Mehr Umsatz, weniger Verlust Gamestop will mit zwei Ex-Amazon-Managern den Strategiewechsel schaffen

Ein neues Führungsduo soll den strategischen Schwenk beim US-Videospielehändler Gamestop forcieren. Ob sich mit dem neuen Geschäftsmodell auch die enormen Kurskapriolen der Aktie beenden lassen, ist zumindest fraglich.
"Grand Theft Auto IV": Videospiele in Boxen verpackt und zum Ausleihen - Gamestop will sein Geschäftsmodell ändern und ein Technologie-Anbieter für Online-Gamer werden

"Grand Theft Auto IV": Videospiele in Boxen verpackt und zum Ausleihen - Gamestop will sein Geschäftsmodell ändern und ein Technologie-Anbieter für Online-Gamer werden

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

Der durch die extreme Kursrallye seiner Aktien in die Schlagzeilen geratene US-Videospielhändler Gamestop will mit einem neuen Führungsduo den Strategiewandel Richtung E-Commerce forcieren. Mit Matt Furlong und Mike Recupero verpflichtete die Firma zwei frühere Amazon-Manager als Vorstands- beziehungsweise Finanzchef, teilte sie am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit . Beide Posten waren nach Rücktritten in den letzten Monaten vakant. Gamestop will sich vom angestaubten und schwächelnden Geschäftsmodell einer klassischen Einzelhandelskette für Computerspielbedarf verabschieden und zu einem modernen Technologie-Anbieter für Online-Gamer werden. Diesem Kalkül folgt die Auswahl des Spitzenpersonals. Vor drei Monaten ging mit Jenna Owens bereits eine Tech-Veteranin als für das Tagesgeschäft zuständige Vorständin an Bord, die zuvor für die Internetriesen Google und Amazon tätig war.

Verlust verringert, Umsatz um ein Viertel gesteigert

Geschäftlich lief es bei Gamestop zuletzt wieder etwas besser. Der Videospielhändler verringerte im abgelaufenen Quartal seinen Verlust und übertraf beim Umsatz die Erwartungen. Der Betriebsverlust reduzierte sich den Angaben zufolge auf 40,8 Millionen Dollar von 108 Millionen Dollar im Vorjahr. Der Umsatz stieg um etwa ein Viertel auf knapp 1,3 Milliarden Dollar. Beide Kennziffern waren damit besser als von Experten erwartet, wie aus Refinitiv-Daten hervorging. Auf einen Ausblick verzichtete Gamestop.

Gamestop

Die Aktie, die seit Jahresbeginn mehr als 2000 Prozent zugelegt hat, verlor im nachbörslichen Handel gut 8 Prozent. Allerdings spiegelt der Kurs schon lange nicht mehr die Geschäftsentwicklung wider. Zwei Analysten kündigten zuletzt an, die Titel nicht mehr zu bewerten.

Gamestop gehört zu den sogenannten "Meme-Aktien", zu deren Kauf sich Kleinanleger in einschlägigen Internetforen etwa auf Reddit gegenseitig aufrufen. Dies hat in der Vergangenheit Hedgefonds in Mitleidenschaft gezogen, die über Leerverkäufe auf einen Kursverfall spekuliert hatten. Der Analysefirma S3 Partners zufolge haben Anleger mit Leerverkäufen auf Gamestop seit Anfang des Jahres etwa sieben Milliarden Dollar Verluste gemacht. Im Januar hatte die Aktie ein Rekordhoch von über 483 Dollar erreicht. Am Mittwoch schloss sie bei gut 302 Dollar.

rei/dpa-afx, Reuters
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