750 Jobs gerettet Galeria Karstadt Kaufhof schließt sechs Filialen weniger

Galeria-Karstadt-Kaufhof-Chef Miguel Müllenbach hat eine gute Nachricht für 750 seiner Mitarbeiter: Sechs Filialen von Deutschlands letztem großen Warenhauskonzern können erhalten bleiben. Den übrigen 56 Häusern droht aber nach wie vor das Aus.
Galeria-Kaufhof-Filiale in Köln: 750 Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette können aufatmen

Galeria-Kaufhof-Filiale in Köln: 750 Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette können aufatmen

Foto: Christoph Hardt/ imago images/Future Image

Für die Karstadt-Warenhäuser in Dortmund, Nürnberg (Lorenzkirche), Goslar und Potsdam und die Kaufhof-Filialen in Chemnitz und Leverkusen gebe es jetzt wieder eine Zukunftsperspektive, teilte der Vorsitzende der Geschäftsführung Miguel Müllenbach (44) am Freitag in einem Mitarbeiterbrief mit. Rund 750 Mitarbeiter behalten dadurch ihren Arbeitsplatz bei Galeria Karstadt Kaufhof (GKK).

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In schwierigen Verhandlungen sei es gelungen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass die Filialen fortgeführt werden könnten, betonte der Manager, der selbst das Verhandlungsteam führte. Für die übrigen 56 Warenhäuser auf der Schließungsliste gebe es angesichts hoher Mieten und soziodemografischer Standortnachteile allerdings weiterhin "keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive". Müllenbach hatte erst vergangene Woche den Posten als Konzernchef übernommen, nachdem sich der Eigentümer, die österreichische Signa-Gruppe, vom bisherigen Vorsteher Stephan Fanderl getrennt hatte.

Signa hatte Karstadt im Sommer 2014 übernommen und seitdem auf eine Fusion mit Kaufhof hingearbeitet. Im vergangenen Jahr war es dann so weit. Nach mehreren Anläufen und Zwischenschritten verleibte sich Signa-Eigner und Selfmademan René Benko Kaufhof dann komplett ein. Im Januar startete der Gemeinschaftsbetrieb.

In der Hochphase der Corona-Krise musste das Unternehmen unter den Schutzschirm flüchten, ein besonderes Verfahren aus der Insolvenzordnung. Der Konzern rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Für Signa-Eigner Benko ein teures Unterfangen, er muss Hunderte Millionen Euro nachschießen, während gleichzeitig seine Immobilien-Investments mit krisenbedingten Mietausfällen kämpfen. Inzwischen stellt sich die Frage, ob Benko den Absturz der Signa-Gruppe überhaupt verhindern kann .

Verdi begrüßt die Ankündigung

Vor zwei Wochen hatte Galeria Karstadt Kaufhof zum Entsetzen vieler Mitarbeiter und der betroffenen Kommunen die Schließung von insgesamt 62 Filialen in 47 Städten angekündigt. Der GKK-Generalbevollmächtigte  Arndt Geiwitz (51) betonte damals: "Dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden." Wenig später wurde bekannt, dass der Konzern auch 20 von 30 Niederlassungen der Tochter Karstadt Sports und bis zu 24 Filialen von Karstadt Feinkost schließen will.

In den betroffenen Kommunen lösten die Ankündigungen in vielen Fällen Sorge vor einer Verödung der Innenstädte aus. Der Vizepräsident des Deutschen Städtetages, Markus Lewe, sagte: "Die massenhaften Schließungen von Filialen bei Karstadt Kaufhof sind für die betroffenen Städte ein tiefer Einschnitt. Mit diesen Kaufhäusern geht ein Ort der Versorgung und Begegnung verloren."

Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die heutige Ankündigung. "Das ist eine gute Nachricht für die betroffenen Beschäftigten und für die Städte", sagte ihr Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel, Orhan Akman. Verdi werde weiter für die 56 Warenhäuser kämpfen, die nun noch geschlossen werden sollten.

mg/dpa-afx