Samstag, 20. April 2019

Gläserne Kunden Wie der Handel uns durchleuchtet

Spähende Puppen, funkende Mülleimer: Wie der Handel uns durchleuchtet
Almax

3. Teil: Cookies für die Offline-Welt

Noch interessanter wird es für Einzelhändler, wenn sie die in der Offline-Welt erhaltenen Informationen auch noch mit freiwilligen Angaben der Kunden verknüpfen können - oder mit Informationen aus der Online-Welt. "Der Hauptgewinn ist, wenn sie meine Details haben, also wissen, was ich beim letzten Mal gekauft habe", sagt Lorna Hall vom britischen Mode-Marktforscher WGSN.

Wie dies funktionieren kann, und wie auch traditionelle Händler- ähnlich wie Amazon Börsen-Chart zeigen - schon beim Betreten des Ladens die gesamte Einkaufshistorie des Kunden wie in einem aufgeschlagenen Buch lesen können, macht das New Yorker Unternehmen Nomi vor. Wie viele Konkurrenten arbeitet auch Nomi (ausgesprochen wie Know me) mit der Analyse der Wifi-Signale, mit deren Hilfe Bewegungsprofile der Kunden erstellt werden können.

Stellt der Kunden dann auch noch freiwillig seine Email-Adresse zur Verfügung, lässt sich das Ganze mit dem Einkaufsverhalten im Netz - vom PC, Tablet und Smartphone aus - kombinieren, was dem Händler die Möglichkeit gibt, dem Kunden noch während des Shoppens gezielt Angebote aufs Smartphone zu schicken und auch die Wirksamkeit bestimmter Werbeformen auszutesten.

Service und Vergünstigungen im Tausch gegen persönliche Daten

"Händler kennen ihre Kunden nicht", erklärt Nomi-Mitgründer Wesley Barrow den Erfolg des Unternehmens. Er ist überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Kunden freiwillig Daten zur Verfügung stellen werden. Schließlich bekämen sie dafür auch in den Genuss eines besonderen Service und von Vergünstigungen - "wenn der Händler weiß, wer sie sind".

Die britische Firma realeyes betreibt bereits Technologien, mit deren Hilfe sich anhand der Mimik messen lässt, welche Gefühle Werbung bei Menschen auslöst. Eine Technik, die sich leicht vom Computer auch in den stationären Einzelhandel übertragen ließe.

Dass zuviel Einblick in das Leben und die Einkaufhistorie nicht unbedingt bei allen Kunden so gut ankommt, musste laut einem Bericht der "New York Times" allerdings der US-Händler Target erfahren. Auf Basis der auf Kundenkarten gespeicherten Einkaufshistorie hatte er Merkmale ermittelt, die darauf hindeuteten, dass eine Kundin schwanger war - und entsprechende Gutscheinhefte versandt. Das ging vielen zu weit - auch weil der Händler zum Teil eher von der Schwangerschaft wusste als das Umfeld der Betroffenen.

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