1800 Jobs gefährdet Hamburger Schuhhändler Görtz meldet Insolvenz an

Nach dem Toilettenpapierhersteller Hakle hat jetzt auch Schuhhändler Görtz Insolvenz angemeldet. 160 Filialen in Deutschland und 1800 Mitarbeiter sind betroffen. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter. Görtz leidet nicht erst seit der Ukraine-Krise unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher.
Görtz in Hamburg: Der deutschlandweit bekannte Schuhhändler mit 160 Filialen leidet unter der starken Kaufzurückhaltung der Kunden, heißt es

Görtz in Hamburg: Der deutschlandweit bekannte Schuhhändler mit 160 Filialen leidet unter der starken Kaufzurückhaltung der Kunden, heißt es

Foto: IMAGO/Lobeca

Der Hamburger Schuhhändler Görtz ist nach der Corona-Krise in die Insolvenz gerutscht. Das Unternehmen mit mindestens 1800 Mitarbeitern und rund 160 Filialen in Deutschland meldete am Dienstag für die Muttergesellschaft Ludwig Görtz GmbH ein Schutzschirmverfahren sowie für die Filial- und die Logistik-Tochter jeweils Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an, teilte Görtz mit.

Das Unternehmen begründete die Insolvenz mit deutlichen Umsatzrückgängen durch die Verunsicherung der Kunden im Zuge der gestiegenen Energiekosten und Inflation. Das Amtsgericht Hamburg habe den bekannten Insolvenz-Experten Sven-Holger Undritz von der Anwaltskanzlei White & Case zum Sachwalter bestellt.

"Um die Kostenstrukturen an die veränderten Marktbedingungen anzupassen", habe man sich für die Sanierung über eine Insolvenz entschieden. Das 1875 gegründete Traditionsunternehmen Görtz hatte schon in der Corona-Pandemie massiv gelitten und 2021 vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes eine Kapitalspritze über 28 Millionen Euro erhalten. Im Corona-Jahr 2020 war der Umsatz um mehr als 20 Prozent auf 199 Millionen Euro eingebrochen, der Verlust summierte sich auf 36,3 Millionen Euro. Der Münchner Finanzinvestor Afinum, der bei Görtz 2014 mit 40 Prozent als Retter eingestiegen war, zog sich im Herbst 2020 zurück. Die Mehrheit der Anteile liegt bei der Gründerfamilie.

Die Geschäftsführung um Frank Revermann und Tobias Volgmann hofft, Görtz mit einem Sanierungsplan erhalten zu können. In der Insolvenz kann sich ein Unternehmen leichter etwa von Mietverträgen lösen. Der Geschäftsbetrieb in den Filialen, der Zentrale in Hamburg und den beiden Zentrallagern läuft der Mitteilung zufolge uneingeschränkt weiter. "Alle Stores haben geöffnet", hieß es.

Bis November schießt die Bundesagentur für Arbeit die Löhne für die Mitarbeiter über das Insolvenzgeld vor, ab Dezember muss Görtz sie wieder selbst zahlen.

rei/Reuters/dpa-afx
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