Angeschlagener Handelskonzern Galeria Karstadt Kaufhof erhält erneut millionenschweren Staatskredit

Noch einmal greift der Staat tief in die Tasche, um Deutschlands letzte große Warenhauskette zu stützen. Auch der österreichische Investor und Eigentümer René Benko gewährt erneut eine Finanzspritze.
2020 noch geschlossen, 2021 nur 2G: Der Handel leidet erheblich unter den Pandemie-Beschränkungen

2020 noch geschlossen, 2021 nur 2G: Der Handel leidet erheblich unter den Pandemie-Beschränkungen

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Fabian Strauch/ DPA

Neues Hilfspaket für Galeria Karstadt Kaufhof: Deutschlands letzte große Warenhauskette erhält zur Bewältigung der Corona-Krise weitere Staatshilfen in dreistelliger Millionenhöhe. Galeria Karstadt Kaufhof habe ein verbindliches Angebot über eine stille Einlage des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 250 Millionen Euro vorliegen, heißt es in einem Brief an die Mitarbeiter des Unternehmens, der manager magazin vorliegt. Rund 220 Millionen Euro werden dem Handelsriesen als liquide Mittel zur Verfügung gestellt, die restlichen 30 Millionen Euro werden zur Tilgung des ersten WSF-Darlehens genutzt.

Auch der Eigentümer, die Unternehmensgruppe Signa des österreichischen Investors René Benko (44), greift dem Unternehmen erneut unter die Arme. "Signa unterstreicht sein langfristig angelegtes Engagement für Galeria und die deutschen Innenstädte mit einem erneuten Eigentümerbeitrag von 15 Prozent", heißt es in dem Brief weiter.

"Gerade für die Innenstädte sind zwei Jahre Pandemie eine besondere Belastung. Vor allem der stationäre Handel hat besonders mit den Einschränkungen zu kämpfen", sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne; 52) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Daher haben wir entschieden, dass der Wirtschaftsstabilisierungsfonds Galeria Karstadt Kaufhof erneut unter die Arme greift."

Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßte die geplante Finanzspritze für die Warenhauskette. "Die Warenhäuser von Galeria sind definitiv für viele Innenstädte systemrelevante Betriebe, die viele Kunden auch in den benachbarten Einzelhandel ziehen", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Bereits der zweite Staatskredit

Es ist bereits das zweite Mal, dass der durch die Fusion der Traditionsunternehmen Karstadt und Kaufhof entstandene Handelsriese in der Pandemie auf staatliche Hilfen zurückgreifen muss. Schon Anfang 2021 hatte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Warenhauskonzern mit einem Darlehen in Höhe von 460 Millionen Euro unter die Arme gegriffen.

Nach dieser Geldspritze hatte der Konzern eigentlich gehofft, das Schlimmste überstanden zu haben. Noch im Oktober stellte Konzernchef Miguel Müllenbach (46) ein neues Zukunftskonzept vor, mit dem er die 131 Warenhäuser wieder generalüberholen wollte. Insgesamt wollte der Konzern 600 Millionen Euro für die Modernisierung ausgeben.

Doch die steigenden Corona-Infektionszahlen und die Einführung der 2G-Regel im Modehandel, die nur noch Geimpften und Genesenen den Zutritt erlaubt, machten Galeria einen Strich durch die Rechnung. Für den Konzern sei dies einem "Quasi-Lockdown mitten im Weihnachtsgeschäft" gleichgekommen, klagte Galeria-Finanzvorstand Guido Mager. Er erwartete damals einen Umsatzrückgang von 40 Prozent im Dezember. Galeria hatte deshalb um ein ergänzendes Darlehen gebeten. Der Manager warnte damals: "Wenn die Warenhäuser schließen, schlägt das voll auf die Innenstädte durch – besonders auf mittlere und kleine."

"Nutzlose 2G-Regelung"

HDE-Hauptgeschäftsführer Genth betonte, Galeria stehe mit seinen Problemen in der Pandemie nicht allein da. "Viele Handelsunternehmen sehen sich aufgrund der mit 2G zurückgehenden Kundenfrequenzen und Umsätze in großer wirtschaftlicher Not." Die Überbrückungshilfen der Bundesregierung hätten nach wie vor grobe Konstruktionsfehler, sodass sie oft nicht weiterhalfen. Genth plädierte deshalb dafür die "nutzlose 2G-Regelung beim Einkaufen" wieder abzuschaffen. "Kein Handelsunternehmen ist gerne auf staatliche Hilfen angewiesen, die Händler wollen endlich wieder selbst wirtschaftlich arbeiten dürfen."

Die Bundesregierung hatte den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), der jetzt Galeria unter die Arme greift, im März 2020 gegründet, um in der Corona-Krise große Unternehmen mit Garantien und Kapitalhilfen zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten. Davon profitieren neben Galeria unter anderem auch die Lufthansa und der Reisekonzern Tui.

mg/dpa-afx