Mittwoch, 13. November 2019

Modeunternehmen in der Bredouille Forever21 geht unter Gläubigerschutz

Forever21: Fast-Fashion-Unternehmen meldet Insolvenz an

Der Modehändler Forever21 hat am vergangenen Sonntag in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Das Fast-Fashion-Unternehmen will sich nun sanieren und unprofitable Bereiche streichen. Die Umstrukturierung soll ermöglichen, sich auf den profitablen Kern zu konzentrieren, hieß es in Berichten.

Bis zu 178 Filialen sollen jetzt geschlossen werden, in einigen Presseberichten ist sogar von 350 Filialen die Rede. Der Ausstieg aus Japan ist dabei bereits beschlossene Sache. Auch in London und China waren schon zuvor Geschäfte geschlossen worden. Hierzulande prangten zuletzt an Schaufenstern der einen oder anderen Filiale bereits Schilder "Alles muss raus" - wie beispielsweise in den Potsdamer Platz-Arkaden in Berlin. Nun stehen weitere Filialen in Europa vor dem Aus. Forever21 betrieb zu Hochzeiten rund 815 Shops in 57 Ländern weltweit, der Hauptanteil befindet sich dabei in den USA.

Gegründet wurde das auf eine junge Kundschaft zielende Billig-Modelabel zunächst dem Namen Fashion21 von dem Ehepaar Jin Sook und Do Won Chang im Jahr 1984 in Los Angeles. Ein Hoch erlebten die beiden Gründer im 2015 als "Forbes" das Vermögen der beiden Gründer auf 5,9 Milliarden Dollar schätzte. Inzwischen hat das renommierte Wirtschaftsmagazin die beiden aus der Milliardärsliste herausgenommen, da das Vermögen nunmehr auf 1,6 Milliarden Dollar geschätzt wird, also auf 800 Millionen Dollar pro Person.

Mit günstigen und schnell wechselnden Kollektionen hat Forever21 ähnlich wie H&M und Zara junge Frauen und Männer sowie Teenager im Blick. 2012 setze das Unternehmen 3,4 Milliarden Dollar um, 2016 waren es 4,4 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr lagen die Erlöse jedoch laut Berichten nur noch bei 3,3 Milliarden Dollar. Im Insolvenzantrag listet Forever21 Vermögenswerte und Verbindlichkeiten im Bereich von ein bis 10 Milliarden Dollar auf, heißt es. Finanzielle Unterstützung hat sich das Unternehmen erstmal noch von der JP Morgan Chase Bank geholt, die 275 Millionen Dollar bereitstellen, und von TPG Sixth Street Partners, die 75 Millionen Dollar dazugeben.

Experten meinen, das Unternehmen habe die Exvonpansion zu schnell betrieben. Auch habe sich der Markt verändert. Viele Käufer sind auf das Onlinegeschäft umgestiegen, ein Bereich der bei Forever21 nur einen Anteil von 16 Prozent des Umsatzes ausmacht. Doch neben der verstärkten Onlinenutzung, die bereits schon andere große Händler und Marken wie die US-Kaufhauskette Sears oder den Spielzeughändler Toys'R'Us in die Bredouille brachte, spielen bei der jungen Kundschaft seit ein bis zwei Jahren immer stärker die Themen Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung eine Rolle.

Hinzu kommen neue Geschäftsideen, die immer mehr Kunden gewinnen. "Das Geschäftsmodell von Forever 21, den Konsumenten immer die neuesten Trends verfügbar zu machen, wird heute durch Unternehmen wie Mietmodeanbieter "Rent the Runway" und Second-Hand-Anbieter "thredUP" in den Hintergrund gedrängt", kommentiert Jon Reily vom Beratungshaus Publicis Sapient.

Linda Chang, Tochter der Firmengründer und Vizepräsidentin von Forever12, sagte derweil, das Unternehmen sei innerhalb von sechs Jahren in 47 Länder expandiert. Man habe das Sortiment erweitert und das sei kompliziert gewesen. "Wir hoffen, dass wir die Dinge nun vereinfachen können", so Chang. Künftig will sich das Forever21 wohl vor allem auf Kleidung konzentrieren - und nicht mehr so viel Kosmetik, Accessoires und Elektrogeräte anbieten.

mit reuters

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