Frachtboom treibt Ausschüttung Hapag-Lloyd verspricht Aktionären "sehr hohe Dividende"

Deutschlands größte Containerreederei hat im ersten Halbjahr dank der angespannten Situation in der Frachtschifffahrt prächtig verdient. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren.
Zu wenig Schiffe, explodierende Frachtkosten: Hapag-Lloyd hat zwölf neue Schiffe bestellt, die ersten sechs werden erst 2023 geliefert

Zu wenig Schiffe, explodierende Frachtkosten: Hapag-Lloyd hat zwölf neue Schiffe bestellt, die ersten sechs werden erst 2023 geliefert

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Die hohe Nachfrage nach Schiffscontainern und das zugleich noch begrenzte Angebot an Frachtschiffen und Containern sorgen dafür, dass die Frachtraten im Welthandel seit Wochen immer weiter steigen. Zunächst bleiben die Kapazitäten knapp und die Preise für Kunden, die ihre Waren verschiffen wollen, damit hoch. Der Containerriese Hapag-Lloyd rechnet deshalb auch in der zweiten Jahreshälfte mit weiterhin starken Erträgen. Die weltweit fünftgrößte Containerlinie hatte nach einem Ergebnissprung im ersten Halbjahr bereits Ende Juni ihre Prognose angehoben. Die Aktionäre sollen an dem Boom teilhaben: "Natürlich werden wir nächstes Jahr eine sehr hohe Dividende zahlen", kündigte Konzernchef Rolf Habben Jansen (54) an.

Die Verzögerungen im Containerverkehr und damit die Lieferengpässe in der Industrie dürften noch bis weit ins nächste Jahr reichen. Deutschlands größte Containerlinie Hapag-Lloyd macht dafür auch die Zurückhaltung der Reedereien bei der Beschaffung neuer Großcontainerschiffe verantwortlich. "Wir gehen derzeit davon aus, dass sich die Marktlage frühestens im ersten Quartal 2022 entspannen wird", sagte Habben Jansen am Donnerstag bei der Präsentation der Zwischenbilanz.

Die durch die Pandemie in einigen Ländern Asiens verursachten Staus in den Häfen sorgen derzeit dafür, dass Containerschiffe verspätet ans Ziel kommen. Die knappen Schiffskapazitäten lassen die Preise für Containertransporte auf wichtigen Routen explodieren. Der operative Gewinn von Hapag-Lloyd verzehnfachte sich im Halbjahr wie bereits bekannt gegenüber dem schwachen Vorjahr auf 2,7 Milliarden Euro.

"Wir freuen uns natürlich über dieses besondere finanzielle Ergebnis", sagte Habben Jansen. Allerdings verursachten die Engpässe in den Lieferketten weiterhin enorme Belastungen und Ineffizienzen für alle Marktteilnehmer. "Wir müssen alles tun, um sie so schnell wie möglich gemeinsam zu beheben." Das Ungleichgewicht zwischen dem Angebot an Schiffskapazitäten und der steigenden Nachfrage sorgt dafür, dass die Preise für Containertransporte emporschießen. Die durchschnittliche Frachtrate sei gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent auf gut 1600 Dollar je Standardcontainer gestiegen, teilte Hapag-Lloyd mit. Das bildet aber nur einen Teil ab, da viele Transportaufträge langfristig gebucht sind. Im Spotmarkt kostet der Transport eines 40-Fuß-Standardcontainers von China nach Europa mehr als 13.000 Dollar.

Sechs neue Schiffe werden erst 2023 geliefert

Das liegt daran, dass es kaum neue Schiffe gibt. Die Nachfrage nach Schiffskapazität aber boomt. "Man könnte deutlich mehr machen", sagte Habben Jansen. In der Branche sei schon länger bekannt: "Wenn irgendwann ein Schub kommt, könnte es knapp werden." Niemand habe aber damit gerechnet, dass sich die Konjunktur so schnell erhole und die Pandemie für zusätzliche Engpässe sorge. Die Kundschaft muss oft wochenlang warten, bis bestellte Ware in den Häfen ankommt.

Hapag-Lloyd hatte im Juni erneut sechs große Containerschiffe bestellt. Insgesamt erweitert sich die Flotte damit um zwölf Schiffe mit einer Kapazität von je 23.500 Standardcontainern. Die ersten sechs Großfrachter sollen 2023 geliefert werden, die restlichen ein Jahr später. Ende 2022 erwartet Hapag-Lloyd noch einige kleinere Schiffe. Bis sich das Angebot an Frachtraum deutlich erhöht, vergeht also noch einige Zeit.

mg/Reuters