Sonntag, 29. März 2020

Nach Ablehnung des Vorstands Auch Hawesko-Aufsichtsräte gegen Übernahmeangebot

Hawesko-Unternehmen "Jacques´ Weindepot" - hinter den Kulissen von Deutschlands größtem Weinhändler läuft eine Übernahmeschlacht

Übernahmeschlacht in feinsten Kreisen: Hawesko-Kontrolleur Detlev Meyer will die Macht bei Deutschlands größten Weinhändler. Nach dem Vorstand haben nun allerdings auch die anderen Aufsichtsräte sein Angebot abgelehnt. Nun kontert Meyer.

Hamburg - Showdown bei Hawesko: Im November hatte Aufsichtsrat Detlev Meyer ein Übernahmeangebot für Deutschlands größten Weinhändler vorgelegt. Nun antwortet der Vorstand - und spricht sich entschieden gegen den Plan aus. "Dieses Angebot von 40 Euro je Aktie spiegelt den wahren Wert und das große Potenzial von Hawesko nicht annähernd wider", sagt Finanzvorstand Ulrich Zimmermann laut einer Mitteilung. Meyer wolle offensichtlich "mit möglichst geringem finanziellem Einsatz die Kontrolle" an sich reißen. "Wir raten jedem Aktionär daher, seine Aktien zu behalten."

Auch der Hawesko-Aufsichtsrat, dem Meyer angehört, stellt sich gegen die Offerte: Der Angebotspreis sei "nicht ausreichend, um den Aktionären von Hawesko eine Annahme des Angebots empfehlen zu können", teilte das Gremium am Vormittag in einer eigenen Stellungnahme mit.

Meyers Beteiligungsgesellschaft Tocos hat inzwischen geantwortet. Sie sei "weiterhin überzeugt, dass das Angebot von 40 Euro je Aktie hochattraktiv für die Aktionäre" sei. 40 Euro entsprächen einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 - so viel wie etwa bei Hugo Boss.

Streit um Mittel für Expansion

Derzeit hält Meyer 29,5 Prozent der Anteile; er ist damit zweitgrößter Eigner hinter Hawesko-Chef Alexander Margaritoff, der etwa 30 Prozent am Unternehmen besitzt. Margaritoff selbst äußert sich in der nun vorgelegten Erklärung nicht - allerdings dürfte er ähnlich gepfefferte Ansichten vertreten wie sein Vorstandskollege Zimmermann: Meyers Vorschlag schade der Gesellschaft, da er mitten ins Weihnachtsgeschäft platze, sei in keiner Weise konstruktiv und beschädige gewachsenes Vertrauen.

Zwar will Tocos "das bestehende Management" erhalten und zukünftig dabei unterstützen, "die strategische Weiterentwicklung fokussiert voranzutreiben." Einigkeit herrscht dabei über den generellen Kurs: Sowohl Meyer wie auch Margaritoff wollen mit Hawesko im Ausland wachsen. In konkreten Fragen sind sich der Investor und der derzeitige Vorstand dabei allerdings uneins - entsprechend schwingt in der jetzt veröffentlichten harschen Note durchaus auch ein Quäntchen Selbsterhaltungstrieb der Chefetage mit.

Meyer kontert Vorwürfe

Im Kern des Streits steht die Dividende: Hawesko hat in den vergangenen Jahren bis zu 90 Prozent seines Jahresüberschusses an seine Aktionäre ausgeschüttet - davon profitiert auch Gründersohn und Großaktionär Margaritoff. Meyer will die Dividende nun auf 40 bis 50 Prozent drücken, um mehr finanzielle Mittel für den Sprung auf ausländische Märkte zur Verfügung zu haben. Zur Größenordnung: Im vergangenen Jahr hat Hawesko etwa 15 Millionen Euro an Aktionäre verteilt.

Trotz der angekündigten Unterstützung des Vorstands scheint dieser die eigene Ablösung zu fürchten: Meyer strebe laut Hawesko-Mitteilung einen "Generationenwechsel" an - der Vorstand sehe dies als "Affront gegen den amtierenden CEO". Dass der Investor diese Überlegungen auch noch öffentlich mache, sorge "für erhebliche Verunsicherung bei Mitarbeitern und langjährigen Geschäftspartnern."

Tocos konterte diesen Vorwurf mit einem Verweis auf die Margaritoffs Doppelrolle: Er sei gleichzeitig Vorstand und Aktionär - entsprechend bestehe ein Interessenkonflikt, wenn er in die Diskussion einer Vorstandsstellungnahme eingebunden worden sei, in der es auch seine eigene Rolle im Unternehmen gehe. Den Vorwurf, das Weihnachtsgeschäft durcheinander zu wirbeln, will die Gesellschaft ebenfalls nicht auf sich sitzen lassen: Hawesko sei sehr dezentral organisiert, da fiele das Angebot nur auf Holding-Ebene ins Gewicht.

Ob es Meyer schlussendlich gelingt, Margaritoff als größter Aktionär abzulösen, dürfte auch von Michael Schiemann abhängen: Er steht hinter der Vermögensverwaltung Augendum, die mit fünf Prozent drittgrößter Anteilseigner bei Hawesko ist. Zwar wolle er erst einmal das Votum des Vorstands abwarten, sagte er vor kurzem gegenüber manager magazin online; aber grundsätzlich sei ein Verkauf seiner Aktien durchaus denkbar: "Ich bin da ganz entspannt."

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