Versicherungsbetrug vor Sport-Großereignissen Wenn Özil schießt, kracht oft die Mattscheibe

Große Fußball-Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Der TV-Absatz steigt dann signifikant, bestätigt die Branche. Die Schäden an Flachbildschirmen auf wundersame Weise auch, klagt die Versicherungswirtschaft.
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Özil, Müller, Gomez - in Kürze stürmen sie wieder. Und wenn Joachim Löws Fußball-Recken zur Fußball-EM in Frankreich gegen den Ball oder das gegnerische Schienbein treten, schnellen die TV-Einschaltquoten wieder in schwindelerregende Höhen.

34,65 Millionen Deutsche sahen das WM-Finale 2014 gegen Argentinien, Public Viewings oder Kneipen-Übertragungen nicht mal eingerechnet. Zwischen 25 bis 28 Millionen waren es bei den anderen Deutschland-Spielen. Nicht selten verfolgen die Fußballbegeisterten das Match vor einem nagelneuen TV-Gerät.

Große Fußballturniere sind auch Hochkonjunktur für große Elektronikmärkte wie Media-Saturn oder Euronics. Die Prospekte stellen das Sportgroßereignis bewusst in den Werbemittelpunkt. "Elfer für alle" verspricht der "TechNick" von MediaSaturn und holt sich in Kürze Verstärkung bei Mario Götze, dem Siegtorschützen der WM 2014. "Daran kommt keiner vorbei " phrasiert Ex-Nationaltorwart Olli Kahn bei Euronics.

Dass die TV-Verkäufe vor solchen Sport-Großereignissen kräftig anziehen, räumt die Branche freimütig ein. "Klar, der Absatz steigt definitiv", sagt Benedict Kober, Sprecher des Vorstands von Euronics. Für den WM-Zeitraum rechnet er mit einem Plus im TV-Geschäft von 10 Prozent. Detaillierte Absatzahlen können oder wollen die Sprecher aber nicht nennen. Den Elektronik-Märkten spielt dabei in die Karten, dass just zur EM verstärkt eine neue Generation von TV-Geräten die Märkte erreicht. Das Format HDR soll eine noch bessere Bild- und Tonqualität liefern.

Wie so oft im Wirtschaftsleben gibt es auch eine Kehrseite des Booms, ist des einen Profit nicht selten des anderen Pein - im letzteren Fall konkret der Versicherer. Denn wie von Geisterhand kommt es zum mysteriösen Massensterben älterer TV-Geräte. Kurz vor oder während Fußball-Großereignissen steigen die Schadensmeldungen zu defekten TV-Geräten signifikant an, berichten Versicherer. Der Anstieg sei um so ausgeprägter, wenn zugleich vielversprechende technische Neuerungen auf den Markt kämen.

Mit der Zahlung des Versicherers das neue TV-Gerät finanzieren?

"Zur Finanzierung eines neuen Fernsehers wird manchmal ein Schaden am alten Gerät herbeigeführt, den es so nie gegeben hat", sagt Thomas Leicht überzeugt. Der Mann ist Chef der Kommission Kriminalitätsbekämpfung im Interessenverband der Versicherungswirtschaft (GDV). Mit anderen Worten: Der Versicherungsbetrug zu Fußball-Großereignissen in der privaten Haftpflichtversicherung steigt, wie einzelne Versicherer ihrem Verband immer wieder berichteten.

Erstmals deutlich geworden sei der Zusammenhang bei der Fußball-WM 2006, als der Modellwechsel vom Röhrenfernseher zum Flachbildschirm anstand. Auch bei der jüngsten Fußball-WM, die erstmals in 3D ausgestrahlt wurde, hätten Versicherer "auffällig" gestiegene Schadenmeldungen zu kaputten Flachbildfernsehern beklagt.

Auch bei Techniksprüngen stiegen die Schadensmeldungen deutlich an

Eine detaillierte Schadensstatistik, die solche Großereignisse fokussiert, kann der GDV nicht liefern. Eine übergreifende Erhebung scheint den Verdacht aber zu erhärten. Der Studie zufolge meldeten Versicherungskunden ihren Anbietern jedes Jahr tausende Schäden an TV-Geräten. Jede vierte Meldung, das hätten Nachforschungen ergeben, sei nicht plausibel und lasse den Verdacht des Versicherungsbetrugs zu.

Wie Versicherer das feststellen?

Die Schilderung des Kunden und das Schadenbild passten in diesen Fällen dann einfach nicht zueinander. Oft stellten Experte die Schadensfälle auch nach, um bei Betrugsverdacht Ungereimtheiten beweisen zu können. Für die Studie wertete der GDV 1800 gemeldete Schäden an TV-Geräten aus. Die durchschnittliche Forderung an die Versicherung: 745 Euro. Das Geld - Fußball hin oder her - dürfte in der Regel wieder beim Elektronik-Großmarkt landen.

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