Inflationsindikator Großhandelspreise steigen so stark wie nie zuvor

Es ist das größte Plus seit Beginn der Berechnungen vor 60 Jahren: Im Großhandel sind die Preise im März verglichen mit dem Vorjahresmonat um rund 23 Prozent gestiegen.
Weitreichende Erhöhungen: Auch der Preis für Getreide zur Mehlgewinnung legte im Großhandel durchschnittlich um 43 Prozent zu

Weitreichende Erhöhungen: Auch der Preis für Getreide zur Mehlgewinnung legte im Großhandel durchschnittlich um 43 Prozent zu

Foto: Swen Pförtner / dpa

Die deutschen Großhändler haben ihre Preise im März nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine in einem Rekordtempo angehoben. Sie stiegen um durchschnittlich 22,6 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Ein größeres Plus hat es seit Beginn der Berechnungen 1962 nicht gegeben. Im Februar stiegen die Preise um 16,6 Prozent.

Auch durch gestörte Lieferketten, etwa durch Corona-Ausbrüche in China, werden viele Waren teurer. Allein von Februar auf März zogen deshalb die Großhandelspreise um 6,9 Prozent an – auch das ist ein Rekordanstieg. Die Entwicklung gilt als Indikator für zukünftige Inflationstendenzen, da die höheren Kosten der Hersteller am Ende meist bei den Verbrauchern landen.

Der hohe Anstieg geht auf stark gestiegene Preise für viele Rohstoffe und Vorprodukte zurück. "Da die Erhebung zum Stichtag 5. März 2022 erfolgte, dürften in den Ergebnissen auch bereits erste Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine sichtbar sein", so die Statistiker.

Mineralölerzeugnisse kosteten im Großhandel 70,2 Prozent mehr als im März 2021. Feste Brennstoffe (plus 61,9 Prozent) sowie Erze, Metalle und Metallhalbzeug (plus 55,8 Prozent) verteuerten sich ebenfalls sehr stark. Erheblich höher waren auch die Preise im Großhandel mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln (plus 43 Prozent), mit Roh- und Schnittholz (plus 42,5 Prozent) sowie mit chemischen Erzeugnissen (plus 40,1 Prozent). Für Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette mussten 22,6 Prozent mehr bezahlt werden.

Der Großhandelsverband BGA befürchtet weiter steigende Preise, weil die Lager sich leeren könnten und der Nachschub nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in manchen Fällen nicht mehr funktioniere. Neben der starken Abhängigkeit im Energiebereich könnten davon Aluminiumproduzenten und der Lebensmittelhandel betroffen sein. Auch Zellstoffe könnten knapp werden, also etwa Toilettenpapier und Küchenrollen. Knappheiten führten zwar nicht automatisch zu leeren Regalen, so der BGA. Oft könnten Produkte aber nur zu höheren Preisen und mit längeren Lieferzeiten anderweitig als aus der Ukraine oder Russland bezogen werden.

hr/Reuters