Warenhauskonzern Insolvenzverfahren über Karstadt Kaufhof eröffnet

Für Karstadt Kaufhof geht es jetzt ans Eingemachte: Das Amtsgericht Essen hat das Insolvenzverfahren über das Warenhaus-Unternehmen eröffnet.
Kein Weiterkommen: Galeria Karstadt Kaufhof rutschte in die Pleite.

Kein Weiterkommen: Galeria Karstadt Kaufhof rutschte in die Pleite.

Foto: Ralph Peters/ imago images

Das Amtsgericht Essen hat das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH und acht Tochterunternehmen eröffnet. Betroffen seien unter anderem auch Karstadt Sports und Karstadt Feinkost sowie die Gastronomie-Betriebe Le Buffet und Dinea, teilte das Gericht am Mittwoch weiter mit. Zum Sachwalter wurde Rechtsanwalt Frank Kebekus bestellt, der bereits an Plänen zur Sanierung der kriselnden Kette beteiligt war.

Diese sehen das Aus für 62 der 172 Warenhäuser der Kette vor, auch bis zu 20 Läden bei Karstadt Sports sollen geschlossen werden. Allein im Falle der Warenhäuser sollen der Gewerkschaft Verdi zufolge rund 6000 Beschäftigte ihre Arbeit verlieren. Das Gericht will die Pläne nun prüfen.

Der Konzern kämpft in der Corona-Krise ums Überleben, die Umsätze brechen weg. Zudem leidet das Unternehmen seit Jahren unter der erbitterten Konkurrenz von Online-Händlern von Amazon  bis Zalando . Der Konzern gehört ebenso wie zahlreiche seiner Warenhaus-Immobilien der Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors Benko.

Galeria Karstadt Kaufhof war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können nun die Gläubiger ihre Forderungen gegenüber Galeria Karstadt Kaufhof beim Sachwalter anmelden. Eine erste Gläubigerversammlung könnte Anfang September stattfinden.

Handelsexperten zeigten sich zuletzt allerdings unsicher, ob die Einschnitte wirklich reichen werden, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sagte: "Galeria Karstadt Kaufhof will mit 110 Warenhäusern weitermachen. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass auf Dauer nur rund 80 Warenhaus-Standorte überlebensfähig sind. Das dürfte deshalb noch nicht das Ende des Warenhausschrumpfens sein. Da ist durchaus noch Luft nach unten." Der Konzern habe den Erfolg des Online-Geschäfts verschlafen. Insofern sei es kein Zufall, dass die Schließungspläne ausgerechnet an dem Tag bekannt gegeben würden, an dem Amazon 25 Jahre alt werde.

Der Handelsexperte Thomas Rob von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bewertete die umfangreichen Schließungen als "Zeichen der Ratlosigkeit" und fügte hinzu: "Jetzt haben sie sich noch einmal Luft verschafft. Aber wie lange das trägt, ist durchaus die Frage."

rei/rtr/dpa