Haub gegen Haub Familienstreit bei Tengelmann geht vor Gericht

Der Streit zwischen den Brüdern Georg und Christian Haub um die künftige Struktur des Familienunternehmens Tengelmann wird vor Gericht ausgetragen. Hintergrund ist ein Gesellschafterbeschluss.
Erbschaftsstreit: Die drei Brüder Karl-Erivan Haub, Georg Haub und Christian Haub gehen vor Gericht

Erbschaftsstreit: Die drei Brüder Karl-Erivan Haub, Georg Haub und Christian Haub gehen vor Gericht

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Vor gut zwei Jahrzehnten gehörten die Haubs zu den ganz großen Unternehmern im Land. 1998 schrieb ihr Handelskonzern Tengelmann 53,2 Milliarden Mark Umsatz. Doch weil Patriarch Erivan Haub (1932 bis 2018) nicht loslassen konnte und seine drei Erben einander bekriegten – Millionenkosten für Detektive zum Ausspähen der Verwandten inklusive –, kochten sie ihr Reich auf 8,3 Milliarden Euro Umsatz ein.

Den Rest kontrolliert seit Juni Christian Haub (57) zu 68,7 Prozent. Nach drei Jahren voller Dramen, Gerichtsterminen und Anwaltsrechnungen hat er seiner Schwägerin Katrin Haub (58) und ihren beiden Kindern deren Drittel am Konzern abgekauft. Für die Macht zahlt er der Witwe seines Bruders Karl-Erivan, der 2018 bei einer Bergtour umkam, etwa 1,3 Milliarden Euro.

Arrangiert hatte sich Christian Haub auch mit dem dritten Bruder Georg Haub (59; 31,3 Prozent), der sich bisher nur für die Dividenden zu interessieren schien. Georg werde "seinen Tätigkeitsschwerpunkt in die USA verlagern" und sich um die Immobilien des Clans kümmern, gaben die Haub vergangenes Jahr zu Protokoll. Nun wird aus dem neuen Familienfrieden wieder der alte Familienkrieg.

Der Streit zwischen den Brüdern Georg und Christian Haub um die künftige Struktur des Familienunternehmens Tengelmann wird vor Gericht ausgetragen. Nach einem Bericht der "Lebensmittelzeitung" klagt Georg Haub gegen die Auflösung von Tengelmann-Rücklagen. Georg Haub habe seinen Bruder Christian Haub vor dem Landgericht München auf Rückzahlung von 800 Millionen an die Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG verklagt, bestätigte eine Sprecherin des Gerichts am Donnerstag.

Gesellschafterbeschluss führte zum Streit

Hintergrund des Streites ist ein Gesellschafterbeschluss vom 2. Dezember 2021 zur Auflösung von Rücklagen in Höhe von 1,17 Milliarden Euro, die auf die Konten der Gesellschafter umgebucht wurden. Der Kläger Georg Haub halte den Beschluss für unwirksam, weil eine Drei-Viertel-Mehrheit erforderlich gewesen wäre. Er habe auch ein Schiedsgericht angerufen.

Christian Haub hatte nach dem Verschwinden von Karl-Erivan Haub in den Schweizer Alpen die Leitung der Tengelmann-Gruppe übernommen und ist mit 69 Prozent der Anteile Mehrheitsgesellschafter. Die restlichen 31 Prozent hält sein Bruder Georg.

Die Auflösung der Rücklagen habe Christian Haub zur Finanzierung der zweiten Kaufpreisrate an den Kölner Familienstamm gedient. Christian Haubs Anwalt Mark Binz sagte der "Lebensmittelzeitung": "Die Klagen sind völlig aussichtslos."

Die Brüder schienen sich im vergangenen Sommer geeinigt zu haben. Nach "langwierigen und harten", aber fairen Verhandlungen sei der notarielle Kaufvertrag unterzeichnet worden, hatten die Anwälte beider Seiten, Mark Binz und Peter Gauweiler, damals mitgeteilt.

Karl-Erivan Haub war im April 2018 nicht von einer Skitour im schweizerischen Zermatt zurückgekehrt. Das Amtsgericht Köln hat ihn für tot erklärt.

sio/dpa