Kriselnder Kaufhausriese Galeria bestätigt Riesenverlust für 2021

Der Warenhauskonzern verbucht wie erwartet für vergangenes Jahr eine desaströse Bilanz. Vorstandschef Miguel Müllenbach rechnet auch für das kommende Jahr mit hohen Verlusten.
Läuft nicht: Miguel Müllenbach legt miese Zahlen vor, der Umsatz aus dem Einzelhandel lag deutlich unter Erwartungen

Läuft nicht: Miguel Müllenbach legt miese Zahlen vor, der Umsatz aus dem Einzelhandel lag deutlich unter Erwartungen

Foto: Oliver Berg / dpa / picture alliance

Desaströs ist die Lage beim letzten großen deutschen Warenhauskonzern: Galeria hat wie erwartet im vergangenen Geschäftsjahr einen hohen Verlust geschrieben. Wie das manager magazin bereits im Mai aus intern herumgereichten Zahlen erfahren hatte , summierte sich der Jahresfehlbetrag im von der Corona-Krise geprägten Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende September) auf 622 Millionen Euro, wie aus dem am Montag im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Galeria erwirtschaftete insgesamt einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro.

Auch für das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr 2021/22 rechnete die Geschäftsführung dem Geschäftsbericht zufolge mit einem "Jahresfehlbetrag im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich". Aktuell sucht der bereits vom Bund gestützte Warenhausriese Insidern zufolge erneut um Staatshilfe nach.

Umsatz aus Einzelhandel deutlich unter Erwartungen

Der Umsatz aus dem reinen Einzelhandelsgeschäft habe dabei mit 1,85 (vergleichbares Vorjahr 2,98) Milliarden Euro "deutlich unter den Erwartungen" gelegen – auch die Ziele beim operativen Ertrag seien verfehlt worden. Die roten Zahlen wirkten sich auch auf die Vermögenslage aus: "Aufgrund des Jahresfehlbetrages wegen der weiteren behördlich angeordneten Lockdown-Phase von Mitte Dezember 2020 bis März 2021 ist das Eigenkapital vollständig durch Verluste aufgebraucht worden", heißt es in dem im Februar erstellten Geschäftsbericht weiter.

Galeria Karstadt Kaufhof gehört der Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors René Benko (45). Diese verfügt unter anderem über ein milliardenschweres Immobilien-Portfolio. Der Warenhausriese war 2019 aus der von Benko betriebenen Fusion von Karstadt und Kaufhof hervorgegangen.

Harter Sparkurs und Notbetrieb

Aktuell bekommt der Konzern die angesichts der hohen Inflation und steigender Energiepreise schlechte Konsumstimmung der Verbraucher zu spüren. Zudem kämpft Galeria mit der Konkurrenz durch Online-Händler von Amazon bis Zalando, die dem stationären Handel Marktanteile abjagen. Nach Informationen von manager magazin hat das Unternehmen die Filialleiter der Galeria-Kaufhauskette (ehemals Karstadt Kaufhof) in einem Brandbrief auf einen eisernen Sparkurs eingeschworen – samt Einstellungsstopp für Aushilfen, eingefrorenen Löhnen und Kündigung des mit der Gewerkschaft Verdi geschlossenen Sanierungstarifvertrags. Verdi hatte das Vorgehen scharf kritisiert.

Galeria-Chef Miguel Müllenbach (46) zeichnete Anfang Oktober in einem Schreiben an die Mitarbeiter ein dramatisches Bild. "Wir werden unseren Weg nur erfolgreich fortsetzen können, wenn es uns gelingt, die Finanzierung von Galeria neu zu strukturieren und dem Unternehmen neues, frisches Kapital zuzuführen", heißt es in dem Reuters vorliegenden Schreiben. Ausgelöst durch die Invasion Russlands in der Ukraine im Februar sei das Konsumklima in Deutschland auf ein historisches Rekordtief eingebrochen.

dri/Reuters
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