Freitag, 24. Mai 2019

Britischer Softdrink-Hersteller Prosit Profit - Gin-Tonic-Hype beflügelt Fever-Tree

Die Fever-Tree-Gründer Charles Rolls und Tim Warrillow (rechts)
Oliver Dixon / Imagewise
Die Fever-Tree-Gründer Charles Rolls und Tim Warrillow (rechts)

Haben die Gründer zu früh verkauft? Auf den ersten Blick wirkt die Frage impertinent, schließlich haben Tim Warrillow und Charles Rolls im vergangenen Jahr Dutzende Millionen Pfund mit Aktienpaketen ihres Softdrink-Herstellers Fever-Tree eingenommen. In nur knapp drei Jahren hatte das Unternehmen zuvor 1100 Prozent an der Börse hinzugewonnen.

Ein Jahr später könnte sich bei den Gründern allerdings leichte Reue breit machen: Fever-Tree wächst weiterhin rasant. Um 45 Prozent konnte das Unternehmen seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr steigern, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Bruttomarge hielten die vor allem für ihre Tonic Water bekannten Briten weiterhin über 50 Prozent. Angesichts dieser Erfolge sei man zuversichtlich, "die eigenen Erwartungen komfortabel zu übertreffen", teilte das Board des Unternehmens mit Blick auf das gesamte Geschäftsjahr mit. An der Börse legte die Aktie um knapp 10 Prozent zu - seit Anfang des Jahres beträgt das Plus damit gut 71 Prozent.

Fever-Tree verkauft 13 verschiedene "Mixer", also Softdrinks, die vor allem zur Herstellung von Cocktails gedacht sind, an Hotels, Bars und Restaurants, aber auch im Einzelhandel. Zum Sortiment gehören unter anderem vier verschiedene Tonic-Water-Varianten, Ginger Beer, Limonade, Ginger Ale und Cola. Die Produktion haben die Briten ausgelagert, die 50 Mitarbeiter konzentrieren sich vor allem aufs Marketing.

Kooperationsvertrag soll US-Geschäft befeuern

56 Prozent des Geschäfts macht Fever-Tree aktuell im Heimatmarkt; zwar stehen die kleinen Glasflaschen auch in deutschen Supermärkten, das kontinentale Europa macht mit 25,8 Millionen Pfund allerdings nur gut ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Die USA kommen auf etwa 14 Prozent - dort hofft man allerdings auf steigende Zahlen: Fever-Tree hat jüngst einen Kooperationsvertrag mit SGWS, dem größten nordamerikanischen Vertrieb für Wein und Spirituosen, unterzeichnet.

Entsprechend gibt sich das Unternehmen insgesamt höchst zuversichtlich. Auch in Europa werde man vom fortschreitenden Trend hin zu höherwertigen Gin-Sorgen profitieren, während man die "Beschleunigung und Verbreitung von Gin&Tonic in Westeuropa" stütze. Analysten hatten das Unternehmen denn auch schon vor einem Jahr als mögliches Übernahmeziel für Getränkeriesen wie Diageo gesehen.

Allzu sehr grämen müssen sich Warrillow und Rolls angesichts solcher Spekulationen und ihrer Verkäufe aus dem vergangenen Jahr übrigens nicht: Gemeinsam halten sie immer noch fast 13 Prozent an ihrem milliardenschweren Unternehmen.

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