Sonntag, 31. Mai 2020

Corona-Krise Galeria Karstadt Kaufhof will Mietzahlung komplett einstellen

Galeria Karstadt Kaufhof: Das Unternehmen fordert einen vollständigen Erlass der Miete
Christoph Zeiher/dpa
Galeria Karstadt Kaufhof: Das Unternehmen fordert einen vollständigen Erlass der Miete

Der Kaufhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof stoppt offenbar ab sofort fällige Mietzahlungen. Es bleibe "keine andere Wahl", schrieb das Unternehmen nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL an diesem Montag an die Immobilienbesitzer, in denen die Läden des Konzerns einquartiert sind. Von April bis zunächst Juni werde die Miete nicht mehr gezahlt, kündigte Finanzchef Miguel Müllenbach in den Schreiben, das dem Magazin vorliegt, an. Man behalte sich sogar vor, die schon gezahlte März-Miete und vorausgezahlte Nebenkosten mindestens zur Hälfte zurückzufordern.

Anders als in einem Gesetz zum Schutz von Mietern von Wohnungen und Gewerbeimmobilien vorgesehen, will Galeria Karstadt Kaufhof die säumige Miete auch nicht bis Ende Juni 2022 nachzahlen. Der Betrieb sei auf den vermieteten Flächen derzeit nicht möglich, so der Konzern und schiebt indirekt den Vermietern Schuld zu. "Da Sie uns Flächen....vermietet haben, ein solcher Betrieb jedoch derzeit nicht möglich ist, gewähren Sie uns den Gebrauch der Mietsache nicht". Es entfalle daher der Anspruch auf Gegenleistung.

Am Ende des Schreibens spricht der Konzern eine kaum verhohlene Drohung aus: Man bitte um Verständnis, es sei "gemeinsame Verantwortung" ein "Zukunftskonzept zu finden". Dieses Verständnis sei die Basis, um später "unser gemeinsames Mietverhältnis zu stabilisieren."

Konzern will sich mit Kurzarbeit und Staatshilfe retten

Ähnliche Einschnitte treffen nun auch die Mitarbeiter des Unternehmens. Schon am 18. März, als die Läden aufgrund der Corona-Krise geschlossen werden mussten, schickten Karstadt und Kaufhof die Angestellten in den Filialen in Kurzarbeit. Am heutigen Mittwoch erhalten auch die rund 1300 Mitarbeiter der Zentrale per Brief die Botschaft, dass der Konzern für sie Kurzarbeit anmeldet. In dieser "sehr ernst zu nehmenden Krise" müsse man alles tun, um "die Liquidität unserer Galeria sicherzustellen und so den Erhalt des Unternehmens zu sichern."

Um über die Runden zu kommen, hat der Konzern nach Informationen des manager magazins auch schon Staatshilfe beantragt. Galeria Karstadt Kaufhof soll, um Corona zu überleben, einen hohen dreistelligen Millionenbetrag aufnehmen. Die genaue Summe stünde noch nicht fest. Wer dafür garantieren soll, hingegen schon: 90 Prozent des Risikos soll die Bundesrepublik übernehmen, 10 Prozent die Geschäftsbanken tragen, sagt ein führend an der Rettung beteiligter Manager - es ist das KfW-Modell. Um das Warenhausunternehmen mit seinen 28.000 Mitarbeitern und rund 170 Standorten zu retten, soll auch der Haupteigentümer René Benko, ein österreichischer Selfmade-Milliardär, zugesagt haben, dass seine Signa-Gruppe einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag in Galeria Karstadt Kaufhof steckt.

Das Geschäft in den Warenhäusern ruht zum großen Teil, aber nicht komplett. Rund 50 Lebensmittelabteilungen des Unternehmens sind noch offen. Auch extern vermietete Lebensmittel- und Drogerieflächen, die separat gut zugänglich sind, sind weiterhin geöffnet. Außerdem arbeiten die Abteilungen, die aus den Filialen heraus Waren für den Online-Shop verschicken.

Adidas, Deichmann und H&M ernten Shitstorm

Neben Galeria Karstadt Kaufhof haben nach Informationen des manager magazins auch schon viele andere Händler angekündigt, keine Miete mehr zu zahlen. Die schwedische Modekette H&M hat ihre Vermieter darüber informiert, alle Mietzahlungen für ihre 460 aktuell geschlossenen Standorte in Deutschland auszusetzen. Deutschlands größte Elektronikkette, Saturn und Media Markt, wird ab April keine Miete mehr überweisen, genauso die Schuhhandelskette Deichmann und die Juwelierkette Christ.

Bei Adidas Börsen-Chart zeigen hat Konzernchef Kasper Rorsted ebenfalls beschlossen, die fälligen Beträge für die meisten der weltweit 2500 eigenen Läden ab April nicht mehr zu überweisen. Dafür erntete der Konzern ebenso wie Deichmann und H&M einen riesigen Shitstorm. Rorsted hatte sich am Wochenende in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" um Schadensbegrenzung bemüht. Es gehe dem Unternehmen nicht darum, die Miete für den April nicht zu bezahlen, sondern lediglich um eine Stundung, sagte er.


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Ebenso verteidigte sich der Eigentümer der größten deutschen Schuhhandelskette, Heinrich Deichmann: "Wir haben nie gesagt, dass wir keine Mieten mehr zahlen. Wir haben unsere Vermieter gebeten, unsere Mieten zu stunden", betonte der 57-Jährige.

Auch H&M betonte am Montag, es gehe erst einmal nur um eine Aussetzung der Zahlungen, nicht darum, keine Miete zu zahlen. Der Geschäftsführer von H&M Deutschland, Thorsten Mindermann, betonte: "Unser oberstes Ziel ist es, mit all unseren Partnern, sowohl private als auch institutionelle Vermieter, jetzt schnell individuelle Lösungen für die Mieten zu finden."

mg mit Nachrichtenagenturen

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