Freitag, 26. April 2019

Gläserne Kunden Wie der Handel uns durchleuchtet

Spähende Puppen, funkende Mülleimer: Wie der Handel uns durchleuchtet
Almax

2. Teil: Verhaltensanalyse der Kunden

Die Vorteile der Technik, wie sie zum Beispiel Renew oder der spanische Schaufensterpuppenhersteller Almax anbieten, für den Händler liegen auf der Hand. Er erfährt, wer seine Kunden sind, wie oft sie kommen, wofür sie sich interessieren, welche Angebote seine Aufmerksamkeit erwecken - und dass alles, bevor der Kunde überhaupt den Laden betreten hat.

So führte ein Abnehmer der "EyeSee-Puppen" dem Hersteller zufolge ein erweitertes Angebot für Kinder ein, nachdem er erkannt hatte, das diese einen Großteil seiner Kunden ausmachten. Ein anderer reagierte mit dem Einsatz chinesischsprachigen Personals auf die Erkenntnis, dass zu einer bestimmten Zeit besonders viele asiatische Kunden Interesse zeigen.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg gab oder gibt es sogar Überlegungen, die Puppen künftig auch Kommentare über die präsentierten Kleidungsstücke verarbeiten zu lassen. Und die Manequins gar mit Bildschirmen zu versehen, damit Händler den Kunden zielgruppenspezifische Angebote unterbreiten können.

Verhaltensanalyse der Kunden

"Jegliche Software, die dabei hilft, anonymisiert Profile von Leuten zu bilden ist fantastisch", bestätigt Unternehmensberaterin Uché Okonkwo, die mit ihrem Unternehmen Luxe Corp Firmen wie LVMH Börsen-Chart zeigen , Gucci oder Coty berät. Schließlich diene dies dazu, die Einkaufserfahrung oder das Sortiment zu verbessern und die Kunden besser zu verstehen. Und auch Handelsexperte Egbert Wege von der Strategieberatung Roland Berger sieht darin die Zukunft - "allerdings nur wenn die Kunden die Möglichkeit haben, sich auch dagegen zu entscheiden".

Und die technischen Möglichkeiten gehen sogar noch weiter. Geschäftsmodelle gibt es viele - vor allem jenseits des Atlantik. Eines, mit dem das US-Kaufhaus Nordstrom Erfahrungen gemacht hat ist der Anbieter Euclid Analytics. Ähnlich wie Renew oder die Wettbewerber Retailnext wertet er Wifi-Signale von Kunden-Smartphones aus, um deren Weg und Verhalten im Laden zu verfolgen. Als das Kaufhaus seine Kunden auf Schildern darauf hinwies und Medien darüber berichteten, erhob sich ein Sturm der Entrüstung - und Nordstrom stoppte das Experiment.

Einen Schritt weiter bei der Verhaltensanalyse von Kunden geht das Start-up Monolith. Mit einer auf Microsofts Kinect basierenden Technologie, kann das Unternehmen messen, welche Wege Kunden durch den Laden nehmen, wie sie mit Produkten interagieren - und sogar, worauf sie wie intensiv schauen. Außerdem lässt die Technik Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter, Ethnie und sogar auf den Kleidungsstil der Kunden zu.

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