Mittwoch, 27. Mai 2020

Nach Antrag auf Schutzschirmverfahren Eigentümer Benko will Galeria Karstadt Kaufhof stützen

Rene Benko, österreichischer Immobilien-Unternehmer, will Galeria Karstadt Kaufhof mit bis zu 140 Millionen Euro stützen
Marcel Kusch/dpa
Rene Benko, österreichischer Immobilien-Unternehmer, will Galeria Karstadt Kaufhof mit bis zu 140 Millionen Euro stützen

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof erhält offenbar frisches Kapital von ihrem Eigentümer, dem österreichischen Investor René Benko. Dessen Signa-Gruppe will den kriselnden Konzern einem Medienbericht zufolge kurzfristig mit 140 Millionen Euro stützen. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin "Capital" aus Unternehmenskreisen.

Darüber hinaus habe Benko heute in einer Sitzung des Aufsichtsrates angekündigt, am Fortbestand des Unternehmens festzuhalten. Der Investor sei auch bereit, in Zukunft weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, heißt es.

Die Warenhauskette hatte erst am Mittwoch angesichts der Umsatzeinbrüchedurch die Corona-Pandemie Rettung in einem Schutzschirmverfahren gesucht. Der entsprechende Antrag des Unternehmens auf Einleitung des Verfahrens war vom Amtsgericht Essen stattgegeben worden. Als vorläufiger Sachwalter wurde vom Amtsgericht Essen der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Frank Kebekus eingesetzt. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen dürfte der bisherige Karstadt Kaufhof-Chef Stephan Fanderl, der zuletzt im Urlaub war, nicht mehr ins Unternehmen zurückkehren, heißt es in dem Bericht weiter.

Das Schutzschirmverfahren schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken und selbstständig sanieren.


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In den vergangenen Tagen rang die Unternehmensspitze intensiv mit ihren Hausbanken um eine weitere Finanzierung und den Antrag für eine Staatshilfe. Dem Vernehmen nach war zunächst ein Kredit von rund 800 Millionen Euro im Gespräch. Nach Informationen von "Capital" waren die Hausbanken des Warenhauskonzerns allerdings nicht bereit, einen Teil der Kreditrisikos zu übernehmen.

Voraussetzung, an dem Hilfsprogramm der Bundesregierung partizipieren zu können, ist, dass die Hausbanken bei Krediten der bundeseigenen KfW bis zu 20 Prozent des Ausfallrisikos tragen. Die als Konsortialführer vorgesehene Commerzbank habe allerdings "horrende Zinsen und Sicherheiten" verlangt, sagte ein Unternehmensinsider. Finanzvorstand Miguel Müllenbach klagte, der Prozess, in dem Geschäftsbanken eine entscheidende Rolle spielen, sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit.

Kurzarbeit angemeldet, Mietzahlungen eingestellt

Um aus der Krise zu kommen, hatte die Handelskette bereits zu einer Vielzahl von Maßnahmen gegriffen. So wurde für den Großteil der Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet und das Zahlungsziel für Lieferanten einseitig 30 Tage verlängert. Zudem stellten die Essener wie andere Unternehmen auch vorübergehend die Mietzahlungen ein. Konzernchef Fanderl hatte in der vergangenen Woche in einem Brief an die Mitarbeiter von einer "existenziellen Bedrohung" gesprochen.

Nach eigenen Angaben verliert Galeria Karstadt Kaufhof durch die Schließung der Warenhäuser seit dem 18. März jede Woche mehr als 80 Millionen Euro Umsatz.


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Die angeordneten Ladenschließungen für die meisten sogenannten Non-Food-Geschäfte stellen zurzeit viele deutsche Handelsketten vor große Probleme, weil plötzlich der Umsatz fehlt, die Kosten aber weiterlaufen. Für Galeria Karstadt Kaufhof ist die Situation allerdings doppelt schwierig. Denn die Krise trifft das Unternehmen noch mitten im Restrukturierungsprozess.

Die Warenhäuser kämpfen schon seit Jahren mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Der Online-Handel, Einkaufscenter und veränderte Einkaufsgewohnheiten forderten ihren Tribut. Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof galt deshalb als letzte Chance für das in die Jahre gekommene Geschäftsmodell.

msc

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