Samstag, 7. Dezember 2019

Textilbranche Gefahrenstoff

Van Laack in Hanoi: "Wir haben nichts zu verbergen"
Christian Baulig/brookmedia

4. Teil: Nächster Stopp Vietnam

Van Laack hat bei seiner Informationsoffensive vor allem seine Kundschaft im Visier: "Wir bekommen verstärkt Anfragen von Leuten, die in unseren Hemden das Schildchen ,Made in Vietnam' entdecken und wissen wollen, wie sie produziert wurden", erzählt Firmenchef von Daniels.

Die Firma aus Mönchengladbach ist ein Pionier beim Outsourcing. Seit vier Jahrzehnten produziert sie im Ausland: in Tunesien, in der Türkei, und seit 20 Jahren in Vietnam - zunächst in einem Jointventure mit einem Staatsbetrieb, seit fast acht Jahren in einer eigenen Fabrik. Das Land in Südostasien hat sich zu einem der bedeutendsten Bekleidungslieferanten entwickelt (s. Tabelle), vor allem seit China wegen steigender Arbeitskosten und der Aufwertung des Renmimbi für viele Kunden zu teuer geworden ist. In Vietnam verdient eine Näherinnen laut der Beratungsfirma Mercer gerade einmal halb so viel wie in China.

2013 fertigte Vietnam Kleidung im Wert von 20 Mrd. Dollar exportieren, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Hugo Boss, Marc O' Polo, Seidensticker, Olymp, Strellson - sie alle lassen dort produzieren.

Aber unter welchen Bedingungen?

Für Hoang Huynh Teang beginnt der Tag um halb sieben. Die 28-jährige Schneiderin bewohnt mit ihrem Mann, zwei Kindern und den Schwiegereltern ein Haus am südlichen Stadtrand von Hanoi, wo neben flachen Wohnbaracken neue Hochhausviertel in den Himmel wachsen. Hoang macht ihren sechsjährigen Sohn für die Schule fertig und bricht dann mit der dreijährigen Tochter zur Hauptstraße auf. Ein Bus holt die beiden ab und bringt sie zur Van-Laack-Fabrik. Nach 20 Minuten Fahrt erreichen sie das Industriegebiet von Ngoc Hoi.

Wo bis vor zehn Jahren noch Bauern Reis anbauten, steht heute ein zweistöckiges gelbes Gebäude im Kolonialstil mit Plätscherbrunnen auf der Auffahrt und weißem Säulengang. Gut 500 Menschen arbeiten hier.

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