Hoffnung auf Milliardenerlös Neuer HeidelCement-Chef sucht Käufer für Kalifornien-Geschäft

Bisher ist HeidelbergCement dank des Sparprogramms ganz gut durch die Krise gekommen. Nichtsdestotrotz stellt der neue Chef Dominik von Achten derzeit das gesamte Portfolio auf den Prüfstand - und ist offenbar fündig geworden.
Alles auf dem Prüfstand: Der neue HeidelCement-Chef Dominik von Achten schaut sich derzeit das gesamte Portfolio genau an

Alles auf dem Prüfstand: Der neue HeidelCement-Chef Dominik von Achten schaut sich derzeit das gesamte Portfolio genau an

Foto: HeidelbergCement

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement prüft offenbar den Verkauf seines Kalifornien-Geschäfts. Der Dax-Konzern könnte damit 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,23 Milliarden Euro) einnehmen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg  am Dienstag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Die Aussicht auf einen Milliardenerlös trieb die Aktien  des Baustoffkonzerns auf den höchsten Stand seit Mitte Februar. Den coronabedingten herben Einbruch im Frühjahr mit einer Kurshalbierung in wenigen Wochen hatten die Papiere zuletzt bereits komplett ausgeglichen. Um 0,78 Prozent auf 61,76 Euro ging es am Mittwochvormittag weiter aufwärts. Jefferies-Analystin Glynis Johnson vom Investmenthaus Jefferies sagte, der Konzern könnte durch den Verkauf den Verschuldungsgrad drücken sowie möglicherweise Geld an die Aktionäre ausschütten.

HeidelbergCement habe die Investmentbank Morgan Stanley mit dem Verkauf der Anteile betraut, hieß es in dem Bericht. Jüngst habe die Bank erste Dokumente an mögliche Käufer geschickt. HeidelbergCement dürfte Anfang des nächsten Jahres in einer ersten Runde Gebote bekommen. Den Insidern zufolge geht es bei den Vermögenswerten in den USA etwa um Zementfabriken sowie Fabriken für sogenannte Zuschlagstoffe, die etwa bei der Betonherstellung und im Bau verwendet werden.

Die Verkaufsberater haben sich den Insidern zufolge an Wettbewerber gewandt. Dazu gehören Lafarge Holcim aus der Schweiz, CRH aus Irland, Martin Marietta Materials sowie Summit Materials aus den USA und Cemex aus Mexiko. Außerdem hätten die Investmentbanker sich an weitere Wettbewerber aus Schwellenmärkten wie China und Lateinamerika gewandt. Es sei noch unklar, welche der potenziellen Käufer Angebote machten. Falls diese zu niedrig ausfallen, könnte das Unternehmen sich dafür entscheiden, die Sparte zu behalten.

Sparprogramm zahlte sich für HeidelCement aus

Ein Sprecher von HeidelbergCement wollte den Bericht nicht kommentieren. Auch Morgan Stanley und Lafarge Holcim gaben gegenüber Bloomberg keinen Kommentar ab. Sprecher von CRH, Martin Marietta Materials, Summit Materials und Cemex waren zunächst nicht zu erreichen.

Im Oktober hatte der neue Heidelberg-Chef Dominik von Achten (54) angekündigt, der Konzern wolle sein Portfolio überprüfen und das Geschäft in den Märkten einstellen, die für HeidelbergCement keine guten Perspektiven hätten. Von Achten hatte im Februar den Chefsessel von Bernd Scheifele (62) übernommen. Zementhersteller stehen seit Monaten wegen ihres hohen Ressourcen-Verbrauchs unter Beobachtung von Regulatoren und Investoren.

Um gut durch die Corona-Krise zu kommen, hatte von Achten bereits Ende Februar ein neues Sparprogramm aufgesetzt. Damit will das Unternehmen eine Milliarde Euro einsparen. Dazu beitragen sollen etwa geringere Personalaufwendungen, freiwillige Kürzungen der Management-Gehälter, die Beschränkung von Investitionen sowie geringere Steuerzahlungen. Derzeit beschäftigt der Konzern 55.000 Menschen.

Das Sparprogramm zahlte sich aus. So schrumpfte zwar der Umsatz von HeidelbergCement im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,5 Prozent auf knapp 4,9 Milliarden Euro. Aber der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 13,1 Prozent auf gut 1,3 Milliarden Euro zu.

mg/dpa-afx
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