Donnerstag, 25. April 2019

Gläserne Kunden Wie der Handel uns durchleuchtet

Spähende Puppen, funkende Mülleimer: Wie der Handel uns durchleuchtet
Almax

4. Teil: Verräterische Gesichtszüge

Auch in Deutschland wird mit den neuen Techniken experimentiert, weiß Egbert Wege, Handelsexperte bei Roland Berger. So bietet der Einkaufcenterbetreiber ECE seit einigen Monaten Kunden zweier Einkaufszentren eine App an, bei der die Kunden im Tausch für persönliche Angaben zu Interessensgebieten und Alter auf spezielle Angebote und Gutscheine hoffen dürfen.

Und auch die Bewegungsanalyse mit Hilfe von WLAN-Signalen wird schon genutzt. Eines der Unternehmern, die in Deutschland auf diesem Gebiet unterwegs sind, ist 42reports. Das Start-up von Gründer Christian Wallin ist erst seit einigen Monaten am Markt aktiv und bietet Kunden Frequenzanalysen per Mac-ID an.

Bislang testen zehn Kunden die Technik von 42reports, die mit einem Startpreis von 100 Euro pro Sensor auch für kleinere Läden erschwinglich ist, erzählt Wallin. Und auch deutsche Wettbewerber haben sich bereits in Position gebracht.

Diskussion um Datenschutz

Fast mantrahaft betont Wallin, keine personenbezogene Daten zu speichern. Und dass die Mac-ID bereits auf dem Sensor pseudonomisiert werde. Denn was den Datenschutz angeht, sind Deutsche oft deutlich skeptischer als Briten oder Amerikaner.

Eine Erfahrung, die auch der Kaufhausbetreiber ECE machen musste. Nach Kritik von Datenschützern baute der Shoppingzentrumbetreiber 2011 eine ganze Reihe von Kameras in einem Hamburger Einkaufszentrum wieder ab. "Was Datenschutz angeht, sind wir gebrannte Kinder", sagt ECE-Sprecher Christian Stamerjohanns. Aber "wir versuchen natürlich, ein bisschen was herauszufinden."

Dass es nicht immer der Datenschutz ist, der die Kunden umtreibt, diese Erfahrung hat auch 42reports-Gründer Wallin gemacht. Ein Teil seiner Kunden sei sehr besorgt, was die Sicherheit ihrer Daten angehen, sagt Wallin. Den anderen könne der digitale Fortschritt dagegen gar nicht schnell genug gehen, erzählt er. "Die fragen dann gleich, ob man das Ganze nicht auch mit der Kundenkarte verknüpfen kann."

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