erzielt.

Marktexperten reagierten auf die Umbaupläne zunächst zurückhaltend. Jedoch hätten sich einige Analysten offenbar mehr Aggressivität gewünscht. So wurde die konglomeratsähnliche Struktur moniert und spekuliert, ob sich Henkel von seinem kompletten Beauty-Bereich trennen könnte.

Vorsichtiger Ausblick

Kritisiert wurde hingegen durchweg der vorsichtige Ausblick für das laufende Jahr. Die strategischen Schritte des Managements seien richtig, eine größere Neuausrichtung des Portfolios aber vorerst vom Tisch, kommentierte etwa Iain Simpson von der britischen Investmentbank Barclays. Auch Analystin Molly Wylenzek von Jefferies ist positiv gestimmt: die Zusammenführung des Konsumentengeschäfts mache einen positiven Eindruck auf sie. Das Vorgehen belege eine neue Fokussierung des Unternehmens auf die eigene Struktur.

Andere Finanzexperten gingen härter mit Henkel ins Gericht. Tom Sykes von der Deutschen Bank geht nicht davon aus, dass dadurch die Probleme des Konzerns gelöst werden können. Im Gegenteil: Er hält sogar eine Verschärfung für möglich. Er sehe nicht, wie sich durch die Fusion das Wachstumsprofil verbessern könne. Die Pläne des Konsumgüterherstellers für die Kehrtwende seien nicht überzeugend, urteilte auch Fulvio Cazzol von der Privatbank Berenberg.

Längere Zeit war die Henkel-Aktie etwas vom Radar der Anleger verschwunden. Bei einem Kurs von knapp unter 100 Euro hatte im April 2021 ein Abwärtstrend begonnen, der erst Ende Dezember bei einem Kurs von rund 69 Euro gestoppt werden konnte. Der danach einsetzende Erholungskurs trieb das Papier bis Mitte Januar auf wieder über 82 Euro nach oben. Mit dem Kurszuwachs von bis zu 14 Prozent stand Henkel zu dem Zeitpunkt sogar an der Dax -Spitze. Mit der Veröffentlichung der neuen Strategie Ende Januar brach der Trend wieder, das Papier sackte an dem Tag zweistellig ab und fiel unter die 70-Euro-Marke.

Aktuell notiert der Kurs bei 74 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier rund 13 Prozent verloren. Seit 2017 hat der Börsenwert fast 40 Prozent eingebüßt.

mje/dpa-afx