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Van Laack in Hanoi: "Wir haben nichts zu verbergen"

Foto: Christina Sideri Bezirgiannidis/

Textilbranche Gefahrenstoff

Entwicklungsminister Müller will die deutsche Modebranche mit einem neuen Textilsiegel dazu verpflichten, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Selbst Premiummarken lassen Produkte vielfach unter fragwürdigen Bedingungen herstellen. Dass es auch anders geht, zeigt der deutsche Hemdenhersteller van Laack.
Von Christian Baulig

Es gibt keinen besseren Ort in Hanoi, an dem sich ein heißer Tag angenehmer ausklingen lässt, als die Bamboo Bar des Hotels Métropole. Der Blick in den subtropischen Garten mit Pool lässt den Trubel der vietnamesischen Hauptstadt vergessen, aus der Lobby klingt Klaviermusik, der Chardonnay ist perfekt temperiert.

Und doch ist Christian von Daniels an diesem Novemberabend unentspannt. "Das ist doch alles Quatsch", poltert der Chef des Hemdenherstellers van Laack und stellt sein Glas so heftig auf dem Tisch ab, dass der Wein über den Rand zu schwappen droht. "Die Verbraucher können die Verhältnisse genauso wenig ändern wie die Politik. Das können nur die Auftraggeber."

Um diesen Punkt klarzustellen, hat von Daniels ans andere Ende der Welt geladen. Mit den "Verhältnissen" meint der Unternehmer die katastrophalen Zustände, wie sie in vielen Bekleidungsfabriken in Nordafrika, der Türkei und vor allem in Südostasien herrschen: Arbeitszeiten von zwölf Stunden und mehr, mangelhafter Brandschutz, Hungerlöhne, Kinder- und Zwangsarbeit. Und "Auftraggeber" sind für von Daniels die großen westlichen Marken, die fast allesamt fern der Heimat produzieren - auch wenn manche dies lieber nicht zugeben wollen.

Der 58-Jährige kämpft um das Image der Bekleidungsbranche. Spätestens seit dem Einsturz einer Fabrik in Bangladesch im April 2013, bei der 1100 Menschen starben und 2500 verletzt wurden, müssen Modelabels schlüssige Antworten auf die Frage geben, unter welchen Bedingungen ihre Produkte hergestellt werden. Das gilt auch für Premiumanbieter.

Eine Branche in Erklärungsnot

Auf den Websites der meisten Hersteller finden sich bestenfalls wolkige Aussagen, etwa dass man weltweit Arbeitsstandards achte. "Viele Firmen liefern selbst auf Nachfrage nur vage Informationen", kritisiert Mario Dziamski, der auf der Website Rankabrand das Engagement von Luxuslabels in punkto Nachhaltigkeit bewertet. Spitzenreiter mit der Note B ist Stella McCartney.

Die Marke setzt sich als Mitglied der "Ethical Trading Initiative" für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben ein. 25 von 33 geprüften Labels hingegen erhielten das schlechteste Ranking E, weil sie keine Belege für menschenwürdige Produktionsbedingungen lieferten - darunter Prada, Isabel Marant und Escada.

"Das wachsende Bewusstsein der Kunden bedeutet ein Reputationsrisiko für jene Firmen, die nicht auf die Sozial- und Umwelteffekte ihrer Produkte eingehen", sagt Professor Jem Bendell von der University of Cumbria, der seit sieben Jahren Jahren über die Nachhaltigkeitsbemühungen von Luxusfirmen forscht. "Je mehr Konsumenten darüber erfahren, wie Produkte hergestellt werden, desto kritischer werden die Fragen."

Es sind nicht mehr nur Billigmarken wie Primark, Kik oder H&M, die Rechenschaft über ihre Produktionsweise ablegen müssen. Im Oktober verteilten Aktivistinnen der Kampagne "Labour Behind the Label" auf der London Fashion Week Beutel mit Erdnüssen, um auf die schlechte Bezahlung von Arbeiterinnen in der Textilindustrie aufmerksam zu machen.

Kürzlich startete die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte Kampagne in Einkaufszentren und Fußgängerzonen, die mit schockierenden Fotomontagen auf die Missstände in der Bekleidungsproduktion aufmerksam machen will. "Unsere ganze Branche gerät in Misskredit", sagt van-Laack-Chef von Daniels, dessen Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr mit Hemden, Blusen und Strickwaren 73 Millionen Euro Umsatz machte.

Corporate Social Responsibility: CSR ist kein Gedöns

Nun macht sogar die Politik Druck: In der "Welt am Sonntag" kündigte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) an, er wolle ein Textilsiegel zur Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards einführen. "Wenn das nicht auf freiwilliger Basis funktioniert, werden wir einen gesetzlichen Rahmen vorgeben", sagte Müller.

Lange wurde Corporate Social Responsibility (CSR) in den Chefetagen als "Gedöns" abgetan, jetzt erkennen die Markenverantwortlichen, dass ein laxer Umgang mit der Umwelt oder den Rechten von Arbeitern einen immensen Imageschaden nach sich ziehen kann. "Die Skandale in jüngster Vergangenheit haben die Unternehmen aufgeschreckt", beobachtet Jochen Pampel, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit beim Beratungsunternehmen KPMG.

Der französische Mischkonzern PPR, zu dem die Gucci-Gruppe mit Marken wie Bottega Veneta, Balenciaga oder Stella McCartney gehört, ist einer der wenigen großen Spieler, der CSR zum Leitthema erhoben hat. Im vorigen Sommer benannte sich das Unternehmen in Kering um - ein Name, der nicht von ungefähr genauso klingt wie das englische Wort für "Fürsorge". "Der Name drückt die neue Unternehmenskultur der Gruppe aus", so Konzernchef Francois-Henri Pinault bei der Vorstellung im März 2013.

Detailliert beschreibt Kering auf seiner Website, dass der Konzern Menschenrechte achte, Arbeitsnormen einhalte und sich Korruption verweigere. Die Arbeiter dürften sich in Gewerkschaften zusammenschließen, es gebe weder Zwangsarbeit, Diskriminierung noch Kinderarbeit. Die Löhne in den eigenen Werken und denen der Zulieferer sollen zumindest die Grundbedürfnisse der Beschäftigten und ihrer Familienangehörigen decken.

Für KPMG-Mann Pampel trägt diese Strategie nicht zuletzt dem Sicherheitsbedürfnis der Kapitalgeber Rechnung: "Investoren reagieren zunehmend empfindlich, wenn Firmen beim Thema Nachhaltigkeit keine effektive Risikovorsorge betreiben. Wer Ziele und Fortschritte transparent macht, steht ganz anders da, wenn er doch mal ein Problem hat."

Nächster Stopp Vietnam

Van Laack hat bei seiner Informationsoffensive vor allem seine Kundschaft im Visier: "Wir bekommen verstärkt Anfragen von Leuten, die in unseren Hemden das Schildchen ,Made in Vietnam' entdecken und wissen wollen, wie sie produziert wurden", erzählt Firmenchef von Daniels.

Die Firma aus Mönchengladbach ist ein Pionier beim Outsourcing. Seit vier Jahrzehnten produziert sie im Ausland: in Tunesien, in der Türkei, und seit 20 Jahren in Vietnam - zunächst in einem Jointventure mit einem Staatsbetrieb, seit fast acht Jahren in einer eigenen Fabrik. Das Land in Südostasien hat sich zu einem der bedeutendsten Bekleidungslieferanten entwickelt (s. Tabelle), vor allem seit China wegen steigender Arbeitskosten und der Aufwertung des Renmimbi für viele Kunden zu teuer geworden ist. In Vietnam verdient eine Näherinnen laut der Beratungsfirma Mercer gerade einmal halb so viel wie in China.

2013 fertigte Vietnam Kleidung im Wert von 20 Mrd. Dollar exportieren, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Hugo Boss, Marc O' Polo, Seidensticker, Olymp, Strellson - sie alle lassen dort produzieren.

Aber unter welchen Bedingungen?

Für Hoang Huynh Teang beginnt der Tag um halb sieben. Die 28-jährige Schneiderin bewohnt mit ihrem Mann, zwei Kindern und den Schwiegereltern ein Haus am südlichen Stadtrand von Hanoi, wo neben flachen Wohnbaracken neue Hochhausviertel in den Himmel wachsen. Hoang macht ihren sechsjährigen Sohn für die Schule fertig und bricht dann mit der dreijährigen Tochter zur Hauptstraße auf. Ein Bus holt die beiden ab und bringt sie zur Van-Laack-Fabrik. Nach 20 Minuten Fahrt erreichen sie das Industriegebiet von Ngoc Hoi.

Wo bis vor zehn Jahren noch Bauern Reis anbauten, steht heute ein zweistöckiges gelbes Gebäude im Kolonialstil mit Plätscherbrunnen auf der Auffahrt und weißem Säulengang. Gut 500 Menschen arbeiten hier.

14 Tage Urlaub, keine Nachtschichten, kostenloses Mittagessen

Hoangs erster Weg führt sie durch die marmorgeflieste Halle in den ersten Stock. Neben einem bunten Wandbild ist der Eingang zum Kindergarten, wo zwei Betreuerinnen ihre Tochter in Empfang nehmen. Dann geht es runter zur Zeiterfassung vor der Produktionshalle. Um 7.45 Uhr ist Arbeitsbeginn.

Christian von Daniels zeigt der Welt, dass seine Produkte unter ordentlichen Bedingungen hergestellt werden: "Wir haben nichts zu verbergen, im Gegenteil." Und so führt Werksleiterin Kim Thu Huong regelmäßig Besucher durch das Gebäude. Am Ende des Verwaltungstrakts bleibt sie vor einem Durchgang stehen und macht eine Kunstpause. Leises Maschinengeratter ist zu hören. "Das ist unsere Wow-Tür", sagt sie verheißungsvoll und drückt die Klinke herunter.

Das Geratter wird lauter, der Blick fällt auf einen fußballfeldgroßen Produktionssaal. Im hellen Neonlicht sind lange Reihen von Nähmaschinen, Pressen und Bügelautomaten zu sehen, dahinter Dutzende junger Frauen in hellblauen Kitteln und einige wenige Männer. 1600 Hemden und Blusen entstehen hier Tag für Tag und 1000 Pyjamas für die First-Class-Passagiere der Lufthansa. Eine Klimaanlage bläst kühle Frischluft in die Halle. Kein Arbeiterparadies, aber viel anders sieht es in Metzingen, Bielefeld oder Mönchengladbach auch nicht aus.

Hinten rechts in der Halle sitzt Hoang und näht aus rotkariertem Stoff Schulterteile für Herrenhemden zusammen. Kurz nach der Fabrik-Eröffnung 2006 hat sie bei van Laack angefangen. Eine Tante hatte bereits zuvor für die deutsche Firma gearbeitet und ihr empfohlen, sich nach ihrer Schneiderausbildung dort zu bewerben.

Näherinnen bleiben im Durchschnitt sieben Jahre

Es gibt 14 freie Tage im Jahr, keine Nachtschichten und ein kostenloses Mittagessen in der Kantine. Dazu Boni, wenn eine Schneiderin wenig Ausschuss produziert und selten fehlt. "Meine Freundinnen sind neidisch auf mich", lässt Hoang Werksleiterin Kim übersetzen. Um viertel nach vier ist Feierabend. Gearbeitet wird von Montag bis Samstag. Hoangs Monatsgehalt beträgt 5 Mio. Dong, das sind rund 175 Euro, im Januar wird ihr Lohn um zwölf Prozent steigen.

Ihr Mann verdient als Taxifahrer ungefähr das Gleiche. Für große Anschaffungen bleibt da nicht viel übrig. Ein bisschen Geld legt sie für die Ausbildung der Kinder sein. Hoang lächelt verlegen und sagt, sie sei zufrieden. "Ich würde gerne noch lange hier arbeiten."

Im Durchschnitt bleiben die Näherinnen sieben Jahre bei van Laack, deutlich länger als in den meisten anderen Fabriken. Das ist der wohl wichtigste Beweggrund, dafür, warum das Unternehmen Shuttlebus, Betriebskindergarten Kantinenessen finanziert. "Wir tun das nicht aus reiner Nächstenliebe", räumt Firmenchef von Daniels ein, "sondern weil es sich für uns rentiert."

Van Laack verarbeitet teure Stoffe, die eigens aus Italien angeliefert werden. Ein Drittel der Produktionskosten entfallen nur auf das Material. "Wenn wir zu viel Verschnitt haben oder eine hohe Retourenquote, kostet uns das richtig Geld", sagt von Daniels. Er lässt die Näherinnen vier Monate anlernen, und erst wer die Techniken richtig beherrscht, wird an das teure Tuch gelassen.

Kontrolle ist besser

Für den Mittelständler vom Niederrhein ist es vergleichsweise leicht nachzuweisen, dass er seine Mitarbeiter im Ausland anständig behandelt. Die meisten Labels haben jedoch kaum mehr eigene Fabriken und lassen das Gros ihrer Ware von Lohnfertigern herstellen. Dort ist die Kontrolle ungleich schwieriger. "Ohne Präsenz vor Ort geht es nicht", sagt Achim Berg, der für McKinsey Unternehmen aus der Luxusbranche berät.

Hugo Boss etwa produziert zwar Anzüge in eigenen Werken in Metzingen, in den USA, in Italien und in der Türkei, bezieht aber andere Kollektionsteile von mehr als 200 Zulieferern. "Wir kontrollieren die Betriebe mit eigenen Teams sowie mit einem externen Partner", sagt Hjördis Kettenbach, die im Unternehmen für das Thema Nachhaltigkeit zuständig ist.

In China unterhält Hugo Boss sogar ein eigenes Beschaffungsbüro. Insgesamt 130 Mitarbeiter begleiten Produktionsanläufe, kontrollieren die Qualität - und die Einhaltung der Arbeitsstandards. So wird auch verhindert, dass Fabrikanten Aufträge zwischen Betrieben "verschieben", etwa wenn die Kapazitäten in Stoßzeiten knapp werden.

Van Laack lässt in kleinen Stückzahlen Strickwaren in einer chinesischen Firma fertigen. Um sicherzustellen, dass jedes Stück in diesem geprüften Betrieb produziert wurde, wenden die Mönchengladbacher einen simplen Trick an: Die Kontrolleure lassen sich während des Fertigungsprozesses zu einem bestimmten Zeitpunkt mehrere Einzelteile der Kollektion zeigen - in willkürlich gewählten Farben und Größen. "Wenn die Aufträge an eine andere Fabrik weitergereicht worden wären, flöge der Schwindel in diesem Moment auf", sagt Firmenchef von Daniels.

Viele Unternehmen scheuen den Aufwand solcher Kontrollen. Oft unterschreiben Lieferanten nur eine Selbstverpflichtungserklärung und werden dann nicht weiter behelligt. Selbst Zertifikate renommierter Organisationen garantieren nicht, dass alles in Ordnung ist. So hatten zwei Firmen, die beim Einsturz des Fabrikgebäude in Bangladesch zerstört wurden, trotz erheblicher Sicherheitsmängel eine Unbedenklichkeitserklärung der Business Social Compliance Initiative (BSCI) erhalten (s. Übersicht).

Alles unter Kontrolle Siegel und Zertifikate in der Bekleidungsbranche

"Wenn es einmal zu Zwischenfällen kommt, sollte man Belege vorweisen können, dass man sich bemüht hat, ordentliche Verhältnisse zu gewährleisten", sagt KPMG-Experte Pampel.

Krisenprofiteur Vietnam

Dazu gehört auch die Wahl des Produktionsstandorts. Seit dem Unglück in Bangladesch registriert die deutsche Außenhandelskammer in Hanoi deutlich mehr Anfragen heimischer Bekleidungsfirmen. Die Arbeitsschutzgesetze in Vietnam sind vergleichsweise fortschrittlich. Frauen genießen sechs Monate Mutterschutz, der Mindestlohn liegt mit 112 Dollar beim Dreifachen der Summe in Bangladesch.

"Die Situation in den Betrieben hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert", sagt Cam Van Truong. Der stellvertretende Vorsitzende der Textilgewerkschaft sitzt in einem Büro mit Fliesenboden, großem Schreibtisch und bunter Blumendekoration. In dem sozialistischen Ein-Parteien-Staat hat die Gewerkschaft einen hohen Stellenwert. Die Sekretärin serviert Tee, Süßigkeiten und frische Pomelos. Cam hat in Leipzig vor der Wende studiert und danach dort promoviert. Er kennt die Maßstäbe, an denen westliche Branchenvertreter die Zustände in den Firmen messen.

In den meisten Betrieben gebe es modernere Maschinen, bessere Belüftung, geregelte Arbeitszeiten und höhere Löhne, so Cam. Die Gesetze wurden verschärft. Und die Gewerkschaften begreifen sich zunehmend als Vertreter der Arbeitnehmer und nicht als verlängerten Arm der Partei ins Management. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt der Funktionär.

Doch auch in Vietnam gibt es immer wieder Fälle von Regelbrüchen, manchmal sogar Schläge vom Patron. "Kürzlich waren wir in einer Näherei in Haiphong, in der ein Dutzend Mädchen in einem engen Raum zusammengepfercht war", erzählt Thibaut Hanquet. Der Oxfam-Mitarbeiter ist seit den 90er-Jahren im Land und zieht eine gemischte Bilanz. "Die Gesetze sind gut", sagt Hanquet, "aber die Durchsetzbarkeit ist schwach." Das Arbeitsministerium beschäftige gerade einmal 400 Inspektoren. "Es würde zehn Jahre dauern, bis die sich jeden Betrieb einmal angesehen haben."

Es geht folglich nicht ohne freiwilliges Engagement der Wirtschaft, die regelmäßige, effektive Audits durchführt. Betterwork, eine Kooperation der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der International Finance-Corporation (IFC), hat 200 Betriebe im Süden Vietnams geprüft. Finden die Kontrolleure Mängel, arbeiten sie gemeinsam mit den Firmen daran, diese zu beheben. "Die Fabrikbesitzer haben begriffen, dass ihnen ein Audit zu einer besseren Position im Kampf um Aufträge verhilft", sagt Programm-Managerin Nguyen Hong Ha.

Ob engagierte Unternehmen ihr Wohlverhalten auch nach außen kehren sollten, darüber gehen die Meinungen auseinander: McKinsey-Mann Berg rät seinen Klienten kategorisch ab, mit fairen Arbeitsbedingungen zu werben: "Zu wenige Endkunden sehen darin ein Differenzierungsmerkmal."

Bei Hugo Boss sieht man das anders. Demnächst informieren die Metzinger auf ihrer Website detailliert über die Zustände in den Produktionsbetrieben. Wurde dem Unternehmen 2006 von der Stiftung Warentest noch vorgeworfen "jeden Einblick in ihre Firmenpolitik" zu verweigern, legt es Mitte Mai die Ergebnisse der Audits offen und erläutert die Prinzipien seiner Einkaufsstrategie. "Wir sind bei diesem Thema gut und möchten dies künftig auch transparent machen," sagt Boss-Managerin Kettenbach.

Van Laack will ebenfalls nachlegen. Von Siegeln und Zertifikaten, wie sie Entwicklungsminister Müller nun forciert, hält Firmenchef von Daniels zwar nicht viel: "Gute Arbeitsbedingungen sind für uns so selbstverständlich wie ein fehlerfrei genähtes Knopfloch." Auf seiner Website will jedoch auch er den Kunden künftig ausführlich präsentieren, wie seine Produkte hergestellt werden, unter anderem mit einem Film über die Fertigung in Hanoi. "Das Denken in Bezug auf dieses Thema hat sich sehr verändert", sagt von Daniels, "davon können wir nur profitieren."

Alles unter Kontrolle Siegel und Zertifikate in der Bekleidungsbranche

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