Freitag, 6. Dezember 2019

Textilbranche Gefahrenstoff

Van Laack in Hanoi: "Wir haben nichts zu verbergen"
Christian Baulig/brookmedia

Entwicklungsminister Müller will die deutsche Modebranche mit einem neuen Textilsiegel dazu verpflichten, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Selbst Premiummarken lassen Produkte vielfach unter fragwürdigen Bedingungen herstellen. Dass es auch anders geht, zeigt der deutsche Hemdenhersteller van Laack.

Es gibt keinen besseren Ort in Hanoi, an dem sich ein heißer Tag angenehmer ausklingen lässt, als die Bamboo Bar des Hotels Métropole. Der Blick in den subtropischen Garten mit Pool lässt den Trubel der vietnamesischen Hauptstadt vergessen, aus der Lobby klingt Klaviermusik, der Chardonnay ist perfekt temperiert.

Und doch ist Christian von Daniels an diesem Novemberabend unentspannt. "Das ist doch alles Quatsch", poltert der Chef des Hemdenherstellers van Laack und stellt sein Glas so heftig auf dem Tisch ab, dass der Wein über den Rand zu schwappen droht. "Die Verbraucher können die Verhältnisse genauso wenig ändern wie die Politik. Das können nur die Auftraggeber."

Um diesen Punkt klarzustellen, hat von Daniels ans andere Ende der Welt geladen. Mit den "Verhältnissen" meint der Unternehmer die katastrophalen Zustände, wie sie in vielen Bekleidungsfabriken in Nordafrika, der Türkei und vor allem in Südostasien herrschen: Arbeitszeiten von zwölf Stunden und mehr, mangelhafter Brandschutz, Hungerlöhne, Kinder- und Zwangsarbeit. Und "Auftraggeber" sind für von Daniels die großen westlichen Marken, die fast allesamt fern der Heimat produzieren - auch wenn manche dies lieber nicht zugeben wollen.

Der 58-Jährige kämpft um das Image der Bekleidungsbranche. Spätestens seit dem Einsturz einer Fabrik in Bangladesch im April 2013, bei der 1100 Menschen starben und 2500 verletzt wurden, müssen Modelabels schlüssige Antworten auf die Frage geben, unter welchen Bedingungen ihre Produkte hergestellt werden. Das gilt auch für Premiumanbieter.

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