Freitag, 23. August 2019

Modekonzern in der Krise Gerry Weber bestellt Sanierungsgutachten, Aktie bricht ein

Hängen zu lange rum: Herrenhemden des Modeherstellers Gerry Weber.

Der Modekonzern Gerry Weber gerät immer tiefer in die Krise. Das Unternehmen habe zur Unterstützung eines umfassenden Umbaus ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, teilte Gerry Weber am späten Freitagabend in einer Pflichtmitteilung an die Anteilseigner mit. Die Aktien von Gerry Weber Börsen-Chart zeigen brachen darauf am Montag im frühen Handel um mehr als 20 Prozent ein und fielen auf 3,50 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als die Hälfte an Wert verloren.

Das Gutachten gemäß dem sogenannten S6-Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer soll bis Mitte Oktober vorliegen. Eine solche Analyse liefert der Geschäftsführung in finanziellen Stress-Situationen den Überblick über die wichtigsten Gefahrenherde. Auch die angeschlagene Warenhauskette Kaufhof hatte ein solches Gutachten anfertigen lassen, sich aber schließlich in den Zusammenschluss mit Karstadt gerettet. Für den Fall einer Insolvenz dient ein solches Gutachten dem Insolvenzverwalter, rasch die richtigen Schritte einzuleiten, um das betroffene Unternehmen wieder aufzurichten.

Bereits vor gut einer Woche hatten die Zahlen zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres für einen Kursrutsch gesorgt. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit fast 14 Jahren. Der Umsatz ging stark zurück, die Verluste verdoppelten sich. Als Grund führte der Konzern neben dem Umbau den schlecht laufenden Verkauf wegen des heißen und langen Sommers an, der die gesamte Branche trifft.

Gerry Weber: Warum der Modekonzern in großer Not ist

Die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 bis Oktober von 830 bis 840 Millionen Euro nannte das Unternehmen "äußerst ambitioniert". Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sieht Gerry Weber bei minus 10 Millionen Euro bis zu einem Breakeven. Sonderbelastungen von rund 15 Millionen Euro seien darin bereits enthalten.

Analysten sehen vor allem Probleme bei der Markenpositionierung und Onlinepräsenz. Gerry Weber hat sich hauptsächlich auf ältere weibliche Kunden spezialisiert und zu viele Filialen eröffnet. Außerdem muss der Modekonzern beim Geschäft im Internet noch aufholen. Im März mussten die Titel den SDax der kleineren deutschen Börsenwerte bereits verlassen.

dpa, soc

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