Montag, 1. Juni 2020

Angeblich eine Milliarde Euro Umsatzeinbußen Galeria Karstadt Kaufhof bereitet Mitarbeiter auf Filialschließungen vor

Offen aber weitgehend menschenleer: Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filiale in Berlin Anfang Mai
Bernd von Jutrczenka/dpa
Offen aber weitgehend menschenleer: Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filiale in Berlin Anfang Mai

Bis Ende Juni hat der Karstadt-Kaufhof-Investor Rene Benko noch - dann müssen er und sein Team dem Amtsgericht Essen, den Gläubigern und den Mitarbeitern einen Sanierungsplan vorlegen, mit dem er Galeria Karstadt Kaufhof aus der Krise führen will. So sehen es die Regeln des Schutzschirmverfahrens vor, in das sich die Warenhauskette angesichts der Corona-Krise geflüchtet hat.

Nun verdichten sich die Anzeichen, dass dem Plan eine Vielzahl von Häusern - und damit Jobs - zum Opfer fallen dürften. In einem Schreiben vom Montag bereitet die Geschäftsführung die Mitarbeiter jedenfalls auf mögliche Fililalschließungen und Jobabbau vor.

Mit einem ersten Entwurf des Sanierungskonzepts sei nach dem aktuellen Stand der Dinge zwar nicht vor Ende der laufenden Woche zu rechnen, heißt es da. Der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz "haben aber bereits angedeutet, dass die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden". Sie hätten zudem klar kommuniziert, "dass es nun neben vielen anderen teilweise einschneidenden Maßnahmen leider auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen" müsse, um Galeria Karstadt Kaufhof nachhaltig gesund aufzubauen, so die Geschäftsführung weiter.

Bis zu eine Milliarde Euro Umsatzverlust

Genaue Zahlen, wie viele Filialen geschlossen werden sollen und wie viele Mitarbeiter ihr Beschäftigungsverhältnis verlieren werden, kommunizierten die Manager nicht.

Sie teilten lediglich mit, dass Galeria Karstadt Kaufhof während der Zeit der Komplettschließung mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren habe. Und dass sich der Umsatzverlust aufgrund eingeschränkter Kundenfrequenz und Kaufzurückhaltung angesichts der Krise wohl auf bis zu einer Milliarde Euro erhöhen werde.

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Damit zeichnet sich ab, was viele angesichts der Wahl eines Schutzschirmverfahrens bereits befürchtet hatten: Dass der Tarifvertrag, den Verdi noch im Dezember ausgehandelt hatte und der den Bestand aller Häuser bis Ende 2024 festschrieb, nicht mehr das Papier wert ist, auf dem er geschrieben wurde.

Bis die Beschäftigten darüber Klarheit haben, ob tatsächlich, wie von Arbeitnehmerseite befürchtet, bis zu 60 der gut 170 Häuser von der Schließung betroffen sein werden, wird es allerdings noch etwas dauern. Bis dahin, so die Geschäftsführung, sollten die Mitarbeiter doch am besten wie bisher alles dafür "geben, unsere Kunden von uns zu überzeugen".

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