Angeschlagene Kette sucht neuen Chef Galeria Karstadt Kaufhof und Fanderl einigen sich auf Trennung

Stephan Fanderl: "Chance auf eine Neuorientierung"

Stephan Fanderl: "Chance auf eine Neuorientierung"

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof muss sich auf dem Höhepunkt ihrer Krise einen neuen Chef suchen: Vorstandschef Stephan Fanderl scheide aus dem Amt, teilten Galeria-Eigner Signa und der Warenhauskonzern am Mittwoch mit. Die Trennung erfolge einvernehmlich.

Fanderls Rückzug kommt nicht überraschend. Der Manager war in der Galeria-Zentrale schon seit einiger Zeit nicht mehr an Bord. "Krankheitsbedingt war ich seit Mitte März nicht mehr in die Führung der Geschäfte eingebunden", hatte Fanderl dazu erklärt. Er habe sich Ende 2019 einen massiven Bandscheibenschaden zugezogen. Bereits am Montag verkündete Fanderl dann, dass er Signa die Trennung vorgeschlagen habe.

"Die Corona-Pandemie hat das wirtschaftliche Umfeld für den Handel massiv belastet", erklärte der Manager. Dies biete auch die "Chance auf eine Neuorientierung". Vor diesem Hintergrund habe er sich mit Signa auf eine Auflösung seines Vertrags verständigt. "Die Neubesetzung der Geschäftsführung wird vom Aufsichtsrat zeitnah beraten und bestimmt", teilte der Konzern mit.

Galeria Karstadt Kaufhof brechen in der Corona-Krise die Umsätze weg. Der Warenhaus-Riese hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren.

Finanzvorstand Müllenbach übernimmt vorerst

Das Unternehmen soll nun zunächst von Finanzvorstand Miguel Müllenbach, dem Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz und dem vom Gericht bestellten Sachwalter Frank Kebekus geführt werden. Die Manager hatten schon seit Beginn des Schutzschirmverfahrens Anfang April de facto das Sagen bei dem Handelsriesen.

Signa hatte die Warenhaus-Gruppe und zahlreiche ihrer Immobilien 2019 vollständig übernommen. Der ehemalige Karstadt-Chef Fanderl - er hatte 2014 das Ruder bei den Essenern übernommen - führte den fusionierten Warenhaus-Riesen seit November 2018. Er hatte Karstadt und dann auch Kaufhof einen strikten Sparkurs verordnet.

Fanderl war auch von der Arbeitnehmerseite kritisiert worden. Deren Vertreter hatten ihm vorgeworfen, kein schlüssiges Konzept für die Zukunft vorgelegt zu haben. Die Gewerkschaft Verdi fordert einen solchen Plan vom Management und vom Eigner Benko.

mg/rtr
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