Insolvenzverfahren beendet Tag des Neustarts für Galeria Karstadt Kaufhof

Das Insolvenzverfahren der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist nach dem Schuldenschnitt offiziell beendet. Firmenchef Müllenbach gibt sich optimistisch, doch auch ohne Schulden wird die Zukunft schwierig.
Passanten vor einer Kaufhof-Filiale in Hamburg

Passanten vor einer Kaufhof-Filiale in Hamburg

Foto: Georg Wendt / dpa

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) kann neu starten. Das Amtsgericht Essen hob am Mittwoch die Insolvenzverfahren für den Warenhauskonzern und seine Tochterunternehmen Karstadt Sport, Karstadt Feinkost, Le Buffet und Dinea auf, wie ein Justizsprecher mitteilte. Die Gläubiger hatten zuvor den von der Unternehmensführung ausgearbeiteten Insolvenzplänen zugestimmt und damit auf Forderungen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro verzichtet.

Für tausende Mitarbeiter bedeutet die Neuaufstellung allerdings den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Denn die Sanierungspläne sehen die Schließung von mehr als 40 Warenhäusern vor. Fast 130 Kaufhäuser und mehr als 16.000 Arbeitsplätze bleiben aber erhalten.

GKK-Chef Miguel Müllenbach (44) blickt nun mit Optimismus in die Zukunft. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" sagte er vor wenigen Tagen: "Galeria Karstadt Kaufhof ist ab 1. Oktober schuldenfrei und hat eine starke Kapitalbasis. Es waren harte Wochen für uns alle, insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jetzt aber schauen wir nach vorn."

Er kündigte an, der Warenhausriese wolle sich künftig bei seinem Angebot mehr an den lokalen und regionalen Gegebenheiten der Standorte ausrichten und außerdem viel digitaler werden. "Wir werden unseren Onlinehandel massiv ausbauen", sagte er. In diesem Bereich sei GKK in der Vergangenheit viel zu langsam und altbacken gewesen.

Nicht einmal 5 Prozent der Umsätze entstehen im Internet

"Wir sind jetzt besser aufgestellt als jemals zuvor", erklärte Müllenbach zudem am Mittwoch in einem Brief an die Mitarbeiter. "Diese Krise hat uns stärker gemacht, denn wir haben anders als andere Unternehmen keine Schulden", betonte er. Zuvor hatte das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren für den letzten Warenhausriesen in Deutschland aufgehoben. Die Gläubiger hatten Anfang September den Insolvenzplan gebilligt. Doch sollen danach über 40 Filialen geschlossen werden, rund 4000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

"Ich bin so zuversichtlich wie niemals zuvor, dass wir (..) in den kommenden Wochen und Monaten auch gemeinsam die Tabelle auf den Kopf stellen werden", erklärte Müllenbach. Dazu will er auch die Mitarbeiter stärker einbinden: "Die besten Unternehmensberater sind bereits im Unternehmen."

Galeria Karstadt Kaufhof hatte Anfang April im Zuge der Corona-Krise Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Der ohnehin angeschlagene Konzern war durch die coronabedingte vorübergehende Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten. Nun soll der Konzern nach den Plänen der Geschäftsführung zum "vernetzten Marktplatz der Zukunft" werden.

Die Aufgaben auf dem Weg dorthin sind allerdings beträchtlich. Denn Galeria Karstadt Kaufhof leidet nicht nur unter der Corona-Krise. Schon vor der Pandemie machten der Siegeszug des Onlinehandels und die seit Jahren sinkenden Besucherzahlen in den Innenstädten dem Konzern zu schaffen. Der Warenhausriese selbst macht bislang nicht einmal 5 Prozent seiner Umsätze im Internet. Der Nachholbedarf auf diesem wichtigen Wachstumsmarkt ist groß.

Galeria Karstadt Kaufhof gehört ebenso wie zahlreiche der Warenhaus-Immobilien der Signa Holding des österreichischen Investors René Benko (43). Karstadt und Kaufhof waren bereits in der Vergangenheit durch den erbitterten Wettbewerb mit Onlinehändlern von Amazon bis Zalando in die Krise geraten. Die drastischen Einnahmeausfälle in der Corona-Pandemie hatten die Probleme dann verschärft.

cr/dpa/Reuters
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