Warenhauskette Galeria beantragt erneut Rettung durch Schutzschirmverfahren

Der letzte große deutsche Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof will im zweiten Insolvenzverfahren innerhalb von gut zwei Jahren etwa ein Drittel der 131 Filialen aufgeben. Bereits am Freitag hatte das manager magazin über diese Pläne berichtet.
Erneute Hilfe benötigt: Die Warenhauskette Galeria, die 2019 aus den Unternehmen Karstadt und Galeria Kaufhof hervorging

Erneute Hilfe benötigt: Die Warenhauskette Galeria, die 2019 aus den Unternehmen Karstadt und Galeria Kaufhof hervorging

Foto: Oliver Berg / dpa

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will sich erneut über ein Insolvenzverfahren sanieren. Ein Sprecher des ebenfalls wieder als Sanierer an Bord geholten Restrukturierungsexperten Arndt Geiwitz (53) sagte am Montag der Nachrichtenagentur Reuters, Galeria habe beim Amtsgericht Essen ein Schutzschirmverfahren beantragt.

Das manager magazin hatte bereits am Freitag über diese Pläne berichtet.  Intern war schon in der vergangenen Woche sehr konkret auch über Filialschließungen diskutiert worden. In einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bestätigte Unternehmenschef Miguel Müllenbach (46) nun, dass ein Drittel oder bis zu 45 der verbliebenen 131 Kaufhäuser schließen zu müssen. Nach Informationen des manager magazins war intern sogar über noch höhere Zahlen diskutiert worden.

Die Gewerkschaft Verdi kündigte bereits an, um die Arbeitsplätze bei Deutschlands letzter großer Warenhauskette kämpfen zu wollen. "Für uns geht es jetzt darum, möglichst jeden Arbeitsplatz zu erhalten", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montagabend.

Es ist das zweite Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren, dass der aus dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof entstandene Warenhauskonzern den Weg zum Insolvenzgericht antreten muss. Denn bereits während des ersten Corona-Lockdowns im April 2020 hatte das Unternehmen Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Das Insolvenzverfahren dauerte damals bis Ende September. Damit verbunden waren harte Einschnitte: Die Schließung von bis zu 45 Filialen, der Abbau von rund 4000 Stellen und die Streichung von mehr als zwei Milliarden Euro Schulden sollten dem Unternehmen einen Neustart ermöglichen.

Doch die Hoffnung, dass der Konzern danach von vielen Altlasten befreit erfolgreich durchstarten könnte, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil: Anfang 2021 und Anfang 2022 musste der geschrumpfte Handelsriese angesichts der Pandemie um staatliche Unterstützung bitten. Insgesamt griff der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Traditionsunternehmen in zwei Hilfsaktionen mit 680 Millionen Euro unter die Arme.

Kritiker halten das Geschäftsmodell für überholt

Schon in den vergangenen Tagen zeichnete sich ab, das auch dass nicht ausgereicht hat, dem Konzern die nötige Stabilität zu geben, um die durch den Ukrainekrieg und die Inflation ausgelöste Konsumflaute zu überstehen. In einem Mitarbeiterbrief warnte Müllenbach vor wenigen Wochen, Galeria befinde sich aufgrund der explodierenden Energiepreise und der Konsumflaute "in bedrohlicher Lage". Der Konzern brauche frisches Geld, um weitermachen zu können.

In der Pflicht?: Galeria-Eigner und Immobilienunternehmer René Benko

In der Pflicht?: Galeria-Eigner und Immobilienunternehmer René Benko

Foto: Signa Holding GmbH/ dpa

Galeria verbuchte im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende September) bei einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro einen Verlust von 622 Millionen Euro. Nach dpa-Informationen benötigte der Konzern nun mehr als 200 Millionen Euro.

Weitere Staatshilfen sind jedoch umstritten. Kritiker halten das Geschäftsmodell für überholt, bemängeln eine mit den Hilfen verbundene Wettbewerbsverzerrung oder sehen den Galeria-Eigentümer, den österreichischen Immobilienunternehmer René Benko (45) mit seinem Signa-Imperium, in der Pflicht. Befürworter von Staatshilfen verwiesen dagegen auf die große Bedeutung der Warenhäuser für die Attraktivität vieler Innenstädte.

hr mit Nachrichtenagenturen
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