Chef weg, Kurs am Boden Investor greift nach Handelskonzern Metro

"Die Metro" war einst ein Vorzeigekonzern der deutschen Wirtschaft. Nun steht ein Investor mit unklaren Absichten vor der Machtübernahme.
Die Kurse stehen gut: Daniel Křetínský

Die Kurse stehen gut: Daniel Křetínský

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Der Metro-Konzern hat die Offerte seines tschechischen Großaktionärs in einer ersten Reaktion als zu niedrig bezeichnet. "Der Metro-Vorstand ist fest davon überzeugt, dass das Angebot das Unternehmen erheblich unterbewertet", teilte Metro am Montag mit. Vorstand und Aufsichtsrat würden dieses unaufgeforderte Angebot in ihrer begründeten Stellungnahme umfassend kommentieren, sobald die vollständige Angebotsunterlage verfügbar sei. "Wir raten unseren Aktionären, bis dahin keine Maßnahmen zu ergreifen."

Die Holding EP Global Commerce (EPGC) der Investoren Daniel Křetínský (45) und Patrik Tkáč (47) hatte am Sonntag eine neue Offerte vorgelegt, die die Stammaktie voraussichtlich mit 8,48 Euro und die Vorzugsaktien mit 8,87 Euro bewertet. In einem früheren - gescheiterten - Vorstoß hatten sie noch 16 Euro geboten.

Auch die übrigen Großaktionäre reagierten negativ. "Wir sind überrascht von dem Angebot, das nur den Börsenkurs widerspiegelt, und werden nicht darauf eingehen", sagte ein Sprecher des Aktionärspools der Beisheim Holding und der Meridian Stiftung, die zusammen gut 23 Prozent an Metro halten, am Montag. Er kritisierte den Vorstoß der Kretinsky-Holding EPGC: "Man sollte die Aufbruchstimmung nach dem Verkauf in China und von Real nutzen und keine Unruhe schüren."

Die im MDax notierte Metro-Stammaktie  legte am Montagmorgen kurz nach Handelsbeginn knapp 9 Prozent zu und sprang auf 9,05 Euro, den höchsten Stand seit Juli. Zuletzt notierten die Papiere noch rund 7 Prozent im Plus, als stärkster Gewinner im MDax. Im laufenden Jahr haben die Titel im Zuge des Corona-Crashes und der Probleme im Unternehmen aber fast 40 Prozent an Wert verloren und damit so viel wie kaum ein anderer deutscher Standardwert.

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Die Beteiligungen des Metro-Investors: Daniel Kretinsky und seine Investments

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Neuer Chef gesucht

Křetínský teilte mit, er strebe "mehr Flexibilität" an. Sofern eine Aktionärin einen Anteil von mehr als 30 Prozent überschreitet, muss sie allen Mitaktionären ein Kaufangebot unterbreiten, da der Gesetzgeber ab dieser Schwelle von einem kontrollierenden Anteil ausgeht. Grund: Auf Hauptversammlungen ist die Präsenz oft so niedrig, dass eine Aktionärin mit 30 Prozent der Anteile schon die Mehrheit stellt. Nach Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle muss sie sich erst wieder in der Öffentlichkeit melden, wenn sie die 50-Prozent-Schwelle überschritten hat.

Was Křetínský mit den Resten des einst blühenden Metro-Konzerns vorhat, ist ungewiss. Der Konzern mit immer noch knapp 100.000 Beschäftigten, zu dem in Blütezeiten unter anderem auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn und der Kaufhauskonzern Galeria Kaufhof gehört hatten, meldete nach einer fortgesetzten Schrumpfkur zuletzt noch einen Jahresumsatz von 27 Milliarden Euro bei einem Gewinn von lediglich 405 Millionen Euro.

Erst Ende August hatte der langjährige Vorstandschef Olaf Koch (50) mitgeteilt, seinen Posten zum Jahresende aufzugeben, obwohl sein Vertrag erst im März 2022 ausgelaufen wäre. Koch hatte den Konzern zu einem reinen Großhändler zurückgeschnitten und versucht, das Online-Geschäft auszubauen. Als potenziell attraktiv gelten aber auch die zahlreichen Immobilien des Unternehmens. Křetínský hatte Kochs Amtsführung intern mehrfach kritisiert.

"Schleichender Übernahmeversuch"

In der Begründung für sein Übernahmeangebot heißt es nun, Křetínský und seine Partner seien "langfristig orientierte Investoren mit dem Ziel, die Stärkung der Marktposition und operativen Leistungsfähigkeit der Metro AG als einem führenden, unabhängigen Anbieter im Food- und Non-Food-Bereich mit einem attraktiven Angebot im Cash & Carry-, Service- und Onlinebereich zu unterstützen."

Im Sommer vergangenen Jahres hatte Křetínský seinen ersten Versuch zur Mehrheitsübernahme der Metro gestartet und damals noch 16 Euro je Stammaktie geboten. Einer der erbittertsten Gegner damals: Die Familien der Metro-Mitgründer Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim, die zusammen 23,06 Prozent der Anteile an der Metro kontrollieren. Die beiden bündelten ihre Beteiligungen und bauten sie zu einer faktischen Sperrminorität aus.

In Industriekreisen wird davon ausgegangen, dass Kretinsky mit seinem neuen Angebot zum Mindestpreis nun weitere Aktien einsammeln will, um über 30 Prozent zu kommen. So würde EPGC ein neues, teureres Angebot umgehen - das wieder an der faktischen Sperrminorität von Beisheim und Meridian scheitern könnte. Nach dem Angebot könnte EPCG dann in aller Ruhe weitere Aktien hinzukaufen und seinen Einfluss ausweiten.

Das Analysehaus Jefferies spricht denn auch mit Blick auf den Preis und die fehlende Mindestannahmeschwelle von einem "schleichenden Übernahmeversuch".

soc/ak/reuters/dpa-afx