460-Millionen-Euro-Kredit Galeria Karstadt Kaufhof bekommt Finanzhilfe vom Staat

Es hatte sich abgezeichnet, jetzt wird es ernst: Der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzern ist nach überstandener Insolvenz durch die Corona-Krise erneut so stark unter Druck geraten, dass er Hilfe braucht - und jetzt bekommt.
Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof in Trier: Der Handelskonzern steht in der Corona-Krise erneut unter Druck

Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof in Trier: Der Handelskonzern steht in der Corona-Krise erneut unter Druck

Foto: Harald Tittel/ dpa

Der kriselnde Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) kann in der Corona-Pandemie auf einen staatlichen Kredit zurückgreifen. Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium hätten sich auf eine Stabilisierungsmaßnahme zugunsten des letzten deutschen Warenhauskonzerns in Höhe von bis zu 460 Millionen Euro verständigt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch laut Nachrichtenagentur Reuters. Die Nachrichtenagentur DPA berichtete mit Verweis auf informierte Kreise ebenfalls über den Kredit, den der Ausschuss des Wirtschaftsstabilisierungsfonds am Mittwoch beschlossen habe.

Es handele sich um ein Nachrangdarlehen in entsprechender Höhe, für das der Konzern eine angemessene Verzinsung zahlen müsse. Die Bundesregierung wolle einen Beitrag leisten, um die Stellen der noch über 17.000 Beschäftigten zu sichern und die aktuell schwierige Lage für das Unternehmen zu überbrücken. Galeria-Chef Miguel Müllenbach (44) erklärte in einem Brief an die Mitarbeiter, der Kredit sichere die nötige Liquidität in den nächsten Wochen und Monaten der Pandemie: "Dafür sind wir sehr dankbar." Müllenbach hatte zuvor bereits in einem Brandbrief deutlich gemacht, wie sehr sein Unternehmen in der prekären Lage auf staatliche Hilfe angewiesen ist .

Der Konzern hatte sich Insidern zufolge bereits zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr erfolglos um Staatshilfen bemüht und war dann in ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung geflüchtet. Nach dem Ende des Insolvenzverfahrens im September hatte das Unternehmen auf einen Neubeginn gesetzt - Galeria sei nun frei von Schulden und besser aufgestellt als je zuvor, hieß es damals.

Der aktuelle Lockdown mit den behördlich verordneten Schließungen seiner rund 130 Filialen trifft jedoch auch den Warenhausriesen empfindlich, der im erbitterten Wettbewerb mit Online-Händlern wie Amazon oder Zalando steht. Der Gesamtbetriebsrat von Galeria Karstadt Kaufhof hatte die Politik zum Dialog über "tragfähige Lösungen" aufgefordert. Galeria Karstadt Kaufhof gehört ebenso wie zahlreiche der Warenhaus-Immobilien der Signa Holding des österreichischen Investors René Benko (43).

Die Bundesregierung hatte den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im März 2020 gegründet, um in der Corona-Krise große Unternehmen mit Garantien und Kapitalhilfen zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte sich in einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (62, SPD) massiv für eine Unterstützung des Warenhauskonzerns eingesetzt. GKK sei mit 310 Millionen Kunden pro Jahr "ein Herzstück der deutschen Innenstädte", schrieb HDE-Präsident Josef Sanktjohanser (70). "Die Warenhäuser und ihre Anziehungskraft sind überlebenswichtig, auch für kleinere Händler in der Nachbarschaft, die Gastronomie und damit das gesamte innerstädtische Leben." Sie seien "systemrelevant".

GKK ist der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas und Marktführer in Deutschland, beschäftigt rund 17.800 Mitarbeiter und betreibt rund 130 Warenhäuser. Die Corona-Krise hatte das ohnehin angeschlagene Unternehmen massiv getroffen. Bereits während des ersten Lockdowns im April vergangenen Jahres hatte der Konzern Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Erst Ende September hatte er das Insolvenzverfahren abgeschlossen. Es sollte dem letzten verbliebenen deutschen Warenhauskonzern eigentlich durch die Schließung von mehr als 40 Filialen, den Abbau von rund 4000 Stellen und die Streichung von mehr zwei Milliarden Euro Schulden einen Neustart ermöglichen.

cr/DPA, Reuters