Kohlensäuremangel auch bei deutschen Brauereien Wird zur WM das Bier knapp?

Biertrinkender WM-Fan in Halle

Biertrinkender WM-Fan in Halle

Foto: DPA

Wenn am Nachmittag das WM-Spiel Deutschland gegen Südkorea angepfiffen wird, greift so manch einer sicher zum Fußball-Bier. Eine Sache allerdings droht die Feierlaune zu stören: Ein akuter Kohlensäuremangel bedroht die Bierversorgung während der WM.

Vor allem aus Großbritannien sind derzeit erste Meldungen von Brauereien  zu vernehmen, die nicht mehr alle Sorten in unbegrenzter Menge liefern können. Aber auch deutsche Brauereien sind bereits von dem Engpass bei Kohlensäure betroffen. Die Produktion ist hierzulande allerdings den Informationen zufolge noch nicht beeinträchtigt.

Die Knappheit an Quell-Kohlensäure spüre man auch, hieß es beispielsweise bei der Radeberger-Gruppe, die unter anderem Schöfferhofer-Weizen sowie Biere der Marken Binding, Schultheiss, Tucher und Clausthaler brauen. "Allerdings konnten wir dies in unseren Brauereien und unserem Mineralbrunnen bislang noch erfolgreich aussteuern, so dass unsere Produktionsabläufe davon nicht beeinflusst werden."

Auch Großschlachtereien, die Tiere mit CO2 betäuben, sind von dem Engpass betroffen. Die größte schottische Schlachterei Quality Pork Limited stellte laut BBC wegen des Engpasses bereits den Betrieb ein. Deutsche Schlachtereien sind ebenfalls mit einem Mangel an Kohlensäure konfrontiert. Bislang geben es bei den Schlachtungen aber keine Einschränkung, hieß es beispielsweise beim Großschlachter Böseler Goldschmaus im niedersächsischen Garrel.

Erste Großhändler rationieren bereits

In Großbritannien sieht das schon anders aus. Dort ist der zu Tesco gehörende britische Getränkegroßhändler Booker ist mittlerweile sogar dazu übergegangen, Bier und Cider zu rationieren, wie die BBC am Dienstag berichtete . Dort können Kunden aktuell nur jeweils zehn Kästen Bier und fünf Gebinde Cider mitnehmen.

Betroffen von dem Kohlensäuremangel ist auch Heineken in Großbritannien . Laut einem Bericht des Fachmagazins "The Grocer" schrieb die Brauerei Pubs an und wies sie darauf hin, dass aktuell für bestimmte Biersorten begrenzte Bestellmengen gelten. Auf Nachfrage der BBC  bestätigte Heineken, dass der Kohlensäure-Lieferant des Unternehmens sie über Verfügbarkeitsprobleme informiert habe. Betroffen sind laut dem Bericht die Sorten "John Smith's Extra Smooth" und Amstel in Fässern.

Auch die Pub-Kette Weatherspoons bestätigte bereits zu erwartende Versorgungsprobleme: Momentan habe man noch keine Versorgungsprobleme, hieß esvergangene Woche . "Aber das wird sich wahrscheinlich in den nächsten Tagen ändern", hieß es. "Möglich, dass dann einige Produkte nicht verfügbar sind. Und wenn Weatherspoons betroffen ist, dann auch alle anderen."

Die Britische Bier und Pub Association (BBPA) ermahnte ihre Mitglieder  mittlerweile sogar, für ihre zapfanlagen, für die ebenfalls Kohlensäure nötig ist, nur lebensmitteltaugliches CO2 zu verwenden.

Grund für den Kohlesäuremangel, der mittlerweile auch britische Coca-Cola-Abfüller  betrifft, sind saisonale Schließungen von Ammoniak-Anlagen, die CO2 als eine Art Nebenprodukt erzeugen. Da Ammoniak vor allem für die Düngemittelproduktion verwendet wird, dessen Hauptproduktionszeit zwischen August und März liegt, schließen viele Anlagen im Sommer für eine Zeit die Tore für Wartungsarbeiten.

Erste Engpässe auch in Deutschland

Laut dem Fachblatt "Gasworld"  sind aktuell alleine in Nordeuropa mindestens fünf Fabriken geschlossen. Weil aktuell die Ammoniak-Preise zudem extrem niedrig sind, haben offenbar einige Hersteller diese Schließzeit zudem ausgedehnt. Zusammen mit dem guten Wetter im Mai, das auch einen Anstieg des Bierdurstes zur Folge hatte, eine ungünstige Verkettung von Umständen.

Mittlerweile sind auch Softdrinkhersteller von dem Kohlensäureengpass betroffen. So hat Coca-Cola in Großbritannien nach eigenen Angaben wegen des Engpasses einen Teil der Produktion "zeitweise gestoppt".  Die Versorgung sei aber nicht bedroht, heißt es. In Deutschland läuft die Abfüllung bei Coca-Cola nach Angaben des Unternehemens indes unbeeinträchtigt.

Allerdings haben hierzulande offenbar aber Supermarktlieferanten mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen. So hatte Amazon Fresh laut einem Bericht der Lebensmittelzeitung  in Berlin bereits Tiefkühlprodukte wie Eis und Pizza aus dem Sortiment nehmen müssen, weil es offenbar bei der Trockeneis-Versorgung hakte und die Auslieferung nicht über spezielle Kühlfahrzeuge erfolgte. Trockeneis besteht wie Kohlensäure aus aus CO2. Ein Problem, mit dem auch britische Onlinehändler wie Ocado oder Morrisons kämpfen. Bei Amazon soll es mittlerweile allerdings wieder behoben sein.

Insgesamt scheint die Situation in Deutschland aber nicht so drastisch zu sein, wie in Großbritannien, wo Pressebereichten zufolge nur noch ein Kohlensäurehersteller produzierte.

Bei den von manager-magazin.de angefragten Brauereien Buddelship, Von Freude und Veltins war am Dienstag nach Unternehmensangaben nichts von einem drohenden Engpass zu spüren. Zumindest nicht bei der Kohlensäure.

Sollte das Wetter wieder so gut werden wie vor ein paar Wochen, die Deutschen in der WM weiterkommen, könne es sein, dass man sich liefertechnisch durchaus anstrengen müsse, um den "großen Durst" zu löschen, sagte ein Veltins-Sprecher.

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