Machtkampf entschieden Was Detlev Meyer mit dem Weinhändler Hawesko vorhat

Vom Aufsichtsrat aus startete Detlev Meyer seine feindliche Übernahme beim Weinhändler Hawesko. Und gewann den Machtkampf um die Zukunft von Jacques' Weindepot. Wer ist der große Unbekannte, der als Textilunternehmer seine ersten Millionen machte - und was versteht er von Wein?
Der Machtkampf beim Weinhändler Hawesko ist entschieden: "Ich kenne Winzer, er kennt Banker" hat der scheidende Unternehmenschef Alexander Margaritoff (rechts) über Detlev Meyer (links) gesagt. Nun übernimmt der Bankenkenner das Kommando - Meyers Palastrevolution, die er im Aufsichtsrat startete (Mitte: Hawesko-Aufsichtsrat Wolfgang Reitzle), war erfolgreich

Der Machtkampf beim Weinhändler Hawesko ist entschieden: "Ich kenne Winzer, er kennt Banker" hat der scheidende Unternehmenschef Alexander Margaritoff (rechts) über Detlev Meyer (links) gesagt. Nun übernimmt der Bankenkenner das Kommando - Meyers Palastrevolution, die er im Aufsichtsrat startete (Mitte: Hawesko-Aufsichtsrat Wolfgang Reitzle), war erfolgreich

Foto: Frank Hoppmann für manager magazin

Hamburg - Er hat es geschafft: Detlev Meyer (62) ist der neue Herr im Hause Hawesko (Jacques' Wein-Depot). Mit einer feindlichen Übernahme sicherte er sich über seine Beteiligungsfirma Tocos die Mehrheit am Weinhändler und drängt Vorstandschef Alexander Margaritoff (62) aus dem Unternehmen.

Doch wer ist der große Unbekannte, der öffentlichkeitsscheue Mann, der sich mit aller Kraft die Macht bei Hawesko gesichert hat?

"Ich kenne Winzer, er kennt Banker", brachte Alexander Margaritoff die Persönlichkeiten der beiden auf den Punkt. Für Detlev Meyer sind dies Bekanntschaften von der angenehmen Sorte: Er wurde mit den Textilmarken Street One und Cecil zum Multimillionär.

Erfolg mit Textilmarken Street One und Cecil

Monatlich wechselnde Kollektionen, keine Lizenzen, nur Damenoberbekleidung: Das war neu in den achtziger-Jahren. Meyer und sein Kompagnon Friedhelm Behn revolutionierten mit ihrem Konzept den deutschen Einzelhandel. 1983 gegründet, entwickelte sich Street One innerhalb von 20 Jahren zu einem Unternehmen mit 500 Millionen Euro Umsatz und zweistelligen Renditen. 2004 entschließen sich die beiden Gründer, den Konzern zu verkaufen - für Außenstehende völlig unerwartet. Ein "Paukenschlag für die Branche" schrieb das Branchenblatt "Textilwirtschaft".

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Neuer Eigentümer wird die Private-Equity-Gesellschaft Cinven. Der genaue Preis wurde nie bekannt - Schätzungen von einer Milliarde Euro kommentierte Meyer als "nicht völlig aus der Luft gegriffen".

Meyer und Rossman - Millionen für Hannover 96

Wer dachte, Detlev Meyer hätte lediglich das große Geld gelockt, irrt: Meyer gilt als bescheiden, als guter Kaufmann und Unternehmer. Auch wenn er Mode und Wein liebt - mit der Schickeria kann er nichts anfangen. Er wollte seine Firma frühzeitig in die Hände eines Nachfolgers geben, sagten Vertraute.

Anschließend reinvestierten er und Behn große Teile der Kaufsumme in ihre CBR-Holding und unterstützten soziale Stiftungen. Auch in den Fußball-Bundesligisten Hannover 96 investierte der fußballbegeisterte Meyer mehrere Millionen - zusammen mit Drogerielegende Dirk Rossmann.

Seine Vergangenheit erklärt das Selbstbewusstsein, mit dem der Hannoveraner Meyer an Deals wie Hawesko geht. Er ist es gewohnt, Erfolg zu haben. Nun möchte er die Macht bei Hawesko - und Meyer vollzieht ein Husarenstück.

Palastrevolution vom Aufsichtsrat aus

Beim hanseatischen Weinhändler sitzt Meyer im prominent besetzten Ausichtsrat neben Topmanagern wie Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle oder Juwelierunternehmerin Kim-Eva Wempe . Und startet von dort die Palastrevolution.

Auch diesmal bleibt er sich treu: der öffentlichkeitsscheu Topmanager machte seinen Plan - und überraschte die Aktionäre mit seinem Angebot. Öffentlichkeitswirksame Provokationen vermeidet er anschließend: Es geht ihm um die Sache, nicht eine persönliche Abrechnung mit Margaritoff und dessen Kurs, auch wenn er diesen in letzter Zeit häufig intern kritisiert hatte.

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Der handfeste Meyer, meist fröhlich und von angenehmer Gesellschaft, wird von vielen Praktikern geschätzt. Jacques Heón, ehemaliges Aufsichtsratsmitglied bei Hawesko und Gründer und Namensgeber von "Jaques Weindepot", freute sich im Handelsblatt: "Ich bin Fan von Detlev Meyer… Meyer ist Unternehmer, Vorstandschef Alexander Margaritoff ist anders."

Ziel ist die internationale Expansion - die Ausschüttung soll schrumpfen

Detlev Meyer überlässt nichts dem Zufall, seit Jahren plante er eine Karriere mit edlen Weinen: "Als ich meine Textilfirmen verkauft habe, wusste ich genau, was ich machen wollte, nämlich mich im Geschäft mit Wein engagieren", sagte Meyer der Zeitung "Die Welt". Entsprechend gehören zu seinen Unternehmungen neben Hawesko ein eigenes Weingut - allerdings auch seit 2014 Anteile der Modemarke Closed und des dänischen Schuhherstellers Bianco.

Sein Plan für Hawesko: eine klare Nachfolgeregelung zu finden für Patriarchen Margaritoff. Dieser hatte Hawesesco von seinem Vater übernommen - mit 29 Jahren. Seither ging es mit Hawesko steil bergauf, nur eine zentrale Herausforderung hatte Margaritoff bislang nicht gemeistert: Einen geeigneten Nachfolger aufzubauen. Das war Großaktionär Meyer ein Dorn im Auge - ihm, dem Strategen, der seine Modefirmen mit Anfang 50 verkauft hatte, um die geordnete Nachfolge zu sichern.

Ein weiteres Ziel des neuen Besitzers: Die internationale Expansion. Dafür braucht er Geld - und möchte deshalb die Dividendenzahlungen reduzieren von derzeit bis zu 95 Prozent auf 40 bis 50 Prozent des Gewinns. Beliebt macht er sich damit bei den Aktionären nicht, Vorstand und Aufsichtsrat hat er schon seit seiner Offerte gegen sich.

Doch das ist Meyer egal. Harmonie schätzt der Vater dreier Kinder zuhause - im Büro ist sie optional. Oder wie er der Zeitung "Die Welt" sagte: "Vertrauensvolle berufliche Beziehungen setzte ich nicht gleich mit persönlicher Freundschaft".

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