Freitag, 6. Dezember 2019

Textilbranche Gefahrenstoff

Van Laack in Hanoi: "Wir haben nichts zu verbergen"
Christian Baulig/brookmedia

3. Teil: Corporate Social Responsibility: CSR ist kein Gedöns

Nun macht sogar die Politik Druck: In der "Welt am Sonntag" kündigte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) an, er wolle ein Textilsiegel zur Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards einführen. "Wenn das nicht auf freiwilliger Basis funktioniert, werden wir einen gesetzlichen Rahmen vorgeben", sagte Müller.

Lange wurde Corporate Social Responsibility (CSR) in den Chefetagen als "Gedöns" abgetan, jetzt erkennen die Markenverantwortlichen, dass ein laxer Umgang mit der Umwelt oder den Rechten von Arbeitern einen immensen Imageschaden nach sich ziehen kann. "Die Skandale in jüngster Vergangenheit haben die Unternehmen aufgeschreckt", beobachtet Jochen Pampel, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit beim Beratungsunternehmen KPMG.

Der französische Mischkonzern PPR, zu dem die Gucci-Gruppe mit Marken wie Bottega Veneta, Balenciaga oder Stella McCartney gehört, ist einer der wenigen großen Spieler, der CSR zum Leitthema erhoben hat. Im vorigen Sommer benannte sich das Unternehmen in Kering um - ein Name, der nicht von ungefähr genauso klingt wie das englische Wort für "Fürsorge". "Der Name drückt die neue Unternehmenskultur der Gruppe aus", so Konzernchef Francois-Henri Pinault bei der Vorstellung im März 2013.

Detailliert beschreibt Kering auf seiner Website, dass der Konzern Menschenrechte achte, Arbeitsnormen einhalte und sich Korruption verweigere. Die Arbeiter dürften sich in Gewerkschaften zusammenschließen, es gebe weder Zwangsarbeit, Diskriminierung noch Kinderarbeit. Die Löhne in den eigenen Werken und denen der Zulieferer sollen zumindest die Grundbedürfnisse der Beschäftigten und ihrer Familienangehörigen decken.

Für KPMG-Mann Pampel trägt diese Strategie nicht zuletzt dem Sicherheitsbedürfnis der Kapitalgeber Rechnung: "Investoren reagieren zunehmend empfindlich, wenn Firmen beim Thema Nachhaltigkeit keine effektive Risikovorsorge betreiben. Wer Ziele und Fortschritte transparent macht, steht ganz anders da, wenn er doch mal ein Problem hat."

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